Neujahrstag, 01.01.2026, Off. 21,5, Tersteegenkirche, Doerthe Brandner
Seit heute begleitet uns eine neue Losung durch das Jahr. Es ist ein Vers aus der Offenbarung, dem letzten Buch der Bibel - Gott spricht: "Siehe, ich mache alles neu."
Der heutige Podcast aus der Tersteegenkirche umfasst den gesamten Gottesdienst, die Predigt beginnt bei 21:48.
2. Christtag, 26.12.2025, Mt 1, 18-25, Stadtkirche, Doerthe Brandner
Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt.
Amen
Ein irisches Weihnachtslied (Quelle unbekannt):
Wenn der Gesang der Engel verstummt ist,
Wenn der Stern am Himmel untergegangen,
Wenn die Könige und Fürsten heimgekehrt sind,
Die Hirten mit ihren Herden fortgezogen sind,
Dann erst beginnt das Werk von Weihnachten:
Die Verlorenen finden,
Die Zerbrochenen heilen,
Den Hungernden zu essen geben,
Die Gefangenen freilassen,
Die Völker aufrichten,
Den Menschen Frieden bringen,
In den Herzen musizieren.
Noch, liebe Gemeinde, ist der Gesang der Engel nicht verstummt und die Hirten sind noch nicht wieder heimgekehrt. Noch stehen wir im Licht von Weihnachten – auch heute am 2. Weihnachtstag noch und übermorgen am Sonntag und noch bis in das neue Jahr hinein.
Doch spätestens an dem ersten Wochenende im neuen Jahr rückt der Alltag wieder in greifbare Nähe. Mancher seiner Schatten mag sogar bis heute reichen.
Dann, liebe Gemeinde, beginnt die Zeit, in der es an uns ist, das Werk von Weihnachten zu beginnen.
Das Werk von Weihnachten…
Es war in der Woche zwischen dem 3. und dem 4. Advent. Aufgebracht erzählte mir eine Frau bei unserer Begegnung von etwas, das sie furchtbar ärgerte. Und sie schloss ihren Bericht mit den Worten: Diese Person und ihr Verhalten haben mir das ganze Weihnachten verleidet!
Das ganz Weihnachten ist mir verleidet…
Die Worte klangen mir noch nach, als unser Gespräch längst beendet war. Das ganze Weihnachten…
Was diese Frau wohl damit meinte?
- Besinnlichkeit?
- Harmonie und Familienfrieden?
- Zwei bis drei Tage, in denen die Sorgen und die Schatten des Alltags draußen bleiben und einfach mal alles gut ist?
Je länger mir die Worte der Frau und ihr spürbarer resignativer Ärger nachgingen, desto ratloser wurde ich…
… das ganze Weihnachten. Das klingt so groß und umfassend. So absolut. ALLES ist verleidet – das GANZE Weihnachten…
Hatte nicht irgendjemand mal gesagt: Die Botschaft von Weihnachten ist so groß und gleichzeitig so klar und eindeutig, dass sie quasi in eine Nuss passt?
Weihnachten in nuce.
Dann ist dieses Jahr Weihnachten für meine Gesprächspartnerin wohl zu einer tauben Nuss geworden – weil jemand und etwas sie bitter geärgert hatte?
Wenn das so ist,
wenn Weihnachten so anfällig und labil sogar für kleinen, persönlichen Ärger ist, dann geht es wohl auf in Hirtenromantik, im seligen Lächeln des Kindes mit lockigem Haar und süßem Glockenklang.
Auf keinen Fall ist Weihnachten mit seiner Botschaft dann so kraft- und machtvoll, dass der Himmel auf die Erde kommt und – wie es in einem Weihnachtslied heißt: Dass Sünd und Hölle sich grämen und Tod und Teufel sich schämen (EG 39 Str. 2) – und in einem anderen die Tür zum Paradies wieder aufgeschlossen ist (EG 27, 6).
Die Weihnachtsgeschichte, in der der Evangelist Matthäus von der Geburt Jesu erzählt, gibt eine Ahnung davon, dass dieses Ereignis etwas anderes ist als Familienharmonie und als das, was viele von uns in unserem Herzensgrund für diese Tage ersehen.
Matthäus erzählt von einem Weihnachten, das die Kraft hat, Menschen dazu zu bringen, von persönlicher Kränkung abzusehen und stattdessen in den Sperrigkeiten und Widrigkeiten des Lebens, in die man selbstverursacht oder von anderen geschubst, hineingeraten ist, ein gottgewirktes Wunder zu entdecken.
Hören wir, was der Evangelist Matthäus in seinem ersten Kapitel berichtet:
Mt 1, 18-25
18Die Geburt Jesu Christi geschah aber so:
Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich,
ehe sie zusammenkamen, dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist.
19Josef aber, ihr Mann, der fromm und gerecht war
und sie nicht in Schande bringen wollte, gedachte, sie heimlich zu verlassen.
20Als er noch so dachte, siehe,
da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach:
Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist.
21Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben,
denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.
22Das ist aber alles geschehen, auf dass erfüllt würde,
was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht:
23»Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären,
und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«,
das heißt übersetzt: Gott mit uns.
24Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er,
wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.
25Und er erkannte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar;
und er gab ihm den Namen Jesus.
Die Geburt Jesu Christi geschah aber so:
So beginnt ein nüchterner Bericht – ganz anders als die: Es-war-einmal-Geschichte des Evangelisten Lukas, die sich zu der Zeit begab, als Quirinius Statthalter von Syrien war.
Und es mag sich für die eine und den anderen beim Hören anfühlen, als stolpere sie und er in ein ungeplantes Ereignis hinein, genauso wie Josef in die ungeplante und unerwartete Schwangerschaft seiner Verlobten hineinstolperte.
Und mit Josef stehen wir mit diesem Bericht des Mt vor der Frage und der Herausforderung:
- Nehmen wir Reißaus und verabschieden wir uns stiekum aus dem Geschehen wieder hinein in die Heimeligkeit unserer Weihnachtszimmer?
- Oder lassen wir uns mit dem Bericht des Mt zu einer Weihnachtserkenntnis führen, die uns ebenso – wie Josef die nicht von ihm herbeigeführte Schwangerschaft von Maria – nötigt, die Dinge, die das Leben aufgibt, in einem ganz anderen Licht zu sehen?
…
Die Dinge, die das Leben aufgibt –
Für meine Gesprächspartnerin in der vergangenen Woche war dies eine zugefügte Kränkung. In dieser Geschichte ist es, wie auch heute für unzählige Frauen hier und anderswo, eine ungeplante – oft auch ungewollte – Schwangerschaft zur Unzeit, die eine junge Frau wie Maria damals – und junge Frauen auch heute noch anderswo und auch hier – aus der sozialen Ordnung fallen lässt.
Und eigentlich denke ich, müsste nun der Evangelist Mt in seinem Bericht im vorauseilenden Gehorsam des Kindes, das als Erwachsener jeden Menschen, der ihm begegnete, ansah, nach Maria fragen – und mit ihr nach all den Marias überall auf der Welt: Du Mädchen – du Frau…
- Wie geht es dir?
- Welche Sorgen und Ängste treiben dich um?
- Wirst du dieses Kind annehmen – am besten sogar lieben können – oder wird es dir fremd bleiben – sogar eine bittere Erinnerung an die Umstände sein, durch die du schwanger geworden bist?
- Oder gibt es womöglich eine trotzige Dennoch-Freude in dir über das wachsende Leben?
…
Damit die Marias dieser Welt –
so gesehen und gefragt werden, wird dieses Kind dieser Maria geboren werden und leben.
Und vielleicht wird es Menschen ja so sehen und fragen können, weil seine Mutter in der Schwangerschaft mit ihm gelernt hat: Was auch immer die Menschen sagen mögen: Dieses Kind ist ein Gotteskind. Denn nur durch Gottes Zutun wächst es in mir.
Und die Botschaft dieses Gotteskindes an jeden Menschen wird sein:
DU bist ein Gotteskind. Aus Gottes Segen lebst du und mit Gottes Segen gehst du – immer. Gottes Segen ist stärker als alles Lebensleid und alle Kränkung.
Doch da ist der Evangelist Matthäus noch nicht.
Er überlässt es seinen Lesenden diese Schlüsse zu ziehen.
Mt rückt Josef in den Fokus.
- Und lese ich dies aus heutiger Sicht, denke ich: Ja, natürlich muss – auch – Josef in den Blick rücken, denn eine Schwangerschaft ist nie nur allein Frauensache!
Mit Matthäus ist es Josef aufgegeben, sich zu der Schwangerschaft seiner Verlobten zu verhalten – oder eher noch eine Haltung zu ihr zu finden.
Das überfordert Josef.
Aus seiner Sicht gesehen finde ich es sehr verstehbar, dass er einen Ausweg für sich sucht. Und es ist achtenswert, dass er diesen Ausweg so sucht, dass Maria als unverheiratetes schwangeres junges Mädchen damit in der damaligen Gesellschaft maximal geschützt ist.
Ihm hilft die mythologisch gefärbte Begründung, dass Maria jungfräulich schwanger geworden sei – also Gott selber durch den Heiligen Geist der Vater? – der Verursacher? – der Erzeuger? – des Kindes sei, erst einmal nicht. Das klingt in Josefs Ohren doch nach einer allzu abenteuerlichen Ausrede.
