12.S.n.Tr., 23.08.2026, „Gott – Glaube – Geld...", Mutterhauskirche, Ulrike Heimann
„Gott – Glaube – Geld : wie geht das zusammen?“
Predigt-Meditation 1
Das ist so eine Sache mit dem lieben Geld; auch wenn es das Sprichwort gibt, dass Geld nicht glücklich macht, so gibt es doch kaum einen Menschen, der nicht glücklich wäre, wenn er mehr Geld hätte, als er hat. Ob er dann glücklicher wäre als vorher, das ist die Frage, aber das Streben nach Geld, nach Reichtum, nach Wohlstand, das ist in fast allen Gesellschaften tief verwurzelt. So tief, dass wir uns im Bemühen darum schon gar nicht mehr fragen, ob das denn normal ist, ob es dem menschlichen Wesen angemessen ist. Manchmal hilft ein Blick von außen, um sich heilsam verunsichern zu lassen. Hören wir darum Worte des Häuptlings Tuiavii aus Tiavea, einem Dorf auf einer der Inseln des Samoa-Archipels in der Südsee. Er schrieb sie um 1900 für seine polynesischen Landsleute auf, nachdem er als Missionsschulzögling die Gelegenheit erhalten hatte, mit einer Völkerschaugruppe Europa zu bereisen. Was er erlebte und sah, versetzte ihn ein um das andere Mal in kopfschüttelndes Staunen.
Lesung: Vom runden Metall und schweren Papier
Vernunftvolle Brüder, horcht gläubig auf und seid glücklich, dass ihr das Arge nicht kennt und die Schrecken des Weißen. – Ihr alle könnt mir bezeugen, dass der Missionar sagt, Gott sei die Liebe. Ein rechter Christ täte gut, sich immer das Bild der Liebe vor Augen zu halten. Dem großen Gott allein gälte darum auch die Anbetung des Weißen. Er hat uns belogen …Denn das runde Metall und das schwere Papier, das sie Geld nennen, das ist die wahre Gottheit der Weißen. Sprich einem Europäer vom Gott der Liebe – er verzieht sein Gesicht und lächelt. Lächelt über die Einfalt deines Denkens. Reich ihm aber ein blankes, rundes Stück Metall oder ein großes, schweres Papier – sogleich leuchten seine Augen … Geld ist seine Liebe, Geld ist seine Gottheit. … Das Geld allein ist der wahre Gott des Papalagi, so dies Gott ist, was wir am höchsten verehren.
Es ist dir aber auch in den Ländern des Weißen nicht möglich, auch nur einmal von Sonnenaufgang bis -untergang ohne Geld zu sein. Du würdest deinen Hunger und Durst nicht stillen können, du würdest keine Matte finden zur Nacht. Du musst zahlen, das heißt Geld hingeben, für den Boden, auf dem du wandelst, für den Platz, auf dem deine Hütte steht, für deine Matte zur Nacht, für das Licht, das deine Hütte erhellt. … Selbst für deine Geburt musst du zahlen, dass du gestorben bist, auch dafür, dass man deinen Leib in die Erde gibt. Ich habe nur eines gefunden, für das in Europa noch kein Geld erhoben wird, das jeder betätigen kann, soviel er will: das Luftnehmen. Doch ich möchte glauben, dass dies nur vergessen ist …. Es gibt viele Weiße, die häufen das Geld auf, welches andere für sie gemacht haben, bringen es an einen Ort, der gut behütet ist, bringen immer mehr dahin, bis sie eines Tages auch keine Arbeiter mehr für sich brauchen, denn nun arbeitet das Geld selbst für sie. Wie dies möglich ist ohne eine wilde Zauberei, habe ich nie ganz erfahren, aber es ist in Wahrheit so, dass das Geld immer mehr wird, wie Blätter an einem Baum, und dass der Mann reicher wird, selbst wenn er schläft. Wenn nun einer viel Geld hat, viel mehr als die meisten Menschen, soviel, dass hundert, ja tausend Menschen sich ihre Arbeit damit leicht machen könnten – er gibt ihnen nichts: er legt seine Hände um das runde Metall und setzt sich auf das schwere Papier mit Gier und Wollust in seinen Augen. Und wenn du ihn fragst: „Was willst du mit deinem vielen Geld machen? Du kannst hier auf Erden doch nicht viel mehr als dich kleiden, deinen Hunger und Durst stillen?“ – so weiß er dir nichts zu antworten, oder er sagt: „Ich will noch mehr Geld machen. Immer mehr. Und noch mehr.“ Und du erkennst bald, dass das Geld ihn krank gemacht hat. Er ist krank und besessen, weil er seine Seele an das runde Metall und schwere Papier hängt und nie genug haben und nicht aufhören kann, möglichst vieles an sich zu reißen. Er kann nicht so denken: Ich will ohne Beschwerde und Unrecht aus der Welt gehen, wie ich hineingekommen bin; denn der große Geist hat mich auch ohne das runde Metall und schwere Papier auf die Erde geschickt. Daran denken die wenigsten. Die meisten bleiben in ihrer Krankheit, werden nie mehr gesund im Herzen und freuen sich der Macht, die ihnen das viele Geld gibt.
