Karfreitag, 03.04.2026, 2.Kor.5,19-21, Tersteegenkirche, Horst Gieseler
Den Gottesdienst mit Prädikant Horst Gieseler können Sie HIER als Podcast hören. Die Predigt beginnt bei 29:09min.
Judika, 22.03.2026, Hebr. 13, 10-14, Stadtkirche, Jutta Grashof
Liebe Gemeinde,
für Judika ist uns ein Anschnitt aus dem Hebräerbrief als Predigttext gegeben. Die Wissenschaft streitet seit Jahrzehnten darüber, wer diesen Brief verfasst hat und an wen er gerichtet wurde. Das Einzige, was wir wirklich sagen können ist, dass die Empfänger des Briefes sich bestens in der jüdischen Tradition und Lehre auskannten.
Das macht es uns etwas schwer, denn wir müssen zunächst ein wenig in das damalige jüdische Glaubensleben eintauchen, bevor wir die Verse des Predigtabschnitts verstehen können.
Wir begeben uns gedanklich in die Zeit der Wüstenwanderung des Volkes Israel. Sie hatten damals ein tragbares Heiligtum die Bundeslade und die Stiftshütte. Überall, wo das Volk seinen Lagerplatz aufschlug, wurde auch die Stiftshütte aufgebaut. Das Zelt mit er Bundeslade wurde jeweils großräumig von einer Holzeinfassung umgeben. So entstand ein heiliger Bezirk, auf dem das Zelt stand und vor dem Zelt ein Brandopferaltar.
Hier wurden Gaben dargebracht als Dank oder Bitte, im Zusammenhang mit Festen oder als Opfer, um begangene Schuld zu sühnen.
Die Art, wie geopfert wurde, folgte strengen Regeln und das, was gebracht wurde, trugen die diensthabenden Priester nach der Opferhandlung hinaus und verbannten es außerhalb des Lagerbezirks.
Der Altar selber galt als Ort der Befreiung und als ein Ort des besonderen Schutzes. Wer die sogenannten Hörner des Altars umfasste, weil er vor der Blutrache floh, durfte nicht gefangen genommen werden. Bis heute hat sich dieses Denken auch bei uns erhalten. Wer immer in einer Kirche den Altarraum betritt, ist vorübergehend vor dem Zugriff durch Behörden geschützt, wenn er nicht vorsätzlich straffällig geworden ist. Auch unser Kirchenasyl leitet sich hiervon ab.
Auf diesem Hintergrund hören wir das dem 13. Kapitel des Hebräerbriefes die Verse 10 bis 14:
Wir haben einen Altar, von dem zu essen denen nicht erlaubt ist, die am Zelt dienen.
Denn die Leiber der Tiere, deren Blut durch den Hohenpriester als Sündopfer in das Heilige getragen wird, werden außerhalb des Lagers verbrannt. Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.
Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.
Vielleicht kommt Ihnen der Text bekannt vor – zumindest der letzte vorgelesene Vers. Er gehört zu den Texten, die bei Bestattungen gelesen und gepredigt werden. Wir haben hier keine bleibende Stadt. Nein, wir sind auf dem Weg. Wo uns das Leben hingestellt hat, den Platz füllen wir aus. Wo das in der Welt ist, nennen wir Zufall - und wer immer in diesem Land hier geboren wird, lebt und aufwächst, darf mit Fug und Recht sagen, auf der Sonnenseite dieser Welt geboren worden zu sein. Auch wenn es in unserem Land Vieles zu verbessern gäbe, wenn wir klagen, klagen wir auf hohem Niveau. Zählen wir sie doch mal auf: Unsere Rechte im Rechtsstaat, die soziale Sicherung, die medizinische Versorgung, die Bildung, die Geschlechtergerechtigkeit. Sehen wir hin auf die Freiheiten: Bewegungsfreiheit, Meinungsfreiheit, unabhängige Gerichte, mediale Meinungsvielfalt. Ja, es gibt immer auch Beschneidungen und ungerechte Strukturen, Skandale und Eingriffe ins Private. Aber, allein die Tatsache, dass derzeit heftig diskutiert wird, warum drei Buchhandlungen von der Liste des Buchhandlungspreises gestrichen wurden, oder die wiederkehrende Klage, dass Frauen immer noch weniger verdienen als Männer, die Auseinandersetzungen zum Thema Wehrpflicht oder Bildungschancen zeugen doch von einer guten funktionierenden Demokratie. Die Welt um uns herum sieht überwiegend anders aus. Also, warum sollten wir unser schönes Kaiserswerth verlassen und hinausgehen aus unseren Zusammenhängen. Ist doch schön hier.
Anders bei Staaten im Umbruch, im Krieg, diktatorischen Machtverhältnissen, bei Regimen, denen ein Menschenleben nichts bedeutet. Sie sind die Wortführer in der aktuellen Weltlage. Menschen, denen jedes Recht aufs Menschsein abgesprochen wird, die weder eine Meinung äußern dürfen noch die politische Elite kritisieren dürfen, Menschen, die unter Hunger, Vertreibung und Sklaverei leiden, die haben allen Grund, ihre Stadt, ihren Ort zu verlassen, um ein besseres Leben zu suchen. Für sie ist der Bibelvers geradezu eine Aufforderung, loszugehen, sich aufzulehnen und die zukünftige Stadt zu suchen. Soweit der Ort in dieser Welt, an dem wir leben, Kaiserswerth oder Doha. In Freiheit oder in Knechtschaft.
Dann aber richtet sich im Hebräerbrief der Blick hin zum Ende des Lebens: Wenn wir am Grab über den Hebräervers predigen, dann geht es um die transzendente Dimension. Am Ende des irdischen Lebensweges angekommen, überschreiten wir die Grenze zwischen dem Ort, an dem wir lebten und dem künftigen Ort, den Christus für uns bereithält.
Insofern sind wir alle nur an einem vorläufigen Ort
Doch, es gibt noch eine weitere Perspektive, die in dem Vers steckt:
Der Verfasser des Briefes zeigt mit dem Finger auf Christus – nicht auf den Jesus, der heilt und gute Predigten hält. Er weist mit dem Finger hinaus vor die Tore der Stadt Jerusalem. „Schaut dort hin!“ Ihr werdet eure Stadt verlassen müssen, wenn ihr das Heil sehen wollt.
Jesus selber hat die Stadt verlassen müssen.
Der gefeierte Prediger und Wundertäter, der, den alle sehen und erleben wollte, für den es nur open-air gab, weil die Räumlichkeiten der Orte nicht genügend Platz boten und der die Massen bewegte, muss vor die Stadttore gehen.
Er tut es trotz aller Zweifel, trotz allen Ringens mit Gott. Jesus überschreitet die Grenze der Stadt und die Grenzen der eigenen Sicherheit, um Tore für die Menschheit zu öffnen. Die Grenze zwischen Stadt und Hinrichtungsplatz überquert Jesus, damit wir teilhaben an ihm. Gott selber überschreitet die Grenze zwischen sich und uns.
Der Gedanke, dass man etwas opfern muss, um sich mit Gott zu versöhnen, hat in dem Moment keinen Platz mehr in der Beziehung Gott und Mensch. Am Kreuz kehrt sich die Beziehung zwischen Gott und Mensch um: Nicht ich muss etwas Gutes für Gott tun – sondern Gott tut etwas Gutes für mich.
An manchem Wegekreuz – auch hier in unserer Stadt - steht als Umschrift: Das hat er für dich getan.
Um das zu erfassen, müssen wir aus unserer Komfortzone hinaus.
Raus aus dem Haus Gottes, in dem alles so schön ist – wohlgeordnet und angenehm. Raus, denn nur draußen können wir das Heil sehen, das Gott für uns bereithält. Und dann stehen wir auf dem Hinrichtungsplatz mitten im tiefsten Elend, wo niemand mehr hinschauen möchten, keiner mehr helfend eingreifen kann – wo nur Schreien und Klagen ist, Schmerzen und Grausamkeit.
Das soll helfen? Dort soll das Heil sein? Wir könnten nicht ruhig bleiben beim Anblick eines Kreuzes auf dem Altar, Hätten wir nicht eine Ahnung von dem, was danach kommt.
Es wäre ein kaum zu predigender Text – wüssten wir nicht, dass hinter der Schädelstätte ein wenig Licht aufblitzt – das Licht aus der leeren Grabhöhle.
Wir sind weit in der Passionszeit fortgeschritten, das Kreuz kommt immer mehr in den Blick. Aber hinter dem Kreuz leuchtet schon die Auferstehung – das leere Grab und Gottes Zusage: Draußen vor dem Tor ist nicht nur Zerstörung, Schmach und Elend – draußen vor dem Tor ist nicht nur Schmerz und Tod – draußen vor dem Tor ist auch Hoffnung, Licht und Neuanfang.
Und das nicht nur am Ende unseres Lebens, wenn es heißt, in Gottes ewige Stadt umzusiedeln – sondern schon jetzt. So wie auf Golgatha das Licht aus der leeren Grabhöhle schon ein wenig aufblitzt, so blitzt das Licht der Auferstehung auch jetzt schon in unserem Leben immer mal wieder auf.