Und mal ehrlich! – Wer von uns kann schon als wacher, denkender Mensch mit Glaubensinbrunst die Worte des Apostolischen Glaubensbekenntnisses mitsprechen: Geboren von der Jungfrau Maria? – Die Konfis in meinen bisherigen rund 30 Berufsjahren sperrten sich zumindest meist heftig dagegen.
Kein Wunder, dass Josef sich davonstehlen will.
Wie viele Menschen mögen sich aus diesem Glauben und der Kirche stehlen, weil die Forderung nach einem Glauben mit Aussagen in der Qualität einer Jungfrauengeburt sich ihrem aufgeklärten Geist zu tiefst sträubt? – Aussagen, die stehen gelassen werden, statt sich an ihnen reibend sie tiefer zu durchschmecken, sodass die in ihnen liegende Wahrheit jenseits der Richtigkeit der Worte beginnt zu leuchten. –
…
Und dann träumt Josef.
Und im Traum begegnet ihm ein Engel, der das Unglaubliche bestätigt und Josef zu der Erkenntnis führt: Die Verantwortung, die ich als Verlobter habe, reicht viel weiter als nur bis zur Fürsorge für Maria.
Josefs traumhafte und engelsgewirkte Erkenntnis liegt nicht in dem Für-wahr-Halten der jungfräulichen Schwangerschaft. Sie liegt darin, Gottes Mit-dieser-Welt-Sein zu entdecken und als Aufgabe für sich selbst anzunehmen.
Der Auftrag, den der Engel Josef gibt, ist ebenso schlicht wie groß:
- Nenn das Kind bei seinem Namen und mach diesen Namen öffentlich.
Vordergründig betrachtet ein völlig folgerichtiges Verhalten, wenn ein Kind geboren ist.
In der Tradition damals aber wenigstens unerwartet, wenn nicht ein Bruch mit allem, was sich gehört: Söhne hießen nach ihren Vätern und Vorvätern. Denn in der eigenen Familie findet man seine Wurzeln, seine Herkunft und Zugehörigkeit.
Jesus – Jeshua – diesen Namen gab es in dem Stammbaum Josefs nicht, wie in den Versen vor diesem Bericht deutlich wird.
Unerhört ist deshalb der Name, den Josef dem Kind geben soll.
Ungehörig – und unerhört, denn die im Namen liegende Botschaft ist offenbar lange nicht mehr gehört worden:
Gott mit uns – Immanuel
Und mit dieser Namensgebung erfolgt ein Perspektivwechsel, der radikaler nicht sein könnte:
Was wir sehen und wie wir die Wirklichkeit benennen, zeugt von unserer Wahrnehmung und unserem Er-Leben.
Wenn wir es schaffen von unserer Wahrnehmung abzusehen und den Raum unserer eigenen – freiwilligen oder unfreiwilligen – Verstricktheit in die Dinge der Welt zu verlassen, öffnet sich uns der Blick hin zum wahren Wesen dieser Welt, das jenseits unserer Verfügbarkeit liegt.
In diesem Bericht von der Geburt Jesu erhält Josef genau diese Aufgabe: Den Sprung aus dem Gefangensein in persönlicher Kränkung und eigener Weltsicht zu wagen – sich loszulassen und die eigene Wirklichkeit zu verlassen – hinein in den Segen dessen, der vor allem Anfang war – der schöpfungsgleich die Welt durchwirkt – und der nach allem Ende immer noch sein wird.
- Den Segen, der heißt: Gott mit uns – Immanuel.
Das ist die Botschaft des Mt.
Mit Josef wird Weihnachten zum Ruf an uns, unsere Wirklichkeit bei dem Namen zu nennen, den sie von Gott her hat:
- Immanuel – Gott mit dir und mir, wenn wir gefangen sind in den Kränkungen, die uns das Leben zufügt.
- Genauso, wenn wir in unserem eigenen Kleingeist verharren,
wie wenn die frisch erfahrene Kränkung an einen viel früheren und tiefer liegenden Seelenschmerz rührt.
Immanuel, Gott mit uns –
- Gott mit all den Frauen, die schwanger sind, und die Angst haben, dass sie mit ihrer Schwangerschaft nicht akzeptiert werden und ihrem Kind schon jetzt der Platz im Leben verwehrt wird. – Und mit allen Männern, die vor ihrer Verantwortung fliehen wollen.
Immanuel, Gott mit uns –
- Gott in unserer Welt überall dort, wo wir ob der Brüchigkeit und Gebrochenheit unseres Daseins an unsere Grenzen geraten.
Immanuel, Gott mit uns –
- Gott in unserer ganzen Welt – hier bei uns: auf Parkbänken und in Odachlosenunterkünften, auf Säuglingsstationen, Babyklappen und in Wohnheimen für jugendliche Mütter und ihre Kinder. Und überall – in der Ukraine und in Palästina, im Sudan und in Venezuela – ach die Liste ließe sich endlos fortsetzen und jede, jeder hier mag ergänzen, was und wer ihr, was ihm am Herzen liegt... jetzt in er Stille
- Stille
Immanuel, Gott mit uns –
Mit seiner Geburt schreibt Gott sich die Brüche, die Seelennot und das Leid jedweder Art in den eignen Leib.
Mit seinem Leben wird er seinen Gott-mit-uns-Weg weitergehen.
Mit seinem Tod wird er ihn bis zur Neige auskosten.
In gut drei Monaten werden wir schon wieder Jesu Tränen von Gethsemane sehen und unter seinem Kreuz stehen – und an Ostern werden wir die Erfüllung dieses Gottesweges mit uns feiern.
Deshalb:
Immanuel, Gott mit uns – mit seiner Welt, in all ihrer Weinen machenden Schönheit und in all ihrer sogar Klagen zum Verstummen bringenden Dunkelheit.
Das ist die Botschaft von Weihnachten, die so groß und einfach ist, dass sie in eine Nuss passt.
Mit ihr beginnt das Werk von Weihnachten, das wir mit Gottes Hilfe weiterführen und durch das neue Jahr tragen werden.
Dazu segnet uns Immanuel – Gott mit uns.
Amen.
Kanzelsegen:
Und der Friede des Gottes-mit-uns,
der uns im Kind in der Krippe entgegenkommt,
der uns in Jesus von Nazareth begleitet,
der unseren Unfrieden mit seinen am Kreuz geöffneten Armen empfängt,
der am Ostermorgen die gesamte Schöpfung mit Jubel erfüllt,
der bewahre eure Herzen, Sinne und eueren Leib in der Gegenwart Jesu Christi.
Amen
Heiligabend, 24.12.2025, Sacharja 2, 14-17, Christmette Stadtkirche, Jenny Müller
Sacharja 2, 14-17
14Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion!
Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr.
15Und es sollen zu der Zeit viele Völker sich zum Herrn wenden und sollen mein Volk sein, und ich will bei dir wohnen. – Und du sollst erkennen, dass mich der Herr Zebaoth zu dir gesandt hat. –
16Und der Herr wird Juda in Besitz nehmen als sein Erbteil in dem heiligen Lande und wird Jerusalem wieder erwählen.
17Alles Fleisch sei stille vor dem Herrn; denn er hat sich aufgemacht von seiner heiligen Stätte!
Ich will bei dir wohnen,
Such hier in diesen Tagen deinen Torbogen.
Fühle mich wie Josef und Maria, klopfend und bettelnd von Tür zu Haus,
In der Hoffnung, dass du endlich schaust aus Einem heraus.
Habe dich gesucht in der Glühwein-Tasse,
Ja auch in den ganzen Menschen-Massen - welches ich heimlich hasse.
Habe gehofft du läufst mir dort übern Weg,
Oder dass du dich still und heimlich in der Nacht wie Schnee vor meine Tür legst.
Habe gedacht, vielleicht bist du in den Geschenkverpackungen heute Abend unterm Tannenbaum,
Oder vielleicht hier dann endlich im Kirchenraum.
Hey Gott, ich will doch nur bei dir wohnen -
vielleicht ja sogar nur für die Feiertage,
Ist das denn zu viel, dass ich das frage?
Würde gerne bei dir einziehen mit all meinen Sachen,
würde gern, dass du dann über meine dunklen Träume wachest.
Würd gern meine dreckige Wäsche einmal von dir lassen waschen,
Und auch mal mit dir über manch einen faulen Gedanken reden - sodass ich am Ende kann wieder lachen.
Würd gern mit dir Kakao schlürfen,
sodass mein Herz muss sich nicht mehr fürchten.
Würd halt einfach gerne bei dir einziehen und ankommen - bevor die Welt mir davor und danach wieder wird durch die Finger entronnen.
So hab ich mir gedacht komm ich wie letztes Jahr einfach mal vorbei,
hoffe es gibt zu dem Braten auf dem Tisch deinen Kartoffelbrei.
-
Und jetzt sitzen wir hier in deinem Haus,
sagt, habt ihr Gott heute schon gefunden oder ist er an euch vorbeigerauscht?
In all den Fetzen von Geschenkpapier,
in der Kälte kurz vorm Erfrieren,
in den Tannennadeln oder dem Plätzchengeruch,
hattet ihr das Gefühl eines ehrlichen Besuchs?