Orgelspiel
Predigt-Meditation 2
Ja, Geld ist nicht nur einfach Geld. Es kann krank machen, es kann töten, es verleiht Macht und Einfluss. Und deshalb muss man darüber sprechen.
Wie ist das mit dem Geld? Seit wann gibt es überhaupt Geld? Und wie spricht die Bibel über Geld und Reichtum?
Die längste Zeit hat der Homo Sapiens ohne Geld auf dieser Erde gelebt und es auch nicht vermisst. Er lebte als Sammler und Jäger in überschaubaren Gruppen und jeder Mann und jede Frau trug zum Leben der Gemeinschaft bei mit den Gaben und Fähigkeiten, die sie jeweils hatten, die ihnen von Gott als „Vermögen“ auf den Weg ins Leben mitgegeben worden waren. Eigentlich galt einige Jahrhunderttausende lang das, was Lukas in der Apostelgeschichte von der Urgemeinde in Jerusalem geschrieben hat: „Sie lebten in enger Gemeinschaft, hielten zusammen und verfügten gemeinsam über ihren Besitz; alles, was sie hatten – an Nahrung, an Kleidung, an Kenntnissen, die sie sich angeeignet hatten – verteilten sie so, dass jeder und jede hatte, was sie brauchte.“ (in Anlehnung an Apg.2,42-45) Nur so konnten sie als Spezies überleben.
Doch dann wurde Homo Sapiens Sapiens sesshaft; diese Entwicklung dauerte etwa 4000 Jahre. In dem Zeitraum von ca. 16.000 – 12.000 v.Chr. lernte der Mensch, Getreide anzubauen, domestizierte Schaf, Ziege und Rind und machte entsprechende Erfindungen von Werkzeugen, die ihm das Leben leichter machten. Er verstand sich immer mehr als Individuum, wollte frei und unabhängig sein. Sicherheit fand er in festen Häusern, nicht mehr in der Gemeinschaft mit anderen. Der andere wurde ihm zum Konkurrenten. Die Worte „WIR“ und „UNSER“ verloren ihren Wert; „ICH“ und „MEIN“ traten an ihre Stelle. Die Bibel erzählt uns im 4. Kapitel des 1. Buch Mose eine Geschichte, die ziemlich gut zusammenfasst, was in diesen Jahren der Sesshaftwerdung des Menschen geschah: die Geschichte von Kain und Abel, in der der Neid von Kain Besitz ergriff, der Neid auf Abel, der offensichtlich mehr mit Erfolg und Glück gesegnet war in seinem Tun als Viehzüchter und Hirte als er, der offenbar als Bauer eine Missernte zu verkraften hatte. In früheren, paradiesischen Zeiten kein Problem, denn da teilten alle Erfolg und Misserfolg. Doch nun, im Zeichen des Fortschritts, ist jeder seines Glückes oder Unglückes Schmied.
Ja, die Bibel weiß darum, dass es an Gottes Segen liegt, wenn die Erde ihren Ertrag gibt, wenn das Vieh von Seuchen verschont bleibt. Der Mensch der Bibel weiß, dass er ein Geschöpf ist, das geboren wird und vergänglich ist, nicht nur stark, sondern auch schwach, angewiesen auf andere.