Aus diesem Glauben heraus haben sich Menschen auf den Weg gemacht. Jeder hat seine Schuld am Kreuz ablegen können Sie sind hinausgegangen, haben sich versöhnen lassen mit Gott. Die Freude über Versöhnung und das Geschenk, neu anfangen zu dürfen, haben Menschen seit 2000 Jahren weitergetragen – aus lauter Freude haben sie befreit von aller alltäglicher Verstrickung das Elend der Welt angesehen und sich zu Herzen genommen. Freude und Frieden, Gerechtigkeit und Achtung bekamen für sie einen neuen Inhalt einen neuen Wert. Sie haben Versöhnung und Frieden weitergegeben in Wort und Tat Caritas Diakonie, Zuwendung Nächstenliebe, Bruder und Schwestersein geben ein beredtes Zeugnis davon, was draußen vor dem Tor stattfand. – das alles hat hier seinen Anfang.
Es gibt beeindruckende Beispiele – Graf von der Recke Vollmerstein, Theodor Fliedner, – von Mathilda Wrede bis Florence Nightingale –von Charles de Foucauld bis Carlo Acutis. Sie alle haben ihrer Dankbarkeit vom Kreuz Taten folgen lassen. Diese Menschen haben sich hinaus begeben zu den Kreuzen der schwachen und elenden um Versöhnung und das Licht der Auferstehung zu bringen.
Es muss nicht so spektakulär sein wie bei den Genannten – es gibt die vielen kleine Hingucker heute. Es sind allein 700.000 Menschen deutschlandweit, die sich innerhalb der Diakonie ehrenamtlich engagieren, die das Elend der anderen sehen und etwas tun. Es sind die vielen kleinen ungenannten Taten, die Versöhnung und Frieden ausbreiten. Der eine legt seine Gabe in den Spendenkasten, die andere hat ein Patenkind in einer Favela dieser Erde – fair trade und Flüchtlingsrat hinterlassen Spuren der Gerechtigkeit– ein freundlicher Umgang mit jedem und der Besuch beim Nächsten, der scheinbar nichts mehr mitbekommt, tragen Achtung in die Gesellschaft.
Christliches Engagement beginnt immer damit, sich unter das Kreuz zu begeben und dann mit Frieden und Versöhnung im Herzen das Elend der Welt zu sehen und heilend eingreifen. Christ sein am Sonntag Judika heißt: Schaffe Recht denen, die Unrecht leiden. Verlasse für einen Moment deine sichere Burg, schau hinaus, folge Christus ins Leiden und in die Auferstehung. Bringe dieses Licht in die Dunkelheit des Nächsten.
Amen
Okuli, 08.03.2026, Lukas 9,57-62, Mutterhauskirche, Ulrike Heimann
Liebe Gemeinde,
das 9.Kapitel des Lukasevangeliums, das hat es in sich.
Es ist nicht nur eines der längsten Kapitel mit 62 Versen, sondern es befasst sich unter verschiedenen Aspekten mit einem Thema, das für jede/n von uns, sofern wir uns als Christenmenschen verstehen, aktuell ist: mit der Nachfolge. Als Jesus seinerzeit als Wanderprediger durch Galiläa zog, da forderte er seine Zuhörer/innen nicht auf, an ihn zu glauben, sondern ihm nachzufolgen. Ein Anruf, der nicht nur die bekannten 12 Jünger traf, sondern auch andere Zeitgenossen Jesu. Damals war das die konkrete Forderung, Haus und Hof, dem Handwerk und Beruf den Rücken zuzukehren und mit Jesus das unstete Dasein auf Wanderschaft durch Galiläa zu teilen.
Hören wir, welche Resonanz die Einladung zur Nachfolge damals gefunden hat. Lukas schreibt darüber am Ende des 9.Kapitels folgendes:
Unterwegs sagte jemand zu Jesus:
„Ich will dir folgen, wohin du auch gehst!“
Jesus antwortete: „Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel ihr Nest. Aber der Menschensohn hat keinen Ort, an dem er sich ausruhen kann.“
Einen anderen forderte Jesus auf: „Folge mir!“
Aber der sagte: „Herr, erlaube mir, zuerst noch einmal nach Hause zu gehen und meinen Vater zu begraben.“
Aber Jesus antwortete:
„Überlass es den Toten, ihre Toten zu begraben.
Du aber geh los und verkünde das Reich Gottes!“
Wieder ein anderer sagte zu Jesus:
„Ich will dir folgen, Herr! Doch erlaube mir,
zuerst von meiner Familie Abschied zu nehmen.“
Aber Jesus antwortete:
„Wer die Hand an den Pflug legt und zurückschaut,
der eignet sich nicht für das Reich Gottes.“
Offensichtlich ist es Jesus nicht darum gegangen, so viele Menschen wie möglich hinter sich zu versammeln, nicht wie es die Influencer unserer Tage halten, denen es um möglichst viele Follower geht. Beim Hören des Textes kann man im Gegenteil den Eindruck haben, dass Jesus mit seinen Antworten geradezu abschreckend ist.
Nehmen wir den ersten Kandidaten. Ich stelle mir da einen Menschen vor, der viel von Jesus gehört hat, vielleicht hat er auch erlebt, wie in Jesu Gegenwart Kranke gesund wurden (Lk.9,37-43), vielleicht war er einer der 5000, die satt geworden waren am Ufer des See Genezareth bei Betsaida, obwohl es zunächst gar nicht danach aussah: nur 5 Brote und 2 Fische (Lk.9,10-17) standen zum Austeilen bereit. Auf jeden Fall war er fasziniert von diesem Jesus. „Ich will dir folgen, wohin du auch gehst!“ Doch er hört kein: „Das ist ja wunderbar. Komm, ich freue mich, dass du nun zu mir gehörst.“
Stattdessen Sätze, die wie eine indirekte Abwehr klingen. „Überleg es dir noch einmal, das ist kein Zuckerschlecken, mit mir unterwegs zu sein. 7 Tage rund um die Uhr, ohne Pause und ohne Rückzugsort.“
Wie sich der Mensch nach dieser Ansprache Jesu verhalten und entschieden hat, erzählt uns Lukas leider nicht.
Den zweiten spricht Jesus persönlich an: „Folge mir!“
Worauf dieser keinen Rückzieher macht, sondern nur einen doch auch heute verständlichen Wunsch äußert, nämlich zuvor noch den wohl erst gerade verstorbenen Vater zu begraben. Nicht nur damals, sondern auch heute noch eine absolute religiöse Pflicht für jeden Juden, das Totengebet für den Vater zu sprechen.
Die Reaktion Jesu darauf muss ihn damals fassungslos gemacht haben: „Überlass es den Toten, ihre Toten zu begraben. Du aber geh los und verkünde das Reich Gottes!“
Auch hier wissen wir nicht, wie der Mensch sich verhalten und entschieden hat.
In der dritten Begegnung tritt wieder ein Mensch mit dem eigenen Wunsch an Jesus heran: „Ich will dir folgen, Herr!“ Um sofort eine kleine Einschränkung, ein Aber anzuhängen:
„Aber erlaube mir, zuerst von meiner Familie Abschied zu nehmen.“ Eigentlich doch auch ein verständlicher Wunsch, zumal es damals weder Handy noch Post gab. Wer seinen Heimatort verließ, konnte sich in den Zeiten der römischen Besatzung nicht sicher sein, jemals wieder zurückzukommen, seine Angehörigen zu sehen. Aber auch diesem Wunsch kommt Jesus nicht nach: ungeeignet als Arbeiter im Reich Gottes. Das Herz hängt viel zu sehr an den alten Bindungen.
Was soll uns das alles sagen? Ein ausgesprochen unbequemer Text, den uns Lukas da überliefert hat. Überhaupt das ganze 9.Kapitel legt es darauf an, einen Menschen, der sich zu Jesus hingezogen fühlt, immer wieder vor den Kopf zu stoßen, ihm immer wieder eine kalte Dusche zu verpassen (Lk.9,23).
Jesus wollte keine Fans, keine Anhänger haben, die ihn toll fanden, keine Jesusfreaks. Er wollte Menschen mit seiner Leidenschaft für das Reich Gottes anstecken. Er wollte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Arbeit am Reich Gottes gewinnen. Ein Reich für diese Welt, in dem die Menschen in Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit zusammenleben – so wie es Gottes Willen entspricht. Jesus wollte Weggefährten, Nachfolgerinnen, die sich ganz auf ihn einlassen, indem sie sein Anliegen zu ihrem machen. So sendet er zu Beginn des 9.Kapitels die Zwölf aus (Lk.9,1) und zu Beginn des 10.Kapitels gar 72 Jünger, um das Reich Gottes zu verkünden und zu heilen; er schickt sie nicht aus, um von ihm zu erzählen. Diesem Auftrag können sie nachkommen mit derselben Vollmacht wie Jesus. Da ist kein Unterschied. Und es wird ihnen dabei nicht anders ergehen, als es Jesus ergeht und ergangen ist: sie werden Erfolg und Misserfolg haben, auf Zuneigung und Ablehnung stoßen. Jesus sagt es unmissverständlich: Jeder, der den Weg Jesu einschlägt und die Arbeit am Reich Gottes in Wort und Tat zu seiner Sache macht, muss sein eigenes Kreuz auf sich nehmen. (Lk.9,23) Das galt nicht nur damals, sondern das gilt auch noch heute. Die Welt dreht sich weiter und die Zeiten ändern sich; aber es ist nicht so, dass Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit schon das Leben auf dieser Erde bestimmen. Die Arbeit ist noch nicht vorbei.