Oder wolltet ihr einfach eure Lasten ablegen,
wolltet nach Hause kommen und kurz empfangen Gottes Segen,
wolltet hochlegen kurz eure müden Füße,
kurz wie jährlich auch noch die Nachbarin grüßen,
so wie man das halt macht,
Wenn man einmal im Jahr vorbeikommt in der Heiligen Nacht.
Doch wenn wir alle wollen über die Feiertage dich, Gott, besuchen,
Wenn sich stapeln all unsere Schuhe in deinen Fluren -
wenn du bist für jeden da,
Sag wie kommst du denn eigentlich mit allem klar?
Du nimmst alle so selbstlos auf,
Doch vor welcher Tür stehst du, wenn dich all das Unheil erdrückt unseres Gezeitenlaufs?
Bei wem kannst du deine Sorgen legen auf einen großen Haufen,
bei wem kannst du mal verschnaufen?
Mit wem teilst du deine Wünsche und Träume,
wem gestehst du wenn auch du mal was versäumest?
Und so frag ich mich wie es wohl wäre, wenn ich nicht vor deiner,
sondern du vor meiner Türe ständest - ich glaub das wär ein Zustand den könnt ich nicht benennen.
Bei mir würden glaub ich alle Sicherungen durchbrennen.
Würdest zu mir hereinkommen, als würden wir uns schon ewig kennen - und deinen ganzen Kram in meiner Diele abstellen, von Umweltkatastrophe, Krankheit, Tod, ja auch dein Licht - das helle.
Dein Koffer wäre sichtlich größer als meiner,
denn was du alles mit dir rumschleppst - das kennt sonst keiner.
Würdest mit der Tür reinstolpern und fragen: Darf ich bei dir wohnen? Würdest nebenbei meine Vorhänge im Wohnzimmer loben.
Tja, und dann säßen wir zusammen unterm Weihnachtsbaum,
Ich noch leicht verwirrt, dich zu sehen in meinem Raum.
Würdest es genießen zuzusehen beim Geschenke auspacken,
und ich würd mich fragen - was kann ich dir Gott denn für ein Geschenk schon machen?
Wäre in den ersten Tagen leicht überfordert -
wenn deine Postboten vorbei bringen was du hast im Internet so alles geordert.
Wäre morgens sprachlos, wenn ich dich treffe vor der Kaffeemaschine,
Doch dankbar, wenn ich den letzten Schluck Kaffee kriege.
Würde dann nach den Feiertagen mal so fragen:
Hey Gott, wie hast du dir vorgestellt,
ist grad nichts zu tun in dieser Welt?
Hattest du noch länger vor bei mir zu wohnen,
und meine mickrigen Kochkünste zu loben?
Verstehe mich nicht falsch, war schön dich zu sehen,
doch habe das Gefühl ich muss wieder raus in den Alltag gehen - und du musst vielleicht auch zur nächsten Katastrophe ziehen…?
Da schaust du mich nur lange und still an - und ich frage mich was habe ich dir mit meinen Wörtern grad angetan?
Haben all die Leute in Bethlehem nicht das gleiche gesagt, als du im Bauche von Maria nach einer Unterkunft hast gefragt?!
Jedes Klopfen an der Tür, was man hat abgeblockt -
weil die Leute einfach hatten keinen Bock.
Und nun durchfährt es mich wie ein Schock!
Ich bin genauso schuldig wie diese - wenn du uns immer- aber wir die nie helfen aus deiner Krise.
Wenn wir noch nicht mal bereit sind dich aufzunehmen,
wie können wir dann wahrhaftig mit dir leben?
Wie können wir unser Leben mit dir verweben,
wenn wir dir noch nicht mal eine Wohnung in unserem Herzen geben?
Und so lasse ich dich sitzen in meinem Wohnzimmer,
Laufe vor dieser Erkenntnis davon - wie es sonst tun eigentlich nur kleine Kinder.
Brauche dringend frische Luft,
Hätte ich diese Erkenntnis nur früher gewusst..
Meine Gedanken rauschen und ich ziehe so durch die Gassen,
sehe in anders Leuten Wohnzimmer die tollsten Sachen:
Von Bücherregalen über das Fernsehprogramm,
Von extravaganten Kunstwerken an der Wand,
kann sehen wie gewerkelt wird in der Küche -
Dann kann ich manchmal sogar draußen riechen diese himmlischen Gerüche.
Sehe Familien am Essenstisch,
wie einer mit dem anderen - manchmal mit, manchmal ohne Worte - spricht.
Und dann lieb ich dieses tiefe Gefühl der Heimat das ich sprür und mich irgendwie immer berührt.
Denn sind es meistens nicht nur die Szenen des Lebens, die ich kann sehen,
Sondern vor allen Dingen ist es das warme Licht von drinnen, der Grund warum ich kann in der Dunkelheit sicher gehen.
Und da sehe ich es scheinen - in all den Häuserreihen - dass wir sind alle nicht alleine,
denn wenn du mit deinem Licht bei uns wohnst,
sind wir die Deinen.
Ich sehe nicht nur irgendein Licht, sondern dein Licht! Was aus jedem Wohnzimmer heraus zu mir spricht.
So renne ich nach Hause, denn: Oh Gott - ich brauche doch von dir keine Pause!
Ich darf mich so glücklich schätzen, wenn du bei mir wohnest,
wenn du mich mit deinem Licht belohnest.
Ich Esel dort im Stall, hatte Angst,
dass ich mit dir an meine eigenen Grenzen prall.
Hatte Angst wie die Bewohner in Bethlehem, dass du bei mir einziehst und nicht mehr gehst,
hatte Angst, dass du so stetig und treu in meinem Herzen lebst.
Hatte Angst ich werd dich nicht mehr los,
dass dein Platz in meiner Herzenswohnung wird zu groß.
Doch wie muss es dir wohl ergangen sein, vor den fremden Türen,
damals als alle haben sich nicht gerührt.
Damals als du wolltest kommen in unsere Welt, dir alle haben erstmal ein Bein gestellt.
Du hattest die Zuversicht - dass es wird gut-
dass die Welt könnte gebrauchen deine Glaubens-Glut.
So hattest du niemals Angst, sondern nur Mut,
immer nur Liebe und keine Wut.
Und genauso stehst du heute vor unseren Türen und sprichst: Ich will bei dir wohnen.
So reiße ich jetzt voll Glücksgefühle meine Türen auf.
Und du bist in mein Herzen geboren.
Du bist gekommen um zu bleiben,
und so werden wir mit jedem gemeinsamen Tag mehr die Deinen.
Bist gekommen um ewig bei uns einzuziehen,
um uns zu zeigen deine Liebe ist nicht nur geliehen.
So spürt ihr dieses warme Gefühl in eurer Brust?
Als hätte es euer Herz schon immer gewusst.
Das ist das Gefühl von Weihnacht:
Anzukommen - ich bei dir - du bei mir - wir mit dir im hier.
Oh du heilige Nacht -
du mein Jesu hast jedes Herz nun zu deinem Zuhause gemacht!
…
Und wenn ich demnächst vor einer Türe steh,
Ich mutig und doch unsicher meine Hand zum Anklopfen erheb,
Dann bin ich gewiss, dass egal wer mir aufmacht - du Jesu mit ihm lebst.
Und der Herr bewege unser Herzen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Heiligabend, 24.12.2025, Joh.3,16 u. d. Legende v. d. 3 Schwestern, Christvesper Mutterhauskirche, Ulrike Heimann
„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie gab. Jeder, der an ihn glaubt, soll nicht verloren gehen, sondern ewiges Leben haben.”
An Weihnachten, liebe Gemeinde, wird uns die schönste Liebesgeschichte aller Zeiten erzählt, eine Geschichte, denn über die Liebe kann man nicht wissenschaftlich dozieren oder philosophisch spekulieren, Liebe kann man nur erfahren, erleben, man kann sich nur von ihr an die Hand nehmen lassen, sich in ein buchstäblich anderes, neues Land führen lassen. Die Evangelisten Lukas und Matthäus haben das gewusst und jeweils eine ganz persönliche Weihnachtsgeschichte erzählt. Jeder geprägt von seiner Zeit und Umwelt, mit seinem eigenen Akzent: bei Lukas stehen die Hirten als Adressaten des Evangeliums im Scheinwerferlicht der Engel; bei Matthäus leuchtet der Stern den Weisen aus dem Osten den Weg; das gemeinsame Ziel: das neugeborene Kind, der Heiland der Welt. Obwohl der Evangelist Johannes uns keine Weihnachtsgeschichte hinterlassen hat, weiß er doch darum, dass die Geschichte mit Jesus im tiefsten eine Liebesgeschichte ist –– die Liebesgeschichte Gottes mit der Welt.
„So sehr hat Gott die Welt geliebt.“
Und recht besehen, fängt diese Liebesgeschichte lange vor Bethlehem und vor Jesu Geburt an. Deshalb beginnt heute auch meine Weihnachtspredigt ganz vorne – und zwar mit einer alten Geschichte, einer alten jüdischen Legende:
Am sechsten Schöpfungstag, als Gott Himmel und Erde, Pflanzen und Tiere erschaffen hatte, da ging er mit sich selbst zu Rate, ob er nun auch den Menschen und wie er ihn erschaffen sollte. Und während Gott noch überlegte, traten seine drei liebsten Töchter vor ihn: die Gerechtigkeit und die Weisheit und die Liebe.