Aber die Bibel erzählt eben auch, dass er mit diesem Status nicht zufrieden ist. Der Mensch will größer sein als er ist. Er will bedeutender, mächtiger sein als sein Nachbar: aus der egalitären Struktur der früheren Sammler- und Jäger- Gesellschaften entwickelten sich hierarchische Strukturen auf allen Ebenen – in der Familie, in der Sippe, im Volk - mit Oberhäuptern, Patriarchen und Königen. Mag der Ursprung der Bedeutsamkeit und des Ansehens einer Person – fast ausschließlich männlicher Personen – ab und zu in der Frühzeit auch in einer echten Leistung gefußt haben, die sie zum Wohl der Gemeinschaft erbracht hatten – z.B. die Rettung aus großer Gefahr – sehr bald begründete sie sich aber in Reichtum, im Besitz an Land und Vieh, an menschlicher Arbeitskraft/Sklaven und an Kostbarkeiten – vor allen Dingen an Gold und Silber. Mit Silber und Gold, zu Münzen geprägt, beherrschten die Mächtigen den Handel und das wirtschaftliche Leben der Menschen.
In der Tat: Geld regiert schon sehr lange die Welt.
Diesem geschichtlichen Sog waren auch die Israeliten ausgesetzt. Auch sie ließen sich vom „Fortschritt“ blenden, wollten unbedingt einen König haben wie alle anderen Völker, wollten oben mitmischen. Warnende Stimmen gab es, die im Namen Gottes auftraten – wie den Propheten Samuel. Aber der Sog war so stark, dass Gott kapitulierte, so können wir es im 1. Buch Samuel 8 lesen.
Mit der Absetzung Gottes als König über sein Volk, mit der Abwendung von dem, was Gottes Königtum ausgezeichnet hat, nämlich die Akzeptanz der Gleichwertigkeit aller und den Wertmaßstab der Gemeinschaftsgerechtigkeit, die Leben für alle im Sinn hat, damit begann keine goldene Zeit, sondern nahmen Ungerechtigkeit und Willkür die Menschen in den Würgegriff.
Die Schriftpropheten sind voll von Klagen über diese Entwicklungen. Korruption und Gier verbreiten sich auf allen Ebenen – nicht nur bei denen ganz oben, sondern bis nach unten.
Dazu ein Text aus Amos 8,4-7:
4 Hört her, die ihr auf dem Armen herumtrampelt!
Die Bedürftigen im Land, die wollt ihr ruinieren!
5 Ihr sagt: »Wann ist der Neumondtag vorbei?
Dann können wir wieder Getreide verkaufen.
Wann ist der Sabbat endlich vorüber?
Dann wollen wir unsere Kornsäcke öffnen.
Beim Verkauf geben wir weniger Getreide her
und verlangen einen höheren Preis dafür.
Beim Abwiegen verwenden wir falsche Gewichte.
6 Auch den Abfall des Getreides verkaufen wir noch!«
Für Geld kauft ihr den Hilflosen als Arbeitskraft
und den Armen zum Preis von einem Paar Schuhe.
7 Doch der HERR hat bei sich geschworen:
Niemals werde ich vergessen, was sie getan haben!
Orgelspiel
Predigt-Meditation 3
Selbst wenn wir annehmen, dass Geld vor langer Zeit einmal als Tauschmittel erfunden wurde, da es einfach besser, weil leichter zu transportieren war als Getreidesäcke, Nutztiere, Holz und Mineralien, und so den Warenaustausch über große Entfernungen möglich machte, so wurde aus dem bloßen Mittel schnell ein Zweck: das Geld an sich wurde begehrenswert. Und ist es bis heute geblieben – egal ob im Strumpf unter der Matratze, im Safe als Bargeld oder als Goldbarren, auf dem Konto in der Bank, als Aktie im Depot oder ganz neu als Kryptogeld in einer Cloud.
Mit Gold und Geld Hand in Hand kam die Gier, ein Virus, der die Menschheit scheinbar fest im Griff hat. Und der nicht nur die leiden lässt, die viel haben, sondern noch mehr denen Leiden verschafft, denen das Nötigste fehlt. Und mittlerweile wird die ganze Erde dadurch in Mitleidenschaft gezogen.
Es geht tatsächlich um die Wahl: Haben oder Sein.
In den weisheitlichen Schriften der hebräischen Bibel finden sich viele Sprüche, die zeigen, wie wenig sich der Mensch in den letzten 3000 Jahren verändert hat, Sätze wie die folgenden:
Wer das Geld liebt, will mehr davon.
Und wer den Reichtum liebt, bekommt nie genug. (Pred.5,9)
Mit einem Armen will keiner etwas zu tun haben.
Der Reiche aber hat viele Freunde. (Spr.14,20)
Der Reiche hat die Armen in seiner Gewalt. Wer sich Geld leiht, wird zum Sklaven dessen, von dem er es geliehen hat.