Gerade in unseren Tagen zeigt sich die Fratze imperialer Macht wieder völlig ungeniert, triumphieren Geld, Gewalt und Lüge wie schon lange nicht mehr. Das macht den Ruf zur tätigen Nachfolge noch dringlicher. Das Reich Gottes, d.h. ein Leben in Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und in friedlicher Gemeinschaft aller Menschen und Völker, aller Kulturen und Religionen ist nicht mit ein paar kleinen Korrekturen in der politischen Landschaft zu erreichen, sondern da muss Neues gedacht, erhofft und gewollt werden. Wie es uns auch in der Jahreslosung begegnet: Ich mache alles neu – ich mache in euch und durch euch und mit euch alles neu – das ist das Versprechen Gottes, Zuspruch und Anspruch in einem. (Offb.21,5)
Was heißt das für den Einzelnen / die Einzelne unter uns? Vorausgesetzt, man will nicht nur an Jesus glauben, sondern sich ganz auf ihn und seinen Weg einlassen, seine Leidenschaft teilen.
- Es hilft gar nicht, zurückzublicken und dem, was war, nachzutrauern. Das sollte für jeden das Erste sein.
„Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der eignet sich nicht für das Reich Gottes.“
- Wir müssen unser Herz und unseren Blick weiten: bereit sein zu teilen, was wir haben, Lasten gemeinsam tragen; kein Mensch ist eine Insel, Deutschland nicht, die EU nicht: Gottes Reich umschließt den ganzen Erdkreis; es will überall aufwachsen.
- Im 9.Kapitel gibt es zwei Verse, die uns Mut machen können für die Arbeit, die vor uns liegt. Sie zeigen uns, dass wir nicht allein sind, sondern dass wir Weggenossen haben, manchmal da, wo wir es gar nicht vermuten bzw. wo wir noch befangen sind in unserer Schubladenmentalität von „Wir hier drinnen“ und „Die da draußen“. Es heißt dort:
Johannes sagt zu Jesus: „Meister, wir haben gesehen,
wie jemand deinen Namen dazu benutzt hat,
Dämonen auszutreiben. Wir wollten ihn davon abhalten, denn er gehört nicht zu uns.“
Aber Jesus antwortete: „Hindert ihn nicht daran!
Denn wer nicht gegen euch ist, der ist für euch.“ (Lk.9,49-50)
Nein, wir sind nicht allein an der Arbeit am Reich Gottes. Wir haben Weggefährtinnen und -gefährten: alle Menschen, denen es um ein friedliches Zusammenleben der Menschheitsfamilie in Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit geht, sind von demselben Geist inspiriert – auch wenn sie ihn mit anderen Namen benennen. Verbinden wir uns mit allen Menschen guten Willens. Anders können wir gar nicht Gottes Sache, die unser Leben in unserer Zeit ist, befördern. Die, die sich dem Ungeist, den Dämonen der Gewalt und Zerstörung verbunden haben, haben sich längst zusammengerottet auf allen Ebenen: Putin – Trump – Erdogan – Orban – Netanjahu – Elon Musk oben – und ihre Gefolgsleute in den Religionsgemeinschaften und politischen Parteien unten.
Einen Rückzugsort hatte Jesus auf seinem Weg nicht, kein Stück heimelige, heile Welt – selbst der Zwölferkreis war das nicht. Die Leidenschaft Jesu zu teilen, ist auch heute eine herausfordernde, anstrengende und manchmal erschöpfende Sache. Erfolgserlebnisse sind rar.
Aber unterwegs, da kann es geschehen, dass einen eine Ahnung durchflutet von einem Leben in echter Gemeinschaft, wo wir uns in der Gegenwart anderer Menschen, die wie wir unterwegs sind und sich um Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit bemühen, einfach glücklich fühlen. Spüren: Ja, unsere Arbeit, unser Einsatz macht Sinn. Auch wenn das große Ganze des Reiches Gottes noch im Dunkel der Geschichte verborgen ist: die Samenkörner liegen in unserer Hand, wollen weiter ausgeworfen werden; und, ja, wir müssen nur hinschauen: eine ganze Reihe von ihnen keimen schon, zeigen erstes Grün.
Gott spricht auch heute noch (vgl. Jes.43,19):
„Siehe, ich will ein Neues schaffen; helft ihr mir dabei?
Jetzt will es aufwachsen, erkennt ihr es nicht?
Ich sorge dafür, des es Wege gibt mitten durch die Wüsten eurer Tage; ich sorge dafür, dass ihr euch erfrischen und stärken könnt an lebendigem Wasser, an Brot und Wein.
Darum: geht los mit Leidenschaft für das Leben – wie Jesus, euer Freund und Bruder. Seid meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, seid Bauleute an meinem Reich.“
Amen.
Okuli, 08.03.2026, Lukas 9,57-62, Tersteegenkirche, Tanja Fuchs
Den Gottesdienst mit Prädikantin Tanja Fuchs können Sie HIER als Podcast hören. Die Predigt beginnt bei 25:45min.
Invokavit, 22.02.2026, 1. Mose 3,1-19-24, Mutterhauskirche, Ute Grießl
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.
Liebe Gemeinde,
wir befinden uns in der sogenannten Urgeschichte, die in den ersten Kapiteln der Bibel Grundlegendes über Gott und den Menschen erzählt. Über ihr Wesen: So ist Gott. So ist der Mensch. So ist der Mensch schon immer gewesen. So sind die Menschen schlechthin. Wir können ihr Wesen, ihre Muster in jeder Epoche, in jedem Jahrhundert wieder entdecken. Und so ist die Geschichte von Adam und Eva zugleich ein Spiegel für uns.
Diese alte und kunstvolle Erzählung ist schillernd und vielschichtig. Sie ist wohl entstanden als Antwort auf die Frage: Wie kommt es, dass wir Menschen in so widrigen Verhältnissen leben? Wie kommt es zu diesen schweren Lebensbedingungen und so vielen leidvollen Erfahrungen? Warum ist die Arbeit der Männer so mühsam? Und warum ist das Los der Frauen so schwer?
Die Antwort ist: Es war nicht immer so. Gott wollte das eigentlich nicht. Denn im Paradies war es anders. Im Paradies lebten und arbeiteten die Menschen erfüllt, auf Augenhöhe, vertrauensvoll und frei. Sie lebten in Harmonie mit sich selbst, miteinander und mit Gott. Und wir alle haben eine Ahnung davon, wie das gewesen sein muss. Wir kennen „paradiesische Momente“, sei es im Urlaub, in der Musik oder in der Liebe, Momente, in denen wir Vollkommenheit und Harmonie erleben, zumindest erahnen… Also: Was ist geschehen? Wieso haben wir diesen seligen Zustand verloren? Die Erzählung antwortet: Es gab eine Regel, und gegen die haben wir Menschen verstoßen. Das hatte Konsequenzen. Die Geschichte erzählt das sehr dramatisch. Da lohnt es sich, genauer hinzuschauen:
1. Die Versuchung
Im Paradies gibt es eine Schlange, sie spricht zur Frau: Sollte Gott wirklich gesagt haben, dass ihr von keinem Baum im Garten essen dürft? Es klingt so naiv und interessiert und ist doch ein schlau konstruiertes Missverständnis, dass die Frau in eine Diskussion verwickelt. Eva geht darauf ein und erklärt: „Wir dürfen die Früchte von allen Bäumen essen – mit einer Ausnahme: die Früchte vom Baum der Erkenntnis nicht. ‚Esst nicht davon‘, hat Gott gesagt, ‚damit ihr nicht sterben müsst!‘“ Soweit die einzige Spiel-Regel im Paradies, mit der sie bisher gut und frei gelebt haben. Nun hat die Schlange Stoff, den sie auseinandernehmen kann: „Ihr werdet keineswegs sterben! Sondern Gott weiß: An dem Tag, da ihr davon esst, werden euch die Augen geöffnet, und ihr werdet sein wie Gott und erkennen, was Gut und Böse ist!“ Was für eine Verführungskunst! Mit dieser Antwort sät die Schlange Misstrauen in die bisher vertrauensvolle Beziehung der Frau zu Gott. Die Schlange sagt damit: „Vorsicht, Gott ist nicht zu trauen! Gott will euch gar nicht bewahren, nein, nein, er will seine Weisheit für sich behalten, was gut und böse ist. Gott will sein Wissen und Können nicht mit euch teilen. Diese Macht will er allein haben.“ Die Suggestion wirkt: Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre, und dass er eine Lust für die Augen und ein begehrenswerter Baum wäre, weil er weise machen sollte; und sie nahm von seiner Frucht und aß, und sie gab davon auch ihrem Mann, der bei ihr war, und er aß.