Zuerst erschien die Weisheit und sagte: „Vater, tu es nicht. Lass deine Schöpfung so, wie sie jetzt ist. Sieh doch, sie ist so schön. Durch den Menschen würde sie nur verdorben. Denn die Menschen folgen nicht der himmlischen Weisheit, sondern den verworrenen Einfällen ihres eigenen Herzens. Menschen machen sich selbst und einander zu Narren. Und was du durch mich, deine Weisheit, so gut geordnet hast, das würden sie zerstören. Bitte, gib diese schöne Welt doch nicht dem Wahnsinn der Menschen preis!“ – Gott aber schwieg.
Da trat die andere Tochter, die Gerechtigkeit, vor und rief: „Vater, auch ich bitte dich: Erschaffe den Menschen nicht. Er wird deine Gerechtigkeit nur verachten. Die Menschenschwestern werden einander verleumden, ein Bruder wird den anderen unterdrücken und hassen. Weil sie keine Grenzen kennen, werden sie versuchen, ihren Mitgeschöpfen das Leben zur Hölle zu machen. Wenige werden alles an sich reißen. Und viele Arme werden nichts, nicht einmal das Nötigste zum Leben haben. Das kannst du doch nicht zulassen! Also bitte, lass den Menschen weg – und deine Welt wird in ungestörter, paradiesischer Schönheit bestehen.“ – Und Gott schwieg.
Schließlich trat auch die dritte Tochter Gottes, die Liebe, vor und sprach: „Ach Vater, es ist ja manches wahr von dem, was meine Schwestern sagen. Und doch bitte ich dich: Erschaffe den Menschen. Und gib ihm, was du keinem anderen Geschöpf gegeben hast: die Freiheit und die Liebe. Zwar kann er seine Freiheit missbrauchen, er kann die Liebe verletzen und verraten. Aber doch machen beide die Würde des Menschen erst aus. Erlaube mir, Vater, zu ihm hinzugehen. Ich will ihn auf seinem Weg begleiten, was es auch kosten mag. Nur dann wird deine Schöpfung vollendet sein.“
Es heißt, Gott habe, als sie so sprach, diese seine Tochter in die Arme genommen und auf die Stirne geküsst. Und dann schuf er den Menschen. Das Wagnis Gottes.
Das ist eine tiefsinnige Legende. Mich hat sie angeregt, die Weihnachtsgeschichte neu zu erzählen. Ich lasse diese drei geheimnisvollen Töchter Gottes noch einmal auftreten und reden. Lange Zeit nach der Schöpfung. In jener Nacht von Bethlehem.
Sie treten ein in den Stall, als es dort ganz still geworden ist. Die Hirten sind schon wieder weg. Die Weisen sind noch unterwegs. Und Josef, nachdem er Mutter und Kind versorgt hat, schläft ein wenig.
Da geht also leise die Stalltür auf – und die drei treten ein. Nicht so laut und selbstverständlich, wie wir hier einzutreten pflegen. Auch nicht mit einem schönen Weihnachtslied auf den Lippen. Eher so, wie wir vielleicht als Kinder das Weihnachtszimmer betraten: zögernd, staunend. Maria, die zuerst ein bisschen erschrocken ist über den mitternächtlichen Besuch, winkt den drei Schwestern freundlich, näher zu kommen. Und so treten sie zur Krippe. Nacheinander.
Die erste steht lange schweigend. Sie schaut das Kind im ärmlichen Futtertrog. Sie blickt sich um und schüttelt den Kopf: „O welch eine Tiefe der Weisheit“, sagt sie langsam. „Wer soll das denn verstehen im Himmel und auf Erden – außer IHM, dem Unbegreiflichen selbst? Glaubt ihr Schwestern denn, dass Menschen je fassen können, was in dieser Nacht geschieht? Solch eine Nähe Gottes! Soll wirklich mit diesem Kind ein neues Zeitalter beginnen? Wird in dieser Nacht und aus ihr heraus wirklich eine neue Menschheit geschaffen? – Ich habe den Vater damals am Anfang gebeten, er solle doch die schöne Welt nicht durch die Schöpfung des Menschen gefährden. Und seitdem frage ich mich wieder und wieder, ob er es nicht bereut hat, die Menschen gegen meinen Rat erschaffen zu haben. Diese Kreaturen, die sich für die Krone der Schöpfung halten, um sie doch nur zu verderben, die jede Grenze überschreiten in ihrem Drang nach Wissen, nach Fortschritt, die dem Götzen der Machbarkeit huldigen. Wie oft habe ich sie in mein Haus eingeladen! Aber immer vergeblich. Sie sind meinem Rufen nicht gefolgt. An Weisheit und Demut hatten sie kein Interesse. Und nun dies: ein Kind! Wie kann ein Kind die Lösung sein? Was kann dieses Kind den Menschen sagen, was ich ihnen nicht schon gesagt habe?“
Inzwischen ist die zweite der Schwestern, die Gerechtigkeit, zur Krippe getreten. „Das weiß ich auch nicht“, sagt sie langsam, „Was sich Gott Vater dabei gedacht hat, nein, das kann nicht gut ausgehen. Bei dem, was den Menschen recht und heilig ist, können sie ja gar nicht erkennen, dass ER sich in diesem Kind bekannt macht: bei ihnen gelten Macht und Einfluss, Geld und Prestige, Titel und Ehrungen. Jeder hält seine eigene Kultur und Religion für das Maß aller Dinge. Und jeder sieht zu, besser dazustehen als andere, andere unter sich zu wissen. Nach oben wollen sie, das ist nicht anders geworden seit damals, seit den Tagen der Schöpfung, nach oben wollen sie, und treten dabei zu Boden, was ihnen vor die Füße kommt, und der Nächste ist ihnen nicht Bruder und Schwester, sondern Konkurrent. Nach oben wollen sie, sein wie Gott. Und nun dieses Kind – arm, ohnmächtig, ohne Beziehungen. Glaubt Gott Vater denn wirklich, dass dieses Kind gehört wird, wo doch schon die Propheten vergeblich riefen, glaubt er wirklich, dass die Menschen in sich gehen und sich ändern? Armes Kind, du wirst schon bald merken, dass die Gerechtigkeit auf dieser Welt heimatlos ist.“
Um die Stimme der dritten, der stillen Schwester zu vernehmen, muss man genau hinhören. Ich stelle mir vor, wie Gottes leise Tochter zur Krippe tritt. Sie streicht der sie mit großen Augen ansehenden Maria leicht übers Haar, dann kniet sie sich an der Krippe nieder und legt ihre Hand auf die Stirn des Kindes: „Ich segne dich“, sagt sie, „ich segne dich, du gesegneter des Herrn, damit du ein Segen wirst für viele. – Dann huschte ein Lächeln über ihr Gesicht. „Du bist wirklich ein bemerkenswerter Einfall Gottes. Während die Menschen alle nach oben wollen, weil sie meinen, dass Gott da sei oder aber Geld, Macht, Erfolg und Glück, wie sie das heute nennen, ist Gott ganz hier unten. Nun haben sie nicht einen guten Grund mehr, andere auf ihrem Weg nach oben niederzutreten. Die große Versuchung des Menschen, sein zu wollen wie Gott – Gott Vater hat ihr die Grundlage genommen: Gott wurde Mensch. Und warum? Aus Liebe – aus Liebe zur Welt. Denn die Welt braucht Menschen, die sie bewahren und pflegen. Und damit die Menschen sich endlich darauf besinnen, dass ihr Glück, ihre Erfüllung im Menschsein begründet ist, lockt Gott sie zu sich selbst hin. Gott wird Mensch, damit der Mensch endlich ganz Mensch wird.“ Bei diesem Gedanken lacht die Liebe laut auf. „Still, das Kind“, ihre beiden Schwestern sind ziemlich irritiert. „Wie kannst du da lachen“, wirft die Gerechtigkeit ein, „dieser Einfall Gottes wird für dieses Kind wenig zum Lachen mit sich bringen. Er wird seligpreisen, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, er wird sich zu denen halten, die im Abseits stehen, er wird denen neue Zukunft schenken, die sich selbst abgeschrieben haben. Er wird Hungrige speisen und Menschen, die unter den Lasten ihrer Taten und Versäumnisse leiden, Vergebung und Neuanfang schenken. Er wird die Menschen einladen in Gottes Reich, in ein neues Leben – so wie es Gott gedacht hat. All das wird er tun. Aber was wird es ihm einbringen? Unverständnis, Ablehnung, ja Hass. Es wird ihn das Leben kosten, der neue, der ganze Mensch zu sein, Bild Gottes. Wie kannst du da lachen?“
„Warte einmal, liebe Schwester Gerechtigkeit“, lässt sich die Weisheit vernehmen, „da ist doch etwas ganz entscheidend anderes und Neues jetzt mit im Spiel. Nämlich Gott selbst. Er ist nicht mehr Zuschauer, der darauf wartet, dass die Menschen in Gerechtigkeit miteinander leben, der eins ums andere Mal mit ansehen muss, wie Unrecht, Gewalt und Unverstand triumphieren. Von dieser Nacht an, mit diesem Kind macht Gott die Fragen und alle Mühen um Gerechtigkeit und Menschenliebe, um Freiheit und Frieden zur Chefsache. Die Zeit des Wartens auf das neue Leben für die Menschen ist vorbei: es ist da, hier, mit diesem Kind. Göttliches Leben im menschlichen Leben. Und darum unzerstörbar. Man kann das Kind hassen, man kann Gott hassen; man kann, man wird das Kind, wenn es ein Mann geworden ist, töten – aber nicht das Leben vernichten, das in ihm ist. Unsere Schwester, die Liebe, hat recht: es darf hier an der Krippe gelacht werden, das Ostergelächter. Der Einfall Gottes ist kein billiger Witz, sondern hier und heute feiern wir in der Geburt dieses einen Kindes die Neuschöpfung jedes einzelnen Menschen zu ganzem, erfülltem Menschsein – in Gerechtigkeit, in Freundlichkeit, in Freiheit ...“ „und in Liebe.“, ergänzt die dritte Schwester, „mit diesem Kind lockt uns Gott zur Liebe – zur Liebe zu allen Kindern – und zum Kind in uns selbst; zur Liebe zu allen Schwachen und Hilfsbedürftigen – und zur Versöhnung mit unseren eigenen Schwächen. Wenn Gott es sich erlaubt, schwach zu sein, dann darf jeder Mensch es auch sein. Mit diesem Kind lockt uns Gott zur Liebe und macht uns stark – fähig zu lieben und zu helfen, zu tragen und so die Welt zu verändern. Denn um die ganze Welt ist es ihm zu tun: „So sehr hat Gott die Welt geliebt.“
„Wenn ich an die Tage der Schöpfung denke“, lässt sich die Weisheit vernehmen, „dann ist das schon eine erstaunliche Entwicklung – wie aus dem Gegenüber von Gott und Mensch ein Miteinander geworden ist: der Mensch als Bild Gottes und Gott mit dem Antlitz des Menschen – untrennbar da, wo sie lieben ...“ „und sich um Gerechtigkeit und Frieden auf Erden bemühen“, ergänzt die Gerechtigkeit.