(Spr.22,7)
Setz nicht alles daran, reich zu werden!
Oder hast du deinen Verstand aufgegeben? (Spr.23,7)
Aber die „Erfindung“ des Geldes war nicht einfach aus der Welt zu schaffen, das wusste man schon in biblischen Zeiten. Also musste man sich dazu verhalten. Musste man sich auf das Sein besinnen, darauf, was Menschsein bedeutet.
Der Mensch ist ein sterbliches Wesen. Er ist ein Geschöpf, das eine begrenzte Zeit auf dieser Erde lebt und dann davon muss, wie es in der hebräischen Bibel heißt. Er hat sein Leben von Gott, der für ihn ein gutes Leben will in Gemeinschaft mit allen anderen und in der Ausrichtung auf seinen Schöpfer hin. Richtschnur dafür sind die Weisungen Gottes, die ein Zusammenleben der Menschen in Freiheit und Gerechtigkeit im Sinn haben.
Im Buch Tobit, das zu den weisheitlichen Apokryphen der Hebräischen Bibel zählt, gibt es ein gutes Beispiel von solchem Umgang mit Geld. Der alte Vater Tobias ist erblindet und in finanzielle Not geraten. Da erinnert er sich daran, wie er in bessern Jahren einem damals in Not geratenen Freund eine beträchtliche Geldsumme geliehen hat. Er gibt den Schuldschein seinem Sohn Tobias und beauftragt ihn, zu diesem Freund in eine weit entfernte Stadt zu reisen und sich die Leihgabe zurückzuholen. Folgende Ratschläge gibt er seinem Sohn mit auf den Weg:
Lesung
„Alle deine Tage, Kind, gedenke des Herrn!
Vollbringe alle Tage deines Lebens gerechte Taten
und wandle nicht auf den Wegen des Unrechts!
Denn wer die Wahrheit tut,
wird mit seinen Werken zu gutem Erfolg geführt.
Wende dein Angesicht von keinem Armen ab,
dann wird sich Gottes Angesicht nicht von dir abwenden!
Wie es dir möglich ist:
Aus dem Vollen schöpfend – gib davon Almosen!
Wenn dir wenig möglich ist,
fürchte dich nicht, aus dem Wenigen Almosen zu geben!
So sammelst du dir einen guten Schatz für den Tag der Not.
Denn Almosen retten aus dem Tod und lassen nicht in die Finsternis geraten.
Von deinem Brot gib den Hungernden
und von deinen Kleidern den Nackten. (Tobit 4,5-10.16a)
Und in den Sprüchen findet sich folgendes Gebet:
Um zwei Dinge bitte ich dich, mein Gott,
verweigere sie mir nicht, bevor ich sterbe:
Bewahre mein Leben vor Falschheit und Lüge!
Lass mich nicht arm und auch nicht reich werden,
gib mir einfach nur das tägliche Brot!
Sonst besteht die Gefahr, dass ich zu viel habe,
dich verleugne und frage: „Wer ist der HERR?“
Oder es besteht die Gefahr, dass ich zu wenig habe,
stehle und den Namen meines Gottes missbrauche.
(Spr.30,7-9)
Lied EG 494,1-3 „In Gottes Namen fang ich an“
Predigt-Meditation 4
Von Jesus überliefern uns die Evangelien, besonders das Lukasevangelium, eine gegenüber Geld und Besitz sehr kritische Haltung. Er sah, wie sehr der Besitz und die Sorge um ihn, um die Wahrung des Wohlstands die Menschen korrumpierte und von ihnen Besitz ergriff. Er sah, wie schädlich diese Begehrlichkeit nach immer mehr war: schädlich für den, der sich selbst an das Mehr-Haben-Wollen verlor, und schädlich für alle, denen so das Nötigste zum Leben vorenthalten wurde. Das Nie-Genug-Haben der Wenigen, ihre Gier und Selbstbezogenheit führte dazu, dass nicht genug mehr da war für das Leben aller anderen. Hören wir dazu einen Text aus dem Lukasevangelium:
Lesung Lukas 16,19-29
16,19 »Einst lebte ein reicher Mann.
Er trug einen Purpurmantel und Kleider aus feinstem Leinen.
Tag für Tag genoss er das Leben in vollen Zügen.
20 Aber vor dem Tor seines Hauses
lag ein armer Mann, der Lazarus hieß.