Verführbar zu sein, scheint zum Wesen des Menschen zu gehören. Es scheint zu unserem Wesen zu gehören. Wir reagieren auf Impulse von außen, nicht auf alle. Nur dann, wenn sie einen Widerhall in unserem Inneren finden. Da heißt es bei einer Feier: „Ein Cognac schadet nie“… Die Werbung verspricht: „Die ersten drei Monate gratis.“ Was danach geschieht, wird verschwiegen… Die Verführung besteht darin, die Vorstellung auf den unmittelbaren Genuss oder den Gewinn hin zu lenken und von den Folgen abzulenken. Dann tauchen Bilder und Wünsche, dann entstehen Phantasien und Gefühle auf und nehmen immer mehr Raum ein: Wenn ich das jetzt hätte, dann wäre alles besser…dann wäre ich glücklich, dann wäre ich schön, reich, erfolgreich, dann wäre mein Leben leichter…, einfach vollkommen. Dieses „Dann“ wird so bestimmend und fordernd: Ich brauche es einfach. Ich will es haben. Mit diesem Gefühl gehe ich auch über Grenzen, über Grenzen, die mir mein Körper zeigt, die mein Verstand mir sagt, mein Gewissen setzt. Verführbar zu sein gehört zur Freiheit des Menschen. Er kann sich entscheiden. Er kann sich falsch entscheiden. Er kann schuldig werden. Was sind meine Versuchungen? Was sind Ihre Versuchungen? Wodurch lassen wir uns triggern? Durch Essen, Getränke, durch Drogen? durch die Sozialen Medien, durch Geld? durch Sicherheit? durch Sex, durch Status? Ansehen? Bedeutung? Wissen, Macht und Einfluss? Hochaktuell ist die menschliche Verführbarkeit in der Politik: Die Mächtigen der Welt sind verführbar durch noch mehr Macht. Sie wollen herrschen, Sie wollen alles entscheiden und sein wie Gott. – Und gehen dabei buchstäblich über alle Grenzen. Für diese Grenzen steht unserer Erzählung der verbotene Baum.
2. Die Konsequenzen
Das Sehen
Das Essen der verbotenen Frucht hat Folgen: Die beiden sehen. Sie sehen Unterschiede. Es heißt: Da wurden ihnen beiden die Augen geöffnet, und sie erkannten, dass sie nackt waren; und sie banden sich Feigenblätter um und machten sich Schurze. Ja, die beiden wissen und erkennen nun mehr als vorher, aber sie sind keineswegs Gott gleich geworden. Eine weitere Folge ist: An die Stelle des bisherigen Vertrauens zueinander und zu Gott sind Misstrauen und Angst getreten. Dazu die Scham. Das Miteinander ist schwer beschädigt.
Das Verhör
Unsere Geschichte geht – wäre es nicht so bitter ernst - fast anmutig weiter: Gott wandelt im Garten, als der Tag kühler geworden war – kein Orientale geht in der heißen Sonne spazieren. Und die beiden Menschen haben sich versteckt. Da ruft Gott den Menschen: Wo bist du? 10 Und er antwortete: Ich hörte deine Stimme im Garten und fürchtete mich, denn ich bin nackt; darum habe ich mich verborgen! 11 Da sprach Gott: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du etwa von dem Baum gegessen, von dem ich dir geboten habe, du solltest nicht davon essen? Adam schiebt die Schuld auf seine Frau (letztlich auf Gott, weil der sie ihm gegeben hat). Und die Frau schiebt die Schuld auf die Schlange (an deren Existenz auch letztlich Gott als Schöpfer selber schuld ist.) Weder Adam noch Eva stehen zu ihrer Tat. Sie übernehmen keine Verantwortung. Diesen Verschiebebahnhof für Schuld kennen wir (gut). Auch wir kennen Ausflüchte, Erklärungen, Halbwahrheiten und Heimlichkeiten, warum andere und anderes verantwortlich gewesen ist für das, was passiert ist. Nur nicht wir selber. Wir können nichts dafür… In der Folge leiden Gemeinschaft und Beziehungen. Loyalität und Solidarität können damit vom Tisch gefegt werden.
Die Flüche
Nun zieht Gott Konsequenzen: Er verflucht die Schlange und den Erdboden. Wichtig ist: Gott verflucht nicht die Menschen, dafür sind die beiden ihm zu wichtig und zu kostbar. Aber sein Zorn und seine Enttäuschung müssen irgendwohin. Gott verflucht die Schlange und mit ihr alles, was mit der Verführbarkeit des Menschen spielt. (Die Kirche hat in ihrer Deutung später das Böse, den Teufel mit der Schlange gleichgesetzt.) Und Gott verflucht den Acker, von dem der Mensch leben muss. Das ist also die Antwort auf die Frage, warum unser Leben so schwer ist, warum wir uns immer so abrackern müssen, Männer wie Frauen. Wir haben das Vertrauen gebrochen, das Gott in uns gesetzt hat. Wir wollten selber entscheiden, was gut und was böse ist, welche Grenzen wir akzeptieren und welche nicht. Wir haben damit Schaden angerichtet und müssen jetzt sehen, wie wir mit den Folgen zurechtkommen. Die Geschichte liest sich wie ein Kommentar zur menschengemachten Klimakrise! Hier vielleicht noch eint, dass Gott es nicht wollte...
3. Die neue Grenze – die Vertreibung
Gott setzt eine neue Grenze: Die Sterblichkeit des Menschen. Er wirft die Menschen aus dem Paradies, um das Paradies (mit dem Baum des Lebens mitten im Garten) vor uns Menschen zu schützen. Vielleicht kann man sagen: Es hebt es für uns auf? Wir leben nicht im Paradies. Im Gegenteil! Wir leben im Zustand der Entfremdung, entfremdet von Gott, von einander und von uns selbst. Aber Gott will eigentlich nicht, dass wir so leben und sterben.
In einer kleinen Bemerkung am Ende der Geschichte wird erwähnt, dass Gott den beiden Menschen noch Felle schenkt. Er schützt sie in ihrer Nacktheit. Er stattet sie so aus, dass sie außerhalb des Paradieses überleben können, dass sie leben können, wenn auch unter unwirtlichen Bedingungen. Gott scheint zu hoffen, dass sie im Laufe ihres Lebens zu ihm zurückkehren wollen. Gott selbst kommt ihnen entgegen. Das erzählen alle folgenden Bücher der Bibel. Damals wie heute. Gott kommt uns Menschen entgegen - in seinem Sohn, in Jesus Christus. Er hat, so die Geschichte mit seinem Tod am Kreuz und seiner Auferstehung das Paradies und das ewige Leben zurückgewonnen – für uns. Davon werden wir an den nächsten Sonntagen hören. Amen.
Kanzelsegen: Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft, er bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.
Invokavit, 22.02.2026, Gen.3, 1-19, Stadt- und Tersteegenkirche, Doerthe Brandner
Liebe Gemeinde,
nachdem wir in Anlehnung an den Namen dieses Sonntags heute in den Worten des 91. Psalms gehört haben, dass Gott zu dem betenden Menschen sagt: Wenn du mich rufst, so höre ich dich. Ist es in dem Predigttext Gott, der den Menschen ruft, damit der Mensch antwortet.
Ich lese aus dem 1. Buch Mose, Gen 3, 1-19(20-24).
1Und die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde,
die Gott der Herr gemacht hatte, und sprach zu der Frau:
Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten? 2Da sprach die Frau zu der Schlange:
Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten;
3aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt:
Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet!
4Da sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben,
5sondern Gott weiß:
an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan,
und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.
6Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre
und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte.
Und sie nahm von seiner Frucht und aß
und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß.
7Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze.
8Und sie hörten Gott den Herrn, wie er im Garten ging,
als der Tag kühl geworden war.
Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des Herrn
zwischen den Bäumen im Garten.
9Und Gott der Herr rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du?
10Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich;
denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich.
11Und er sprach: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist?
Hast du gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot,
du solltest nicht davon essen?
12Da sprach Adam: Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum
und ich aß. 13Da sprach Gott der Herr zur Frau:
Warum hast du das getan?
Die Frau sprach: Die Schlange betrog mich, sodass ich aß.
14Da sprach Gott der Herr zu der Schlange:
Weil du das getan hast,
seist du verflucht vor allem Vieh und allen Tieren auf dem Felde.
Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Staub fressen dein Leben lang.
15Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau
und zwischen deinem Samen und ihrem Samen;
er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.
16Und zur Frau sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst;
unter Mühen sollst du Kinder gebären.
Und dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein.
17Und zum Mann sprach er:
Weil du gehorcht hast der Stimme deiner Frau und gegessen von dem Baum,
von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen –,
verflucht sei der Acker um deinetwillen!
Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang.
18Dornen und Disteln soll er dir tragen,
und du sollst das Kraut auf dem Felde essen.
19Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen,
bis du wieder zu Erde wirst,
davon du genommen bist.
Denn Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück.
Wozu, liebe Gemeinde, haben wir Mitmenschen?
Was meinen Sie?
Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht?
…
Die naheliegende Antwort finden wir in dem Kapitel vor dieser Geschichte: Da sagt Gott zu sich selber: Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine ist!
Und er erschafft dem Menschen einen Menschen an seiner Seite und aus dem einen ersten Menschen werden Frau und Mann.
Ja, wir haben Mitmenschen, weil wir auf Gemeinschaft und Miteinander hin angelegt sind.
In dieser Geschichte, die wir eben als Predigttext gehört haben, liegt jedoch eine andere Antwort.
Nach dieser Geschichte haben wir vor allem deshalb Mitmenschen, damit wir sagen können:
Der war’s!
Die war’s! – sagt Adam auf Gottes Frage und zeigt auf Eva.
Die war’s! sagt Eva auf Gottes Frage und zeigt auf die Schlange.
Keiner der beiden aber antwortet auf die eigentliche Frage Gottes. Denn Gott hatte nicht gefragt: Wer war’s? – so wie wir Eltern manchmal fragen, wenn wir vor einem, offenbar von einem unserer Kinder verursachten, Malheur stehen.