Dann schweigen sie und ihre Gesichter leuchten vor Freude. Und Maria, die dem Gespräch ganz aufmerksam gefolgt ist, beugt sich über ihr Kind und sagt zu ihm: „Jesus, ich verspreche dir, alles in meinen Kräften Stehende zu tun, dass du zunimmst nicht nur an Leibeskraft, sondern an Weisheit und Liebe und dabei voller Sehnsucht bist nach Gerechtigkeit, ein Mensch, so wie Gott ihn sich gedacht hat, ein wahres Kind unseres Vaters im Himmel.“
Amen.
3. Advent, 14.12.2025, Mt.11,2-6, Mutterhauskirche, Ulrike Heimann
Liebe Gemeinde,
diese Erfahrung haben wir alle schon gemacht: dass zwischen dem, was wir erwarten und erhoffen, und dem, was dann tatsächlich wird, eine gewaltige Lücke klaffen kann.
Diese Erfahrung, diese Spannung kennzeichnete auch das Leben von Johannes dem Täufer. Er hatte sein Volk zur Umkehr aufgerufen. Sein Ruf war unerbittlich und überzeugend ernst. In seiner Predigt geißelte er alles Halbe und Laue. Damit traf er viele mitten ins Herz, und sie kamen in Scharen zu ihm hinaus an den Rand der Wüste.
Eigentlich erstaunlich, denn was er da zu sagen hatte, war keineswegs einladend. Die Gottsuchenden und Frommen stieß er vor den Kopf, beschimpfte sie als „Schlangenbrut“. Er verkündigte das Nahen des Gottesreiches in der Gestalt eines Messias, der hart durchgreifen würde. Einen Mann, der mit hartem Besen kehrt, die Spreu vom Weizen trennt. Der alles Morsche und Untaugliche wie mit einer Axt abhauen und im Feuer verbrennen wird.
Schon erstaunlich, dass da nicht alle wegliefen. Sondern dass viele ihm zuhörten. Für sie war er glaubwürdig. Wie er dastand in einem einfachen Gewand aus Kamelhaaren, mit einer Schnur als Gürtel. Ein Asket durch und durch. Keiner von denen, die anderen Wasser predigten und sich selber am Wein gütlich taten.. Einer, der nicht nur mit Worten, sondern mit seiner ganzen Existenz seine Mitmenschen aufrüttelte: „Ich taufe euch mit Wasser zur Umkehr; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich – ist radikaler als ich – dem ist es noch ernster mit seinem Anliegen als mir; der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen, in dem alles Laue, Lasche und Falsche verbrennt – endgültig.“
So hatte der Täufer die Ankunft des Messias angekündigt. Und dann war da einer gekommen, von dem sich die Leute erzählten, der könnte es sein, der erwartete Messias. Aber der kehrte nicht mit dem harten Besen und führte auch nicht die scharfe Axt in seinen Händen. Sondern er trat auf als Arzt für die Kranken, als Freund der Schwachen und Außenseiter, er verkündigte den Armen tatsächlich die frohe, freundliche Botschaft Gottes von Leben und Neuanfang.
Was war sonst zu merken von seinem Auftreten?
Hatte sich die Welt durch sein Erscheinen geändert?
Waren die Reichen weniger reich und die Armen weniger arm?
Gab es kein Leid, keine Ungerechtigkeit mehr, nichts Laues und Halbes, war alles Böse im Feuer verbrannt?
Im Gegenteil, so musste es zumindest der Täufer verstanden haben. Er, der sich als Wegbereiter und Vorbote des Gottesreiches, des Messias verstand, saß im Gefängnis.
Er, der mutig die Schweinereien des Herodes beim Namen genannt hatte, schwankte zweifelnd wie ein Rohr im Wind und fragte sich, ob alles nicht einfach ein Irrtum gewesen war. Ob er an diesen Jesus, von dem er sich so anderes erwartet hatte, glauben konnte: Bist du es, der da kommen soll – oder sollen wir auf einen anderen warten?
Die Spannung zwischen Erwartung und Wirklichkeit.
Gerade in der Advents- und Weihnachtszeit ist diese Spannung, ja sind diese Widersprüche für viele Menschen besonders belastend. Je heller das Lichtermeer in den Straßen und Schaufenstern, um so schärfer die Schatten in der eigenen Seele. Alles lebt in der Erwartung auf das Fest der Familie. Da bricht bei vielen Menschen der Schmerz der Einsamkeit erst richtig auf. Und nicht wenige bekommen immer mehr Angst, je näher der 24. Dezember auf dem Kalender heranrückt. Angst vor einem Abend, an dem „O du fröhliche, o du selige Weihnachtszeit“ gesunden wird – und sie nur weinen können, weil der geliebte Partner, die geliebte Partnerin gestorben ist, weil die Kinder von den Eltern nichts wissen wollen, wo vergeblich auf eine Einladung gewartet wird.
Da hören wir die Botschaft der Engel vom Frieden auf Erden und das Fernsehen und die Zeitungen liefern uns täglich Bilder von zerbombten Häusern, verzweifelten Menschen, von Terroranschlägen und dem Elend von Flucht und Vertreibung. Da erhoffen sich nicht nur die Kinder reich gedeckte Gabentische - und die Nachrichten vertiefen unsere Kenntnisse über die „Friedensverhandlungen“ zwischen Putin und Trump – diesen gewissenlosen Machtmenschen und Brüdern im Ungeist.
Gegensätze zwischen Erwartung und Wirklichkeit, die wie beim Täufer ins Zentrum unseres Glaubens hineinreichen.
Wir alle haben Erwartungen an den, der da kommen soll. Und das mit Recht! Denn die oft wiederholten prophetischen Adventsverheißungen wollen ja keine leeren Worte sein. Die Vision eines Jesaja von einer Zeit, wo ein Säugling am Loch der Otter spielen kann oder die Vision eines Micha, der sieht, dass Schwerter zu Pflugscharen umgeschmiedet werden – das sind keine Illusionen, sondern das sind Bilder der Hoffnung auf die Zukunft des Reiches Gottes, die der Heilige Geist selbst in ihre und in unsere Herzen gegeben hat.
Es fragt sich nur, wie das alles herbeikommen soll.
Offensichtlich nicht so, wie es sich Johannes vorgestellt hat. Und wie wir es uns wohl auch oft wünschen, wenn wir die verfahrenen Situationen in unserer Welt, in unserem Leben betrachten.
Der Messias Jesus kommt anders. Eben nicht mit dem eisernen Besen und der scharfen Axt. Nicht zum Schrecken korrupter oder nur auf ihren nächsten Wahlerfolg bedachter Politiker, nicht zum Schrecken machtbesessener Militärs und erfolgsgeiler Milliardäre, nicht zum Ende verstockter Sünder und standfester Atheisten. Auch nicht, um alle Schatten in dieser Welt zu retuschieren.
Er kommt als Menschenkind – geboren am Rand der Gesellschaft in Schwachheit und Armut.
Er wendet sich Zöllnern und Prostituierten zu.
Er redet mit denen, mit denen man nicht redet.
Er nimmt die ernst, die man überhaupt nicht zur Kenntnis nimmt.
Er beschäftigt sich mit Kindern und fühlt sich in der Gesellschaft von Frauen wohl.
Er wirkt als Arzt und Therapeut und führt Aussätzige wieder in die Gemeinschaft der Menschen zurück.