Sein Körper war voller Geschwüre.
21 Er wollte seinen Hunger
mit den Resten vom Tisch des Reichen stillen.
Aber es kamen nur die Hunde
und leckten an seinen Geschwüren.
22 Dann starb der arme Mann,
und die Engel trugen ihn in Abrahams Schoß.
Auch der Reiche starb und wurde begraben.
23 Im Totenreich litt er große Qualen.
Als er aufblickte, sah er in weiter Ferne Abraham
und Lazarus an seiner Seite.
24 Da schrie er: ›Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir!
Bitte schick Lazarus,
damit er seine Fingerspitze ins Wasser taucht
und meine Zunge kühlt.
Ich leide schrecklich in diesem Feuer!‹
25 Doch Abraham antwortete: ›Kind, erinnere dich:
Du hast deinen Anteil an Gutem schon im Leben bekommen – genauso wie Lazarus seinen Anteil an Schlimmem.
Dafür findet er jetzt hier Trost, du aber leidest.
26 Außerdem liegt zwischen uns und euch
ein tiefer Abgrund.
Selbst wenn jemand wollte,
könnte er von hier nicht zu euch hinübergehen.
Genauso kann keiner von dort zu uns herüberkommen.‹
27 Da sagte der Reiche: ›So bitte ich dich, Vater:
Schick Lazarus doch wenigstens zu meiner Familie.
28 Ich habe fünf Brüder. Lazarus soll sie warnen,
damit sie nicht auch an diesen Ort der Qual kommen!‹
29 Aber Abraham antwortete:
›Sie haben doch Mose und die Propheten:
Auf die sollen sie hören!‹
Jesus steht, was seine Haltung zu Geld und Besitz angeht, in der Tradition der Propheten. Das Streben nach Reichtum, das Sich-Verlassen auf Geld und Besitz, das war für Amos, Jeremia, Jesaja und die anderen Propheten Götzendienst. Jesus knüpft da an und spricht vom Geld und Besitz als Mammon, ein Wort aus dem Aramäischen, das nur an zwei Stellen - im Lukasevangelium (16,13) und im Matthäusevangelium (6,24) - in der Griechischen Bibel vorkommt und es bis in unsere Sprache hineingeschafft hat. Mammon, der Götze Geld.
Lk.16,13
Kein Diener kann gleichzeitig zwei Herren dienen!
Entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben.
Oder er wird dem einen treu sein und den anderen verachten.
Ihr könnt nicht gleichzeitig Gott und dem Mammon dienen.
Für Jesus ist klar: wessen Leben sich um Geld, um wirtschaftlichen Erfolg dreht, der hat die Verbindung zu Gott als seinem Schöpfer und Ratgeber verloren; es gibt hier kein sowohl als auch: am Sonntag Vormittag und wenn es einem schlecht geht, dann ist Gott im Fokus, ansonsten aber, wenn man im Geschäft ist, wenn man seinen eigenen Interessen folgt, dann muss es doch erlaubt sein, das Beste für sich herauszuholen.
Nein, sagt Jesus da, denn du lebst nicht allein auf der Welt, sondern da leben noch deine Schwestern und Brüder, alle Kinder des einen Vaters im Himmel. Wenn du die aus dem Blick verloren hast – gerade die Armen und Schwachen – dann hast du auch Gott aus dem Blick verloren.
Wie du mit deinem Geld und deinem Besitz umgehst, ist nicht nur eine rein weltliche Angelegenheit, sondern hat auch mit deinem Glauben, mit deinem Gottesbild zu tun.
Auf wen also verlässt du, Mensch, dich?
Wem vertraust du?
Wessen Prägung trägst du - und zeigst du sie mit dem, was du tust und wonach du strebst?
Orgelspiel
Predigt-Meditation 5
„Pecunia non olet.“ – Geld stinkt nicht.
Im antiken Rom wurde Urin als Rohstoff für die Ledergerbung und Wäschereinigung genutzt. Um die Staatskasse zu füllen, führte Vespasian eine Latrinensteuer auf öffentliche Toiletten ein. Als sein Sohn Titus die Steuer kritisierte, hielt Vespasian ihm das Geld aus den ersten Einnahmen unter die Nase und fragte, ob der Geruch ihn störe. Titus verneinte, woraufhin Vespasian sagte: „Pecunia non olet.“ – Geld stinkt nicht. (Diese Feststellung wird seitdem immer gerne angeführt, wenn darauf verwiesen wird, dass die Herkunft von Geld keine moralische Bewertung zulässt.)