Gott fragt: Mensch, wo bist du?
Mensch, wo bist du?
Einer der so fragt, sucht Begegnung.
Wer so fragt, so ruft, sehnt sich nach dem Gerufenen.
- Kleine Kinder rufen so nach ihrer Mutter oder ihrem Vater: Mama, Papa, wo bist du?
- Liebende lassen ihre Gedanken so nach dem geliebten Menschen rufen: Wo bist du mein Herz?
- Martin Luther und mit ihm viele andere damals wie heute, die sich von Gott verlassen fühlen, rufen so nach Gott: Wo bist du, Gott? Bist du für mich?
Und die Antwort, die wohl jeder Mensch – jung oder alt – ersehnt, wenn er so ruft, kann nur lauten:
Hier!
Ich bin hier und ich bin da – für dich und wo und wie du mich suchst und brauchst.
Und im Hören der Antwort, weitet sich das Herz des Rufenden. Und wie als wenn sie die Luft in banger Erwartung der Antwort auf die Frage angehalten hätte, senkt in einem tiefen Ausatmen Frieden in ihn.
Wo bist du?
So ruft Gott Im Garten Eden nach dem Menschen, ihn suchend und voller Sehnsucht, ihm zu begegnen, in ungebrochener, paradiesischer Gemeinschaft: Wo bist du, Mensch?
Und die Antwort des Menschen ist: Ich habe mich versteckt!
- Ich will nicht, dass du mich siehst. Angesehen zu werden von dir, ertrage ich nicht. Denn mich unverstellt und bloß zu sehen, bedeutet in meinen und in deinen Augen nackt zu erscheinen.
Und als Gott weiter fragt, den Menschen fragt, wie er dahin kommen konnte, sich vor ihm, mit dem er nichts Böses verbindet, verstecken zu wollen, streckt der Mensch seinen Finger aus, zeigt auf die neben ihm und sagt:
Die war’s!
Und von Stund‘ an bestimmen diese Worte den Menschen in seinem Denken, Fühlen und Verhalten sich selbst und anderen gegenüber und in seinem Sein in der Welt und zu Gott: Der war’s! – Die war’s! – Ich war es nicht!
Das Essen von dem Baum der Erkenntnis, liebe Gemeinde,
und was dahin geführt hat, wird bildreich erzählt.
Es ist die eigenmächtige Tat des Menschen, mit der er aus dem Raum der völligen Gottverbundenheit in den Raum der Selbstbestimmtheit tritt. Einer Selbstbestimmtheit, die sich – wenn es sein muss – auch gegen Gott richtet. Es ist der Schritt, mit dem der Mensch glaubt, seine schöpfungsgemäße Bestimmung im Sein wie Gott zu finden.
Sein zu wollen wie Gott – darin liegt unsere Urversuchung. Und in ihr liegt wiederum das erste und grundlegende große Missverstehen des Menschen, wozu er geschaffen ist.
Der Mensch – wir – haben unseren Ursprung in Gott – so erzählt es die Bibel in ihren Schöpfungsberichten
Und im ersten Schöpfungsbericht heißt es, dass Gott den Menschen zu seinem Bild schuf.
Zu Gottes Bild zu sein – ja, darin liegt unsere urmenschliche Bestimmung.
ZU Gottes Bild zu sein, bedeutet jedoch in keiner Weise WIE Gott zu sein, sondern es bedeutet, dass Gott durch uns – jede/n einzelne/n von uns in je unseren Gaben und unserem Gewordensein sichtbar wird.
Deshalb sind wir Personen. Per-sonare (lat.) heißt: Hindurchklingen. Wir sind Per-Sonen, weil Gott durch uns hindurchklingt.
Indem der Mensch der Urversuchung, wie Gott sein zu wollen, nachgibt, verliert er Gottes Klang in sich. Er verliert die innere, ihn tragende Verbundenheit zu Gott, zu sich selbst, zu seinen Mitmenschen und sieht gleichsam aus der Distanz auf alle und alles.
Oder anders ausgedrückt: Der Mensch lernt „Ich“ zu sagen.
So ist es, liebe Gemeinde.
Wir leben als Ich-Personen, sind als solche autark und handlungsstark – und manchmal, wenn wir es uns trauen, es zu spüren, fühlen wir uns zugleich wie abgetrennt und sind einsam – und als Folge in den Blicken anderer womöglich wie nackt.
Nur in seltenen Augenblicken des menschlichen Miteinanders oder der Erfahrung der Natur scheint das paradiesische Einssein so oder so wieder auf.
So ist es, liebe Gemeinde. Wir haben es nicht in der Hand, unsere Einsamkeit und das Getrenntsein von Gott, von dem Leben zu heilen.
Das andere aber, das liegt wohl in unserer Hand, weil es von Gott hineingelegt ist:
Nämlich die Antwort auf die Gottesfrage: Wo bist du Mensch?
Die Antwort, die nicht nur Adam und Eva, sondern Menschen durch alle Zeiten hinweg und auch wir heute beständig schuldig bleiben, indem wir auf unseren Mitmenschen verweisen und sagen:
Der oder die war’s!
Nicht das Abgetrenntleben von unserem Ursprung verantworten wir. Das tragen wir – von Anbeginn unserer Menschwerdung – in uns und mit uns. Das ist es, was diese Geschichte unseres Predigttextes in Mythischen Bildern erzählend zur Sprache bringt.
Als Ich-Menschen leben wir mit allem, was dies an Möglichkeiten der Erkenntnis und an schmerzvoller Einsamkeit birgt.
Was wir jedoch verantworten ist, ob und wie wir Verantwortung übernehmen für uns und unser Leben, für unser Reden, Tun und Handeln und dafür wir anderen, ihrem Leben und Ihrem Reden und Tun gegenüber verhalten.
Wo bist du Mensch? –
fragt Gott Adam und Eva.
Wo bist du Mensch? – ist Gottes Frage durch seine Geschichte mit seinem Volk hindurch und seine Suche nach seinen Menschen immer wieder und wieder.
Wo bist du Mensch?
- Wo bist du angesichts der Not und des Leides der Welt – ihrer Menschen und der Schöpfung – weit weg von dir und ganz nah?
- Wo bist, angesichts derer, die von der Welt scheinbar vergessen unter Gewalt und Willkür leiden und kaum genug zum Essen für ihre Kinder haben?
- Wo bist du, wenn die Pole schmelzen, die Meere vermüllt, die Kontinente brennen, die Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich unsere Erde verlassen und aussterben?
- Wo bist du Mensch, wenn populistische Parolen laut oder öffentlich geäußert von dir unwidersprochen bleiben?
- Wo bist du Mensch, in deiner Heimatwelt Kaiserswerth, Golzheim oder einem der anderen Stadtteile und in der großen weiten Heimatwelt für alle?
- Wo bist du Mensch – Wo bist du – MENSCH – Mensch zu Gottes Bild, durch den Gott in seiner Barmherzigkeit und Liebe, seinem unbedingten Sein für ALLES Leben sichtbar wird und klingt?
Dies ist die Frage, die die Antwort fordert, auf die es ankommt.
Die Antwort, die Ver-Antwort-ung ist. Übernommen Verantwortung in demütiger Anerkennung der eigenen Fehlbarkeit und Grenzen.
Wo bist du Mensch?
Wo stehst du? – Wofür stehst du?
Und die Antwort kann eigentlich nur sein:
Hier bin ich, Gott!
Nackt und verwundbar, begrenzt und fähig zu verletzen, stets auch immer mein Menschsein mit anderen, im Gegenüber zu dir, mit mir selber – verfehlend.
Hier bin ich Gott!
Anerkennend, dass mein zweiter Ursprung ist, aus Erde geschaffen zu sein – und deshalb begrenzt zu sein, fehlbar, todverfallen und sterblich.
So bin ich HIER, Gott!
Adam und Eva verfehlen diese Antwort.
Und Gottes Reaktion darauf ist, die Tatsachen zu benennen, wie es ist. Das Leben ungeschönt zu beschreiben:
- Dass Schlange und Mensch niemals wirklich Freunde werden;
- Dass Leben weiterzugeben – zu gebären und geboren zu werden – den Schmerz des Lebens schon vorwegnimmt;
- Dass Mühsal und manchmal Vergeblichkeit, dabei der Erde die nötige Nahrung abzugewinnen, eine unserer menschlichen Grunderfahrungen ist.
Und dass uns in allem die Sehnsucht und der Schmerz begleiten, dass es anders sein möge – das Leben und Miteinander zwischen Frau und Mann, zwischen Mensch und Mensch, Mensch und Natur – dass es heil sein möge…
Gott anerkennt, dass der Mensch – wir – sein zum Leben gesegnetes Geschöpf, aus seinem Segen herausgefallen ist – Und er zieht seinen Segen dennoch nicht ab von ihm.
Liebevoll kleidet Gott den Menschen mit Fellen, um ihn zu schützen.
Und ebenso liebevoll verschließt Gott die Tür zum Paradies und bestellt vor ihr einen Wächter – um den Menschen zu schützen, erneut der Versuchung zu unterliegen, sein zu wollen wie Gott und vom Baum des ewigen Lebens zu essen, diesem zweiten Baum, der ja auch in der Mitte des Paradises steht und der durch den Menschen unangetastet bleiben soll. –
- Unvorstellbar, welche Folgen das für uns hätte!