Er verkündet den Armen das Evangelium, sagt ihnen, dass Gottes Liebe ihnen gilt, dass die gute Nachricht nur gut ist, wenn sie gerade die Armen einschließt und die frohe Botschaft nur dann froh genannt werden kann, wenn sich die Armen darüber freuen können.
Er stirbt am Kreuz – ohnmächtig.
Ist das der Messias? Der Heilige Gottes?
„Bist du es, der da kommen soll?“
Ist das der Messias, in dem Gott wirkt, der seine besten Leute allzu früh sterben lässt: Johannes der Täufer – enthauptet, Stephanus – gesteinigt, Johannes Hus – verbrannt, Dietrich Bonhoeffer – aufgehängt, Martin Luther King – erschossen.
Ist das der Messias, in dem Gott wirkt, der zulässt, dass auch noch in seinem Namen hunderttausende hingeschlachtet werden – nicht nur im finsteren Mittelalter, sondern bis in unsere Tage?
Ist das der Messias, in dem Gott wirkt, der Menschen dahinsiechen lässt an Aids, Malaria, Tuberkulose, Krebs, an Long-Covid und ALS und wie die Krankheiten alle heißen?
Unübersehbar ist die Zahl der Situationen, in der wir zum Fragen und Zweifeln kommen können. Auch solche, die stark sind im Glauben. Ich finde es gut, dass die Bibel die Zweifel und Fragen der Menschen nicht verschweigt, sondern ihnen Raum gibt.
Im Verhalten des Täufers und in der Antwort, die er bekommt, stecken einige Hinweise, die für alle gelten, die unter den Widersprüchen des Lebens leiden.
Zuerst: Johannes behält seine Fragen und Zweifel nicht bei sich, er grübelt nicht in der Stille und macht sich damit mürbe. Er wendet sich direkt an Jesus: „Bist du es, der da kommen soll?“
Jeder echte Glaube fragt – immer wieder.
Jeder echte Glaube sucht – immer weiter.
Leo Tolstoi hat das einmal so ausgedrückt: „Wenn dir der Gedanke kommt, dass alles, was du über Gott gedacht hast, verkehrt ist, und dass es keinen Gott gibt, so gerate darüber nicht in Bestürzung. Es geht vielen so. Glaube aber nicht, dass dein Unglaube daher rühre, dass es keinen Gott gibt. Wenn du nicht mehr an den Gott glauben kannst, an den du früher geglaubt hast, so rührt das daher, dass in deinem Glauben etwas verkehrt war, und du musst dich besser bemühen, zu begreifen, was du Gott nennst.“
„Bist du es, der da kommen soll?“ fragt Johannes zerrissen von den Erwartungen und Hoffnungen, die er sich vom Messias und seinem Kommen gemacht hat. Und Jesus antwortet ihm, indem er auf das Geschehen verweist, das seinen Weg begleitet: „Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören ...“ Die Verwandlung der Welt hat begonnen, wenn man genau hinsieht und hinhört. Ist Johannes, ist uns das zu wenig? Geht es uns nicht schnell genug? Hätten wir nicht doch lieber einen Messias mit hartem Besen und scharfer Axt? Einen, der die Bösen das Fürchten lehrt? Jesus kennt diese Neigung des menschlichen Herzens. Er weiß, wie gern wir unseren Willen zum Willen Gottes erklären. Und deshalb fügt er seiner Antwort an Johannes einen wichtigen Satz an: „Selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.“
Glücklich, wer sich so auf die Herrschaft Gottes einlassen kann, wie sie von Gott her Gestalt annimmt.
Glücklich, wer dazu Ja sagt, dass das Evangelium gerade und ausdrücklich die Armen der Welt anspricht und sie froh machen will.
Glücklich, wer von seinen Vorstellungen Abschied nehmen und in den Willen Gottes einstimmen kann.
Glücklich, sagt Jesus, wer mit mir weiter macht da, wo ich begonnen habe, wer sich nicht entmutigen lässt, sondern mit mir Zeichen setzt, Zeichen des Reiches Gottes in dieser Welt.
Glücklich, wer begriffen hat, dass sich das Reich Gottes von unten nach oben hin aufbaut, dass es wächst wie ein Samenkorn.
Wie könnte das für uns konkret aussehen?
Wie können wir uns hineinnehmen lassen in das Kommen des Reiches Gottes, das mit Jesus begonnen hat?
Dazu einige Anregungen in Form einer Meditation über unseren Predigttext:
Als sie aber die Geschichte Jesu hörten und wie es ihm ergangen war, da trieb sie die Frage um:
Bist du es, der da kommen sollte und mit dir das Gottesreich?
Oder sollen wir eines anderen warten?
Bist du es, Jesus,
oder sollen wir das Warten bleiben lassen
und uns abfinden mit allem, wie es eben ist?
Jesus antwortete und sprach zu ihnen:
Nehmt euch zu Herzen, was ihr hört und seht.
Die Botschaft der Gottesliebe wird weitergesagt.
Menschen horchen auf und ändern ihren Sinn.
Verstoßene Kinder finden jemand, der sie liebt.
Farbige Studenten bekommen ein Zimmer.
Einheimische und Flüchtlingskinder spielen zusammen.
In den Familien werden abends zusammen Gespräche geführt, die Smartphones sind ausgeschaltet.
Ehepartner blicken sich wieder in die Augen.
Der Leistungsdruck lässt nach,
Viele erkennen: genug ist genug,
der Konsum sinkt,
man kann atmen in den Innenstädten
und die Trabantenstädte werden wohnlich.
Auf dem Rasen dürfen Kinder spielen,
Ghettos gehören der Vergangenheit an.
In Altersheimen lässt sich’s leben,
Süchtige kommen los von ihren Drogen,
Depressive legen die Schlaftabletten beiseite,
Traurige lächeln,
Verhärtete können weinen,
Besserwisser hören zu,
Gleichgültige falten die Hände,
Abgeordnete vertreten die Interessen der Schwachen,
und der Gegner kommt zu Wort.
Geld wird wieder reines Tauschmittel,
Gespräche über Frieden sind ernst gemeint und haben spürbare Folgen.
Recht und Gerechtigkeit gelten mehr als Macht und Geld.
Die Menschen achten die Erde und alle Mitgeschöpfe.
Alle hören die Botschaft,
dass Jesu Art zu herrschen die ganze Welt erneuert.
Und glücklich, selig ist, wer zu Jesu Weg Ja sagen kann.
Amen.
2. Advent, 07.12.2025, Lk 21, 25-33, Tersteegenkirche, Doerthe Brandner
Gnade sei mit euch und Friede von dem der da ist, der da war und der da kommt. Amen
Liebe Gemeinde,
sicher haben Sie es alle schon betrachtet – diesen Cartoon der Peanuts [i], in dem Charly Brown in seiner unnachahmlichen Weise eine seiner Lebensweisheiten kundtut: Wenn du deprimiert bist, ist es ungeheuer wichtig, eine bestimmte Haltung einzunehmen…
… nur mit ihr kannst du ein bisschen Vergnügen an deiner Niedergeschlagenheit haben.
Vergnügen – was für ein Wort im Zusammenhang mit Niedergeschlagenheit!
Ich werde später noch einmal darauf zurückkommen.
Zuerst einmal zu der Körperhaltung:
Sind Sie amüsiert oder irritiert über Charly Browns Selbsterkenntnis?
Fragen Sie: Was soll das?
Oder wurde bei Ihnen ein leises Wiedererkennen geweckt – vielleicht auch ein kleiner Aha-Moment: Stimmt, das habe ich auch schon gemerkt, dass sich das Leben unterschiedlich anfühlt, je nachdem, ob ich
- irgendwie schief und in mir selbst zusammengesunken dastehe,
- den Kopf hängen lasse,
- die Schultern nach vorne ziehe,
- die Beine oder Füße verschränke und dabei in der Taille einknicke
oder ob ich
- aufrecht und gerade sitze, stehe oder gehe
- ob ich meinen Füßen erlaube mit ganzer Fläche auf dem Boden zu stehen – in stabilem, hüftbreitem Abstand
- meinen Brustkorb weite
- und meinen Kopf hebe
…
Es macht einen Unterschied.
Es gibt sogar empirische Untersuchungen darüber, welchen Einfluss unsere Körperhaltung auf unsere Wahrnehmung und unser Erleben hat.
Das, was wir sehen oder hören ist immer dasselbe, aber WIE wir es sehen und hören und welche Schlüsse wir daraus ziehen – das kann je nach Haltung – Körperhaltung und innerer, Geistes- und Seelenhaltung bisweilen kaum gegensätzlicher sein.
- Sie alle kennen das sprichwörtliche halbleere oder halbvolle Glas Wasser…
Und so rege ich Sie jetzt zu einem Experiment an – oder Sie nehmen es als Spiel:
Achten Sie heute einmal auf Ihre Körperhaltung. Und versuchen Sie allem, was Sie hören – zwischenmenschlich oder in den Tagesnachrichten – jedem Ereignis, das Sie sehen, jedem Erlebnis das Sie haben, aufrecht – aufgerichtet – in einer offenen Haltung – zu begegnen. Und dann am Abend überlegen, ob etwas anders war an diesem Tag – und wenn ja, was es war.
Sie können mit diesem Spiel, diesem Experiment in diesem Gottesdienst beginnen – jetzt, wenn ich nun den Predigttext lese.
Er steht in Lk 21, in den Versen 25-33.
Text – Lk 21, 25 – 33
25 Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres,
26 und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.
27 Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit.
28 Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.
29 Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht den Feigenbaum und alle Bäume an:
30 wenn sie jetzt ausschlagen und ihr seht es, so wisst ihr selber, dass der Sommer schon nahe ist.
31 So auch ihr: Wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist.
32 Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis es alles geschieht.
33 Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen.
Was haben Sie gehört, liebe Gemeinde?
Welche Botschaft dieses mehrschichtigen Textes ist für Sie in den Vordergrund gerückt?
Die Rede von den bange machenden Zeichen am Himmel und in den Meeren –
und die von der Furcht, die die Menschen angesichts der Ereignisse auf der Erde überfällt?
Oder klingen die Worte „Macht und Herrlichkeit“ und „Reich Gottes“ in Ihnen nach – und die Rede von dem, was unvergänglich ist und bleibt, weil es Gottes ist?
…
Beides – oder besser beide Seiten – nennt Jesus seinen Zuhörenden als Zeichen der Zeit – seiner Zeit.
Was sind die Zeichen unserer Zeit?
Es gibt die der einen Seite, die die laut und raumgreifend sind:
- Die sprechenden und vielen Menschen angstmachenden oder wenigstens Besorgnis erregenden Zeichen unserer Zeit in Form von Klimaerwärmung mit all ihren Folgen: angefangen vom Schmelzen der Gletscher und Polarkappen, über Stürme und Überschwemmungen einerseits und Wassernot andererseits. – Und wiederum daraus den Folgen aus existentiellem Mangel, Hunger und Lebensnot, Vertreibung, Flucht… oft verbunden mit Kriegen und Gewalt…
Diese Zeichen sind bedrängend klar. Selbst, wer lieber nicht so genau hinsehen will, kann kaum an ihren Folgen vorbeiblicken.
Sie zu sehen weckt mitnichten Vergnügen. – Allenfalls das grimmige, fatalistische und selbstmitleidige Vergnügen, das ruft: Es hat ja doch alles keinen Zweck mehr.
Ob es das Vergnügen ist, das Charly Brown meint?
Das Vergnügen dessen, der froh ist, recht zu behalten, auch wenn die Sache noch so schrecklich ist?
Und natürlich haben all diese Dinge recht.
Sie zu leugnen wäre – ich erlaube mir ausnahmsweise ein Urteil – in meinen Augen dumm.
Wie wir in diesem erst einmal wenig adventlich anmutenden Text lesen, leugnet auch Jesus die Realitäten nicht.
Wenn all das geschieht – sagt Jesus.
Wenn die Wirklichkeit ihre dunkle Macht und das Leben seine leidvolle Kraft entfalten,
dann – so Jesus –
dann ergreift nicht die Flucht.
Dann krümmt euch auch nicht zusammen und fallt in eine Art Schreckstarre in der Illusion, ihr wäret dann besser geschützt.
Nein!
Dann seht auf!
Und wirkliches Aufsehen geht nicht mit gesenktem Kopf und krummem Rücken.
Aufsehen braucht aufstehen – ein sich aufrichten oder besser sich aufrichten lassen – von der Kraft, die auch noch da ist: die Kraft der Macht und Herrlichkeit des Menschensohns.
Macht und Herrlichkeit – das waren die Attribute, die den „Gottessöhnen“ zukamen – Könige und Herrschende nannten sich damals z. Zt. Jesu so und stellten ihre Königsgewalt damit in einen unanfechtbaren Raum.
Heute nennt sich wohl kaum eine herrschende Person noch „Gottessohn“ – Unanfechtbarkeit nehmen dennoch etliche machthabende auch heute für sich in Anspruch.
Jesus bindet Macht und Herrlichkeit nicht an Normalsterblichen vermeindlich überlegene, Figuren.
Er setzt sie in eins mit dem Menschensohn.
Er fügt zusammen, was damals nicht zusammengehörte und heute auch kaum: Menschsein, das Sterblichkeit und Begrenztheit bedeutet, Bedürftigkeit UND Macht und Herrlichkeit als Kräfte, die alle Sterblichkeit und Begrenztheit, Bedürftigkeit in das Licht des: Es ist möglich. Du hast Kraft. Du kannst stehen und gehen und Leben wirken. – setzen.
Und mitten im Advent scheint die Osterbotschaft auf:
Leben, das nicht Leid und Schmerz vermeidet und versucht sich am Tod vorbei zu lavieren oder das alles Leidvolle Todbringende angeht und es verzweifelt bekämpft, sondern das sich in einem großen DENNOCH durch die Abgründigkeit des menschlichen Daseins hindurch entfaltet.
Seht auf, denn eure Erlösung naht!
Ja, können wir sie sehen,
diese Erlösung,
die die Realitäten, in denen wir leben, und die unsere Welt an den Abgrund treibt, weder verneint, noch sie mit vor der Zeit unsere Städte überflutendem Weihnachtslicht zu überdecken sucht?
Können wir sehen? – Sie sehen im Menschensohn – im Menschenkind – unbegreiflich großer Gott, nackt und unbehaust, angewiesen wie jedes Menschenkind – am Anfang seines Lebens und meistens auch zum Schluss?
Werden wir sehen können in zweieinhalb Wochen, wenn es Weihnachten wird?
Und wenn wir sie dann sehen werden, die Erlösung, wird es uns dann genügen?
Oder werden wir es wagen, weiter zu sehen?
So weit, dass wir erblicken, was uns vor Augen ist:
Menschensöhne und Menschentöchter überall, die um ihre Menschlichkeit wissen.
Die Kraft ihres Menschseins die Menschlichkeit aufrichten und sie hineinsprechen und hineinleben in alle dunkle Wirklichkeit.
Keine Augenwischerei und kein Anhängen von irgendwelchen Illusionen einer heilen Welt!
Kein so Tun als ob!
Sondern: Kopf hoch! Erlösung voraus!
Schaut auf den Feigenbaum – oder den Apfelbaum in eurem Garten oder auch nur den Zweig irgendeines Busches am Weg – sie alle singen auch im Dezember ihr Lied vom Leben.
Das Reich Gottes ist real. – Es ist eine genauso machtvolle Wirklichkeit wie das, was wir die Wirklichkeit unserer Welt nennen.
Eine noch machtvollere Wirklichkeit ist es sogar.
Denn es bahnt sich wassergleich seinen Weg durch jede Ritze Menschlichkeit. Es sickert durch jede, durch Barmherzigkeit porös gewordene Wand, die aus Neid, Missgunst, Gier oder Lebensangst zwischen Menschen errichtet ist.
Es wird von jedem Herzen weitergepumpt, das sich einmal wundersam kraft der Liebe geweitet hat.
Denn die Liebe ist das Wort Gottes, das nicht vergeht, selbst wenn Himmel und Erde vergehen.
Die Liebe als Gottes Wort war vor allem Anfang und ist nach allem Ende – in unsere Zeit gekommen ist sie in dem Menschensohn Jesus Christus.
An uns Menschensöhnen und Menschentöchtern – Menschenkindern von Gott her – ist es, die Welt für diese Liebe Gottes offen zu halten und die durch Jesus Christus gelegten Spuren der Lieben groß machen.
Dies zu tun in Wort und Tat ist uns aufgegeben:
- in verantwortlichem Reden und Handeln – gesellschaftlich, politisch, ökologisch, privat – als Kirche in unserer Stadt und Zeit…
- in fraglosem Lieben und Versöhnen – für uns selber und in unserem Miteinander, für die Welt als Ganzes und – vor allem stellvertretend für all diejenigen, die in ihrem eigenen Dunkel gefangen sind, das immer ein Spiegel des Dunkels der Welt ist.
Denn (EG 16,4):
Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid und –schuld, doch wandert nun mit allen, der Stern der Gotteshuld.
Beglänzt von seinem Lichte, hält uns kein Dunkel mehr.
Von Gottes Angesichte kam uns die Rettung her.
So dichtete Jochen Klepper – wir werden das Lied gleich singen – adventlich in der politisch und gesellschaftlich und für ihn ganz persönlich apokalyptischen Zeit des Nationalsozialismus.
Dies zu leben ist uns Herausruf und Herausforderung, es ist uns Aufgabe – vor allem aber ist es uns Verheißung zu jeder Zeit.
Deshalb liebe Schwestern und Brüder,
wenn wir zuversichtlich, hoffnungsfroh und Reich-Gottes-gewiss sind, dann ist es wichtig, eine bestimmte Haltung anzunehmen.
Das Verkehrteste wäre es mit gesenktem Kopf, hängenden Schultern und eingezogener Brust dazustehen – weil du dann sofort anfängst, am Reich Gottes zu zweifeln.
Wenn du also auch nur ein bisschen – oder auch ganz viel – Vergnügen an den Zeichen des Menschensohns in vielen Menschenkindern und Menschenhandlungen haben willst,
dann musst du so (aufgerichtet, mit geöffnetem Oberkörper und erhobenen Kopfes) stehen!
Und die Liebe Gottes, die höher und tiefer ist, als alles, was wir begreifen, ermächtige eure Herzen und Sinne zu einem aufrechten Leben durch Jesus Christus.
Amen
[i] Anm.d.Red.: Aus urheberrechtlichen Gründen dürfen wir den Cartoon hier nicht zeigen. Doch Sie können ihn im Internet finden. Geben Sie in Ihre Suchmaschine z.B. ein "Cartoon Peanuts deprimierte Haltung", und Sie werden fündig!