Nicht erst einmal in der Geschichte der Menschheit hat sich der Traum vom der Unsterblichkeit Einzelner in einen Fluch für die Menschheit verwandelt!
Liebevoll bleibt Gott seinen Menschen – uns – zugewandt – auch jenseits von Eden.
Er hört nicht auf nach uns zu fragen und uns zu suchen.
Unverbrüchlich ist seine Sehnsucht danach, dass wir einmal antworten mögen:
Hier bin ich, Gott! –
und bei der Antwort bleiben mögen, was auch immer dieser Antwort entgegenstehen kann.
Was auch immer dieser Antwort entgegenstehen kann:
- nicht verstanden zu werden –
- missachtet zu werden –
- verfemt und verfolgt –
- gefoltert und als Mörder hingerichtet zu werden –
all das hat einer erlebt, der Gottes Frage gehört hat –
Ja, der selber zu der Frage Gottes geworden ist: Wo bist du Mensch?
Und der mit seinem Leben und Sterben die einzig mögliche Antwort gelebt hat:
Hier bin ich Gott!
Und der deshalb mit seinem Leben und Sterben alles Abgetrenntsein von Gott, dass wir Menschen nur irgend erfahren können, geheilt hat – und mit seinem Leben und Auferstehen, die Tür zum Paradies aufgestoßen hat – „Der Cherub steht nicht mehr herfür…“ – an Weihnachten singen wir es.
Wir glauben, dass Gott selber in Jesus Christus diese einzige richtige Antwort gegeben hat.
In Jesus Christus ereignet sich ver-antwortetes- Menschsein.
Durch Jesus Christus wird unser gebrochenes Menschsein heil.
Mit Jesus Christus scheint auf, was es bedeutet, zu Gottes Bild zu sein.
Wir leben jenseits von Eden. Wir sind und bleiben Menschen, Gott ebenbildlich und zugleich erdverhaftet und todverfallen, weshalb wir unsere Bestimmung immer und immer verfehlen.
UND wir können uns anhängen an den, der uns „das Heil erworben“ hat (wie es in einem anderen Kirchenlied heißt) und zu seinem Kreuz blickend und indem wir seinen Spuren folgen in und mit unserer Gebrochenheit antworten:
Hier bin ich Gott!
Hilf mir ver-antwortet zu leben.
Amen
In der Tersteegenkirche wurde der heutige Taufgottesdienst mit Kantorei komplett als Podcast aufgezeichnet. Die einzelnen Abschnitte des Gottesdienstes kann man separat aufrufen. So gibt es die Taufansprache ab Minute 12:46 und die Predigt ab 50:43. Hören Sie einfach mal rein!
Karnevalsgottesdienst, 08.02.2026, "Nostalgie im Wüstensand auf dem Weg ins neue Land", Mutterhauskirche, Peter Krogull
Büttenreden-Predigt von Pfarrer Peter Krogull: „Nostalgie im Wüstensand auf dem Weg ins neue Land“
Liebe Närrinnen und Narren hier in Kaiserswerth,
dachtet ihr auch im Januar: „Ich glaub, mich tritt ein Pferd?“
Drei Tage war das neue Jahr erst alt,
da hat es in Venezuela schon geknallt.
Maduro wird von Trump gefasst,
das Völkerrecht wird schnell geschasst.
Nun will der Donald Grönland haben,
und sich auch dort an den Rohstoffen laben.
Doch auch in Deutschland spielten manche verrückt:
Besonders die Berliner waren nicht entzückt,
als man ihnen den Strom abstellte,
und sich zur Dunkelheit auch noch die Kälte gesellte.
Da möchte man gar nicht mehr die Nachrichten sehen.
Wer kann denn noch diese Gegenwart verstehen?
Da schaue auch ich lieber in die Vergangenheit zurück
und suche in meinen Erinnerungen das Glück.
Schön war die Zeit, als Düsseldorf war schuldenfrei,
als die Fortuna spielte nicht in Liga Zwei.
Schlittschuh konnte man im Winter draußen laufen
und sich für eine D-Mark drei Eiskugeln kaufen!
Deshalb kann ich mich gut in die Israeliten hineinversetzen,
als sie nach dem Schilfmeer durch die Wüste hetzen
und sie auf einmal die Sehnsucht übermannt
nach dem alten Sklavenhaus Ägyptenland.
„So schlimm war es damals doch gar nicht dort.
Wenigstens gab es etwas zu essen an diesem Ort!
Besser unfrei und ein armer Knecht,
als vogelfrei und vor Hunger geschwächt!“
Ihrem Befreier wollten die Israeliten an den Kragen.
„Mose, wie konntest du es denn nur wagen
uns aus der Sicherheit zu führen?
Ach, wären wir doch wieder hinter Gefängnistüren!“
Wisst ihr, wie man diese Denke nennt?
Die sich nach der Vergangenheit sehnt und darüber die Gegenwart verpennt?
Der Name dieser Einstellung ist Nostalgie.
Warum sie so verbreitet ist? Nun, hier kommt meine Theorie:
Die Erinnerung des Menschen ist manchmal wie ein Sieb.
Was schön war und was gut war und was lieb,
das bleibt drinhängen und das prägt sich uns ein.
An das Schlechte und das Schwierige erinnert sich oft kein Schwein.
Das Negative sickert durch, das Unschöne wird verdrängt,
Denn im Oberstübchen ist es oft ziemlich beengt.
So färbt sich die Vergangenheit rosarot,
Was dazu nicht passt, bekommt Aufenthaltsverbot.
Auch die Israeliten litten unter diesem Gedächtnisverlust.
Denn in der Wüste gab es ja nicht nur Frust.
Gott schenkte ihnen Manna und auch Wachteln.
An jedem Tag hatten sie da etwas zu spachteln!
Doch gottvergessen wie sie waren,
sehnten sie sich nach bleibenden Waren.
Das tägliche, himmlische Gottesbrot
war nur der Stopfen in der Not.
Doch will ich nicht nur auf den alten Israeliten herumhacken.
Wir heutzutage haben doch auch unsere Macken!
Kollegin Heimann sprach schon den Wohlstand an.
Und ich nehme jetzt unsere Kirche dran.
Denn auch in der Gemeinde Jesu, unseres Herrn,
da hat man die Nostalgie gar schrecklich gern.
Da sehnt man sich auch nach der guten alten Zeit zurück
und verliert dabei das Positive der Gegenwart aus dem Blick.
Ein Beispiel gefällig? Gerne, kommt sofort:
Ich denke hier an diesen Ort:
„Was sind die Gotteshäuser heutzutage leer!“
Sehr oft höre ich diese alte Mär!
Dabei sind die Kirchen oft gut besucht,
wenn man mal etwas Neues versucht.
Und außerdem ist dieses Lamentieren ein alter Hut.
Schon im 18. Jahrhundert kannte man dieses Jammern gut!
Im Gesangbuch findet sich von 1711 ein Lied.
Wisst ihr, was damals ein Pastor schrieb?
„Man höret immer Deine Klage, dass Dein Haus nicht will werden voll.“
Früher war also nicht alles besser. Manche Probleme sind richtig oll!
Ganz in diesem Sinne hat Guido Mingels ein Buch geschrieben,
um das Hier und Heute mehr zu lieben.
„Früher war alles schlechter“ ist der Titel von seinem Band.
Damit die Nostalgie hält endlich mal den Rand!
Mingels erzählt da ganz faktenbasiert,
worin die Gegenwart über die Vergangenheit triumphiert.
Zum Beispiel beim Thema Kindersterblichkeit.
Viel verbreiteter war früher dieses Leid.
Und das Leben der Kinder war früher auch kein Zuckerschlecken.
Kinderarbeit und Analphabetismus in Deutschland an allen Ecken.
In solche Zeiten träumt sich wohl niemand zurück.
Heute zu leben ist manchmal ein Glück.
Und das ist auch in der Kirche so.
Über manche Veränderungen bin ich richtig froh!
Denken wir nur an den Bund fürs Leben!
Früher hat es da viele konfessionelle Probleme gegeben!
Wenn sie war katholisch und er Protestant,
wurde man manchmal dafür fast verbannt!
Zum Glück herrscht bei diesen Unterschieden
heutzutage meistens Frieden.
Dass früher nicht alles besser war,
mache man sich an der Ökumene klar.
In ganz vielen Seelsorgebereichen
kann man uns nur noch ökumenisch erreichen!
Am Telefon oder in der Notfallsituation:
Wen interessiert die Konfession da schon?
Noch viel mehr können die Kirchen da zusammenwachsen
und aufhören mit den trennenden Faxen!
Auf diesem Weg ist ein richtig guter Schritt,
der Rosemontagszug. Bei dem machen nicht nur die Kirchen mit!
Viele Religionen sind beim Toleranzwagen an Bord!
Nicht alle praisen unseren Lord.
Hauptsache sie stehen für die gemeinsamen Sachen ein:
Tolerant sein und Kamelle werfen. So muss es sein!
Der Toleranzwagen tut es allen kund:
Ejal wat kütt – Mer bliewe bunt!
Ejal, ob der Putin will unseren Wagenbauer verklagen,
Niemand geht unserer Meinungsfreiheit an den Kragen!
Ejal, ob die Rechten sehnen sich nach Remigration.
Dass da nichts Gutes rauskommt, lehrt uns die Geschichte schon.
Einander lieben und nicht hassen.
Niemanden verteufeln, Vorurteile lassen.
Klarer als Jesus kann man es nicht sagen.
In eine gute Zukunft fahren wir auf seinem Wagen.
Bei Jesus sind alle Menschen willkommen,
die frechen und die superfrommen,
egal ob Mann oder Trans oder Frau,
egal ob du Alaaf schreist oder Helau!
Jesus liebt seine Gemeinde bunt.
So halte ich nun meinen Mund.
Und sage zum Ende nur noch ein Wort:
Natürlich „Amen“, immer passend an diesem Ort.
Wobei an Karneval wäre es auch ganz schlau,
am Ende gemeinsam zu rufen: Kaiserswerth: Helau!
Mutterhauskirche Helau!
Düsseldorf Helau!
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letzt.S.n.Epiphanias, 01.02.2026, Offb 1, 9-18, Tersteegenkirche, Doerthe Brandner
Bange machen gilt nicht!
Sicher kennen Sie diesen Ausspruch, liebe Gemeinde.
Er stammt von dem Philosophen Theodor W. Adorno, dem aufgrund seiner halbjüdischen Abstammung 1933 von den Nazis die Lehrerlaubnis in Frankfurt entzogen wurde. Nach seiner Rückkehr aus seinem US-amerikanischen Exil nach Deutschland beeinflussten seine Gedanken seit der Nachkriegszeit bis in die Zeit der Studierendenrevolten Ende der 60er Jahre sowohl die wissenschaftliche Philosophie wie auch die lebensnahe und alltagstaugliche philosophische Sicht auf das Leben wesentlich. Und so sagt er:
Bange machen gilt nicht!
Wer das sagt, ruft all den Angstmachern der Zeit zu:
Unfair seid ihr!
Lasst das sein!
Wir lassen uns von euch nicht einschüchtern!
Nein, bange machen gilt nicht!
Bange machen ist kein angemessenes Instrument – weder für alles Zwischenmenschliche noch für das Handeln und Agieren auf den großen Bühnen der Welt in Politik und Wirtschaft.
Mark Carney, der kanadische Premierminister, hat dazu in seiner Rede in Davos klare Worte gefunden und viel Achtung dafür erfahren.
Wie wichtig sind doch Menschen, die sich nicht Bange machen lassen!
Damals z. Zt. des Nationalsozialismus.
Damals in der Zeit der noch jungen Bundesrepublik.
Damals zu jedem Damals unserer Zeit- und Weltgeschichte.
Und heute!
Immer – und eben auch heute – gibt es so viel, das Bange macht, Angst weckt, Furcht schürt… und so viele, die das Bangemachen als Instrument ihres politischen Handelns nutzen…
Da gibt es die prominenten Namen des aktuellen Weltgeschehens in Ost und West, Nord und Süd:
- Das Bangemachen wird geübt durch gewaltsam agierende Behörden wie der größten Polizei- und Zollbehörde des Ministeriums für Innere Sicherheit in den USA – ICE;
- Es wird praktiziert durch spektakuläre Prozesse wie den gegen den Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jacques Tilly in Russland;
- Es wird auf die Spitze getrieben in willkürlichem Morden von Demonstrierenden und darauf folgenden Repressalien den Angehörigen der Ermordeten gegenüber, die die Körper ihrer Lieben einfach nur in Würde bestatten wollen im Iran.
Und das sind nur 3 im Moment prominente Beispiele für das Bangemachen, das gerade in unserer Welt herrscht.
Da gibt es auch das Bangemachen bei uns durch eine unsensible oder sogar bewusst eingesetzte Sprache:
- Flüchtlingsschwemme z. Bsp. – als ob Menschen eine Schwemme sein könnten
- „Migrationsproblem“ als wäre die Tatsache, dass Menschen aus welcher Not auch immer die Verursachenden für unsere Probleme seien und nicht das Problem darin besteht, dass Menschen überhaupt ihre Heimat verlassen müssen
- Oder eine Rede wie die vom „Stadtbild“, die nicht dazu beiträgt, dass die gesellschaftliche Situation differenziert wahrgenommen wird.
Bange machen ist ein gesellschaftlich-politisches Instrument geworden – von den einen bewusst und gezielt eingesetzt, von anderen unreflektiert daher gesagt oder nachgeplappert.
Und – auch ohne ein besonderes historisches Wissen zu haben – vermute ich, dass bange machen schon immer ein bevorzugtes Instrument von Machthabenden war.
Zumindest scheint dem Autor des Predigttextes von heute ebenfalls ordentlich Bange gewesen zu sein.
In der südlichen Ägäis, auf der griechische Insel Patmos treffen wir diesen Schreiber, den wir als Johannes den Seher durch das letzte Buch unserer Bibel, der Offenbarung – oder Apokalypse, wie es mit dem griechischen Namen heißt, kennen, liebe Schwestern und Brüder.
Weder treffen wir ihn durch ein idyllisches Fischerdörfchen spazierend, noch mit einem kühlen Getränk am Traumstrand liegend, sondern offenbar ist er dort gestrandet – vielleicht sogar unfreiwillig dort.
- Denn wirklich gut scheint es ihm nicht zu gehen.
Ich, Johannes, euer Bruder in der Bedrängnis, schreibe euch. – So stellt er sich seinen Leserinnen und Lesern vor.
Bedrängnis, das ist irgendwie ein zahmer Ausdruck für seine – wahrscheinliche – Situation der Verfolgung um seines Glaubens Willen mit drohender Todesstrafe für ihn und für alle, deren Namen und Orte er Gefahr läuft, unter der Folter zu verraten.
Ja, Johannes ist wohl mächtig bange um seinen eigenen Leib und sein Leben. Und er ist bange um den Zustand seiner Welt. 150 n. Chr. war das römische Reich auf einem seiner Höhepunkte der Macht und Größe und drohte zu kippen. Die politische Reaktion war Demonstration von Macht und Säbelrasseln nach außen und Verstärkung der Restriktionen nach innen.
Und das kommt mir doch sehr bekannt vor, denke ich an die Personen, die ich eben erwähnt habe und an die Schlagzeilen, die wir täglich lesen.
Johannes also auf der kleinen Insel Patmos, setzt sich hin und schreibt an die sieben Gemeinden, mit denen die ganze damalige christliche Welt beschrieben ist.
Und wir heute hier in Tersteegen hören seine Worte. Wir heute hier in Tersteegen, die wir ein Teil der heutigen christlichen Welt sind.
Und was er schreibt – bzw. besser WOVON er schreibt, hat selber wieder die Qualität, einem wirklich Bange zu machen. Es ist eine Gottesbegegnung der ganz anderen Art – eine, die wohl niemand von uns selber gerne haben würde.
Hören wir also, was Johannes, der letzte Prophet von dem unsere Bibel berichtet, in Offb 1, 9-18 schreibt:
9 Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse
an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus,
war auf der Insel, die Patmos heißt,
um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen.
10 Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn
und hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune,
11 die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch
und sende es an die sieben Gemeinden:
nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira
und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea.
12 Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete.
Und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter
13 und mitten unter den Leuchtern einen, der war einem Menschensohn gleich, der war angetan mit einem langen Gewand
und gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel.
14 Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle,
wie Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme
15 und seine Füße gleich Golderz, wie im Ofen durch Feuer gehärtet,
und seine Stimme wie großes Wasserrauschen;
16 und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand,
und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert,
und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht.
17 Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot;
und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach:
Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte
18 und der Lebendige. Ich war tot, und siehe,
*ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit
und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.
- Er, Johannes, unser Bruder und Mitgenosse in der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus (…)
Schreibt und nimmt uns schreibend mit hinein in die Begegnung einer angsteinflößenden Gestalt.
Wie die Mächtigen seiner Zeit – die, die die übrigen Menschen in Furcht und Schrecken versetzen, ist diese Gestalt gekleidet:
Ihr langer Mantel, der über der Brust gegürtet ist, erinnert an die Kleidung von Hohenpriestern und Herrschern.
Menschen-ähnlich ist sie. Und zugleich trägt sie die göttlichen Zeichen, die lange vor ihr auch andere Propheten wie der Prophet Daniel gesehen haben:
Blendendes Licht um die Gestalt herum, wie Feuerflammen sind die Augen, ihre Füße wie strahlendes Golderz… und in der Hand hält dieser Menschen-Ähnliche sieben Sterne.
Alle Macht des Himmels und der Erde und der Unterwelt sind dieser Gestalt in den Leib geschrieben. ALLES liegt innerhalb seines Machtbereichs. Das zwei-schneidige Schwert, das aus dem Mund dieser Gestalt herauskommt, symbolisiert das unanfechtbare Machtwort und Gericht. Es lässt begreifen, dass, wer dieser Gestalt – wer Gott in dieser Gestalt – begegnet, nichts mehr wird verbergen können und seinem Urteil – ebenso gnadenlos ausgeliefert ist, wie es damals Johannes den Mächtigen war und wie es heute viele in etlichen Ländern ebenso sind.
Schaue ich aber von Ferne auf diese Gotteserscheinung – so, als ginge sie mich PERSÖNLICH gar nichts an, ertappe ich mich bei dem Gedanken:
Ja, so einen Gott bräuchten wir!