1. Advent, 30.11.2025, Römer 13,8-12, Stadtkirche, Dr. Petra Brunner
Liebe Gemeinde,
seit Ende Februar 2022- also beinahe seit knapp vier Jahren - gehört die Rede von der Zeitenwende fest zum gesellschaftlichen Diskurs.
Wir hören nochmal kurz die Worte des Bundeskanzlers Scholz klingen: „Der 24. Februar 2022 markiert eine Zeitenwende in der Geschichte unseres Kontinents.“
Der Begriff Zeitenwende beschreibt zum einen den Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine als einschneidendes Ereignis für Europa, umfasst zum anderen auch einen Wandel der deutschen Verteidigungspolitik, Sicherheitspolitik und Energiepolitik.
Der politische, der gesellschaftliche Diskurs hat sich verändert. Die Debatten, die wir führen, gehen um militärische Aufrüstung, um die Wehrpflicht, den Frieden in Gaza und Israel oder auch, besonders nach dem Scheitern des Klimakonferenz in Belem, auch immer wieder über die Klimakrise, die Biodiversitätskrise und auch die Gesundheitskrise. Spätestens seit der Corona-Pandemie leben wir der Zeit der multiplen Krisen. Wenn wir an die Zukunft denken, Bilder von dieser Zukunft malen, dann ist es eher das Bild einer Abenddämmerung. Der lichte Tag geht zu Ende und Wolken ziehen auf, die Sonne sinkt und es wird Nacht.
Dass die Nacht noch kommt, ist für den Bibeltext eine Untertreibung, denn der Römerbrief formuliert im hinterem, dem ethischen, Teil des Briefes, dass wir mitten in der Nacht stecken. Also die Empfangenden Gemeinden im römischen Reich, bei denen sich die Stimmung einer endzeitlichen Lage mit der drohenden Christenverfolgung durch Nero breit macht, während sie in diesem multireligiösen, schnelllebigen Moloch des römischen Imperiums leben und in ihren kleinen Hauskirchen darauf warten, dass Jesus bald wiederkommt.
In unserem Predigttext, in unserer Gegenwart und auch in der Adventszeit klingen diese endzeitlichen Töne zusammen.
Diese endzeitliche Stimmung, die kollektiven und individuellen Krisen, die können uns schnell in die Verzweiflung und Depression führen. Oder die endzeitliche Stimmung ist einfach zu viel und zu schwer, und wir verdrängen alles um uns herum in der weltvergessenen Weihnachtsspießigkeit unserer kleinen Zuhause.
Wir sind nicht allein im Dunkeln. - Der Text sagt: Die Nacht war tief und lang und sie geht zu Ende, der Morgen dämmert schon und ein neuer Tag - eine neue Zeit - kommt an. Genau an diesem Punkt stehen wir heute am 1. Advent. Jetzt ist diese Zeit, jetzt ist Advent, eine Zeit der Ankunft Gottes genau in diese Welt, genau in die multiplen Krisen und in unsere dunkle Hoffnung, da kommt das Neue - der Advent kommt. Und jetzt noch in unserem alten Kalenderjahr fängt schon die Adventszeit an.
Statt sich in diesen Krisendiskurs, vielleicht als Form der Verarbeitung von Ängsten vor Veränderung, hineinsaugen zu lassen und die Krisenstimmen immer stärker und lauter und selbst verstärkender zu hören - stattdessen zünden wir heute die erste Kerze an.
Wir zünden Kerzen an, hören die alten Hoffnungstexte des ersten und zweiten Testaments – und wir singen Lieder - wir stimmen uns langsam darauf ein, dass wir einen anderen Bezugsrahmen haben. Wir erinnern uns gegenseitig daran, dass die einzige Zeitenwende für Christ:innen ist, dass Gott in Jesus zu uns auf die Welt gekommen ist und unserer Leben, unsere Dunkelheit und unseren Tod geteilt hat.
Wir zünden Kerzen an in der dunkelsten Zeit des Jahres und singen die Lieder und hoffen, dass Jesus bei uns ankommt und die Hoffnung wieder neu anfängt.
Unser Predigttext gehört in den Brief, den Paulus aus Korinth aus an die römischen Hausgemeinden schreibt. In elf langen Kapiteln hat Paulus ausführlich und breit das Evangelium dargelegt. Nämlich, dass wir Gottes Kinder sind, gerecht und geliebt von Jesus und einfach Gotteskinder. Dann folgt ein Abschnitt, in dem Paulus über das Verhältnis Juden zu Nicht-Juden schreibt, was mit der mit der Perspektive der Errettung von Nichtjuden wie Juden schließt.
Dann auf dieser Grundlage steht unser Predigttext. Der gehört zu den drei abschließenden ethischen Anweisungen für die Menschen in den in den Christus-gläubigen Gemeinden. Für Paulus ist es jetzt ganz klar, was in den Gemeinden zu tun ist. Nachdem er im Abschnitt vorher das Verhältnis zum Staat und zur Obrigkeit geklärt hat - sagt er: Genau in der Jetztzeit ist es die Zeit, diese Hoffnung der Gotteskinder zu leben.
Lang hatte Paulus erklärt, dass wir durch die Liebe Gottes zu Gotteskinder geworden sind und dass die Hoffnung zu uns kommt. Und jetzt ist es Zeit, genau in dieser Welt, genau in dieser Zeit, diese Liebe zu leben und sie zu teilen. Genau jetzt und heute sollen wir kontrafaktisch leben - in der Welt voll Dunkelheit und Hass – Liebe leben.
Paulus erinnert nochmal an die Gesetze, die im ersten Testament auf die Beziehung der Menschen untereinander genannt werden: »Du sollst nicht ehebrechen! Du sollst nicht töten! Du sollst nicht stehlen! Du sollst nicht begehren!«
Und Paulus zusammengefassten Merksatz, in dem alle Anforderungen an uns zusammengefasst werden:
»Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!«
Da hören wir Jesu Aufforderung zur Nächsten- und Selbstliebe mitklingen und auch das Hohelied der Liebe aus dem Korintherbrief. Denn ohne die Liebe ist alles nichts.
Jetzt, heute, genau auf dieser Welt ist vieles, vieles immer noch gleich, das Alte, es ist krisig und dunkel- genau da zünden wir die Kerzen an und hoffen, dass das Licht zu uns kommt. Und weil das die andere Seite der Hoffnung ist: handeln wir auch. Wir handeln in kleinen Gesten und Worten und Entscheidungen der Liebe: Vielleicht indem wir nachtreten, wenn wir ungrechtfertigt angemotzt werden; wenn wir freundlich der Arzthelferin danken, vielleicht indem wir nicht achtlos konsumieren, vielleicht indem wir beten für Menschen oder vielleicht … Ihnen fallen bestimmt Dinge ein, wie die Liebe in ihrem Denken und Handeln Raum finden kann in dieser ersten Adventswoche.
Ein besonderes Glaubensvorbild ist der Theologe und Auto Jochen Klepper. Jochen wurde zu Beginn des letzten Jahrhunderts geboren. Jochen Klepper schlief schlecht, er konnte sich nicht konzentrieren und er hat die Auswirkungen der nationalsozialistischen Unrechtsherrschaft am eigenen Leib gespürt: er durfte nicht mehr als Autor arbeiten. In seiner Welt voll Hass, Tod und Unrecht - hat Jochen einfach nie aufgehört zu schreiben. Das Lied, das wir gleich singen: Die Nacht ist vordrungen - das schreibt er kontrafaktisch: er hat schon Berufsverbot erhalten, der Krieg steht vor der Tür und Jüd:innen werden schon in Konzentrationslagern umgebracht- und seine Frau ist jüdisch.
Jochen schreibt dieses Adventslied, was auf unseren Predigttext Bezug nimmt in dieser Zeit, die wir eigentlich als Aufbrechen der Nacht beschreiben könnten. Doch Jochen schreibt - er handelt so: die Perspektive muss eine andere sein - die Nacht geht zu Ende. Es gibt Hoffnung, der Morgenstern kommt zu uns.
Jochen Klepper und auch andere Menschen, die wirklich Schweres getragen haben mit Gott an ihrer Seite, haben das erlebt, was Jochen im letzten Vers schreibt: Gott will im Dunkeln wohnen und hat es selbst erhellt.
Jochen Kleppers Welt wurde immer kleiner, und immer enger, keine Arbeit mehr und die Verfolgung seiner Frau, er sollte sich von ihr scheiden, sie durften nicht ausreisen, die Deportation der ganzen Familie stand bevor.
Jochen Kleppers letzter Tagebuch Eintrag 1942 lautet so:
„Nachmittags die Verhandlung auf dem Sicherheitsdienst. Wir sterben nun – ach, auch das steht bei Gott – Wir gehen heute Nacht gemeinsam in den Tod. Über uns steht in den letzten Stunden das Bild des Segnenden Christus, der um uns ringt. In dessen Anblick endet unser Leben.“
Jochen Kleppers Leben endet im Suizid, in einer Dunkelheit - in der er sich vom segnenden Christus geborgen und aufgenommen wiederfand. Gott will im Dunkeln wohnen. Von da aus fängt unser Leben und unsere Hoffnung neu an, auch im Sterben.
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