Gott als einen, der all den furchtbaren Herrschern unserer Welt im Osten, im Westen an allen Orten mit demselben Machtgebaren gegenübertritt, mit der sie versuchen die ihnen anvertrauten Menschen klein und untertänig zu halten.
So ein Gott würde ihnen mit ihren eigenen Mitteln ordentlich Bange machen – einfach, weil er der Stärkere ist.
Ehrlich, liebe Schwestern und Brüder – manchmal, manchmal fände ich das einfach nur gut!
Allen anderen aber – denen, die in Bedrängnis sind – wie Johannes der Seher es ausdrückt – allen anderen soll Gott aber doch bitte BITTE! als der sanfte Heiler Jesus begegnen, als die tröstende Mutter, der barmherzige Vater… Und uns – für uns – soll er doch bitte auch der „liebe Gott“ sein, der „gute Gott“, wie er so häufig in gottesdienstlichen Gebeten genannt wird – der uns wie eine Adlermutter auf ihren Schwingen trägt.
Schön wär’s!
Nehme ich diesen Predigttext für heute aber ernst, dann sehe ich keine andere Möglichkeit, als dieser furchteinflößenden Gotteserscheinung wie Johannes wirklich zu begegnen…
Und Gott wie Johannes zu sehen – oder doch wenigstens den Gedanken an Gott zuzulassen als an einen, der einem – wiederum wie Johannes – mächtig Bange machen kann.
Und Johannes, dem sowieso schon angst war, ist nicht der erste und nicht der Einzige, der Gott in seiner Größe und Macht erfährt. Erst vorhin haben wir in der Lesung von Mose am brennenden Dornbusch gehört, der sein Gesicht verhüllt, weil er sich fürchtet, Gott anzuschauen.
In unserem Predigttext fällt Johannes wie tot zu Boden.
Begegnung mit Gott, die größer ist als eine Erfahrung der Gottesnähe, die wohltuend ist – auch die gibt es und das ist gut so! – Begegnung mit der Unfassbarkeit Gottes bedeutet also wohl immer Erschrecken,
wirft in eine tiefgreifende Erschütterung
und führt in die durchaus Bange machende Erkenntnis,
dass Gott so viel mehr ist als Güte und Gnade – so großartig diese auch sind – und dass Gott un-be-greifbar ist,
mysteriös,
nicht einpassbar in keines unserer Gottesbilder und -vorstellungen,
sondern ein Geheimnis, das es immer wieder neu zu suchen und sich ihm anzunähern gilt:
Deshalb ist der Name, mit dem Gott sich Mose zeigt, kein: So bin ich! sondern ein schwebendes, sich immer wieder neu entfaltendes: Ich werde dasein, als der ich dasein werde.
Als der ich dasein werde… – für Johannes, der ja schon wie tot am Boden liegt, in Schreckstarre vor dieser un-sagbaren Gestalt kommt es noch schlimmer.
Denn diese Bange machende und Angst einflößende Gestalt kommt noch näher.
Handgreiflich wird sie.
Die Hand legt diese machvolle Gottheit auf Johannes.
Und Bilder aus Fantasiefilmen steigen in mir auf: Bilder, wie ein Mensch durch die Berührung eines fremden Machtwesens in den Bann dieses Wesens gezogen wird, das eigene Selbst verliert… – oder gleich ganz und gar getötet wird. Die Dementoren bei Harry Potter sind z. Bsp. solche Wesen.
Doch hier – in der Berührung des Menschen-Ähnlichen und zugleich so erschreckenden Herrschers fallen plötzlich Gottes erschreckend-erschütternde All-Macht und seine unbedingte Nähe und Gott-Verbundenheit mit dem Menschen in eins.
Und in der Berührung öffnet sich für Johannes das Erkennen:
In dem Unbegreiflichen zu Tode Erschreckenden wird der auferstandene Christus spürbar, der bis zu seinem Tod alle Menschenwege gegangen ist, die ein Mensch nur gehen kann. Darin ist der unbegreifliche Gott uns, seinen Menschen, nah gekommen.
Liebe Schwestern und Brüder,
haben Sie schon einmal erlebt, dass Ihnen jemand bei Sprechen unwillkürlich die Hand auf den Arm legte? – Oder haben Sie diese Geste selber schon einmal – vielleicht ebenfalls unwillkürlich gemacht, als Sie jemanden etwas besonders Wichtiges mitteilen wollten?
Kennen Sie es, dass Ihnen schon mal jemand die Hand in den Rücken gelegt hat – zwischen die Schulterblätter vielleicht – und Sie gespürt haben, wie Ihre Steh-Kraft stabiler wurde?
Können Sie sich vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn jemand behutsam seine Hand auf Ihre Brust oder Ihren Bauch legt – manchmal macht man diese Geste auch bei sich selber – und die Berührung lässt Sie Ihren Atem wieder spüren und öffnet Sie wieder für die Lebenskraft?
– So, irgendwie, stelle ich mir die Geste dieser Gotteserscheinung vor, sodass aus der Bange machende Gestalt einer wird, den man hören kann – nicht wie mit einer Stimme wie Posaunenklang, von der Johannes zuerst schreibt, sondern als Menschenstimme in Gottes Stimme, die sagt:
Fürchte dich nicht!
Kein Bangemachen von irgendwem oder irgendetwas gilt mehr.
Bange machen gilt nicht mehr!
Das kann nur einer sagen, der selber weiß, wie sich Angst anfühlt und der durch die Angst hindurch gegangen ist
Denn ich war tot und siehe ich bin lebendig
und der deshalb WEISS: Es gibt etwas, das jede Angst umfasst und übersteigt.
Und dieses „Etwas“ – ich nenne es TROTZKRAFT und HOFFNUNG – umfasst Anfang und Ende und alles dazwischen auch. Es umfasst Leben und Tod.
Ich halte die Schlüssel des Todes und aller Unterwelten
und Abgründe der Welt in meiner Hand.
- Das sagt die Christusgestalt
Und das gilt IMMER – Jetzt und jedes Jetzt und ohne Ende.
Und ich erhasche – mit Johannes – ein Verstehen:
Gott in Christus ist so viel mehr als der liberale, manchmal regelrecht weichgespülte Jesus unserer Predigten. Er ist so macht- und kraftvoll, dass es uns vor Erschrecken zu Boden gehen lassen kann.
UND er ist darin nicht grausig, wie es das Bild dieser Vision Schreck-hervorrufend malt.
Seine Macht ist die des Herrn über Leben und Tod – nicht mehr und nicht weniger. Denn er selber hat Leben und Tod so durchlebt und durchlitten, dass wir – jeder Mensch – darin wir mit unserem Leben und Tod umfasst sind.
In diesem Mensch-Gott Christus vereinen sich die ganze Schönheit, die vollkommene Zartheit, Sanftheit und Liebe und die tiefe Weltendunkelheit und die ganze Abgründigkeit unseres menschlichen Daseins. – Der Lebens- Sterbens- und Auferstehungsweg Jesu zeugt davon.
Und wenn wir in besonderen, seltenen Momenten unseres Glaubens davon etwas erkennen, erschreckt es uns und erschüttert uns tief.
Und zugleich öffnet es unser Verstehen, dass das von diesem Christus gesprochene: Fürchte dich nicht! nicht nur Zuspruch und Trost ist, der die Angst besänftigt, sondern vor allem Zuspruch der Kraft, die nötig ist, um den Mächten und Mächtigen unserer Tage zu trotzen.
Denn durch Mose am Dornbusch und mit Johannes, dem Seher wissen wir ja, dass Gott in all seiner Unverfügbarkeit für uns doch IMMER da ist– und sich in jedem Augenblick als der erweist, der er ist.
Und er gibt uns, was wir benötigen nicht im Voraus – vorhin haben wir das gemeinsam mit dem Glaubensbekenntnis von D. Bonhoeffer bekannt – sondern immer dann, wenn wir es brauchen –
Damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.
Mit der Kraft dieses Gottes, der der: Immer-da und immer wieder neu und nie gleich ist, müsste all unsere Angst vor der Zukunft überwunden sein.
Manchmal, liebe Gemeinde,
macht uns das Weltgeschehen Angst.
Und manche Sorge über den guten Ausgang unserer Welt ist berechtigt.
Doch sich deshalb Bange machen zu lassen, gilt dennoch nicht.
Denn wir gehen durch unsere Zeit mit dem großen Gotteszuruf: Fürchte dich nicht.
Mit ihm begegnen wir unserer Zeit mit der Trotzkraft Hoffnung.
Denn der, der unsere Zeit ins Sein rief, der hält sie umfasst und der vollendet sie auch – bis uns wie dem Seher Johannes nach seinem langen Weg durch die erschreckenden Visionen von dieser Welt dieses Welt-Sehen vergeht, weil wir erneut hören, wie Gott spricht und er sagt: Siehe ich mache alles neu.
Und so, liebe Schwestern und Brüder,
sehe ich unsere vordringliche Aufgabe als Christenmenschen heute darin, im Glauben an das Neue, das als Gottes Reich schon da und mitten unter uns ist,
uns nicht Bange machen zu lassen, sondern uns allen angstverbreitenden Mächtigen und angsteinflößenden Erfahrungen dieser Welt mit dem Trotz der Hoffnung, die in Gott gegründet ist, in Wort und Tat entgegen zu stellen.
Dazu lasst uns von Gott berühren!
Amen
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