Etwas anders sah es Franz von Assisi, der Mann, der wie kein anderer das Leben in der Nachfolge Jesu ernstgenommen und eingeübt hat, dessen Todestag sich am 3.Oktober zum 800. Mal jährt. Für ihn selbst war klar: er wollte sich ganz und gar nicht mit Geld und Besitz befassen und belasten. Aber er wusste eben auch, dass Geld in der Geschichte nun mal eine Realität war. Er hat uns auch einen Satz zum Thema „Geld“ hinterlassen, der leider längst nicht so bekannt ist wie der Ausspruch von Kaiser Vespasian, der es aber verdient hätte, auf allen Tischvorlagen zu stehen, wenn Investment-Banker und Firmenchefs zu Besprechungen zusammenkommen. Er lautet: „Messet dem Mist und dem Geld denselben Wert zu.“ Ob Franziskus an Vespasians Bonmot gedacht hatte, weiß ich nicht. Auf jeden Fall ging es ihm nicht um die Feststellung, dass Geld wie Mist stinkt. Ihm ging es um den Gebrauch des Geldes.
Ja, Geld mag stinken wie Mist. Und es stinkt um so mehr, je mehr es angehäuft wird. Doch kein Bauer käme auf die Idee, den Misthaufen als Wert an sich zu bewahren. Vielmehr wird es ihm darum gehen, den Mist auf seinen Feldern und Äckern zu verteilen, damit das Land seinen Ertrag bringt. Damit alles wächst und gedeiht. Geld, Vermögen ist dafür da, unter die Leute gebracht zu werden und so für das Wachsen und Gedeihen der Gesellschaften zu sorgen. Das angehäufte, zusammengeraffte Vermögen in den Händen weniger – das stinkt einfach zum Himmel, aber unter die Menschen gebracht kann es den Reichtum an Möglichkeiten aufblühen lassen, die Gott jedem Menschenkind mit auf den Lebensweg gegeben hat.
„Messet dem Mist und dem Geld denselben Wert zu.“
Franz von Assisi knüpfte mit seinem Satz an einen Ratschlag Jesu an, der bis heute nichts von seiner Aktualität verloren hat: „Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon.“
Oder in der Übersetzung der Basisbibel: „Nutzt das Geld, an dem so viel Unrecht haftet, um euch Freunde zu machen.“ (Lk.16,9a)
Freunde, nicht Spießgesellen, um mit ihnen immer mehr Geld zu scheffeln – wie es die Super-, die Überreichen tun, wenn sie sich gegenseitig zu ihren Partys einladen, um gemeinsam nach noch mehr Anlagemöglichkeiten und Steuerschlupflöchern zu suchen. Freunde unter den Menschen, die über kein oder viel zu wenig Geld verfügen, um ihrer Not abzuhelfen. Geben ohne eigennützige Berechnung. Aber im Bewusstsein, damit etwas für das Reich Gottes zu geben.
Gott – Glaube – Geld. Sie haben viel miteinander zu tun.
Solange es einem darauf ankommt, viel Geld zu haben – läuft etwas ziemlich schief.
Gott fragt uns nicht, wieviel Geld wir gemacht haben.
Sondern er fragt uns: Was machst du mit deinem Geld?
Und so gefragt, sollten wir nicht vergessen, worauf es Gott ankommt: Auf Gemeinschaftsgerechtigkeit und Güte.
Darauf, dass ER unsere Wertvorstellungen prägt,
dass wir mit unserem Leben,
auch mit unserem Umgang mit Geld, ihn widerspiegeln.
Lied „Herr, lass deine Wahrheit“ (Mennonitisches Gesangbuch 419)
- Herr, lass deine Wahrheit / uns vor Augen stehn,
lass in deiner Klarheit / Lug und Trug vergehn.
- Gib uns reine Herzen, / mach uns dienstbereit
und zu hellen Kerzen / in der Dunkelheit.
- Lass uns selbstlos werden, / wende unsern Sinn
auf der ganzen Erde / zueinander hin.
- Liebe uns erfülle; / lenke Herz und Hand,
weil dein Liebeswille / alle Welt umspannt.
- Lass uns in der Stille / hören deinen Plan
und tun, was dein Wille / uns hat kundgetan.
- In die Zeitenwende / hast du uns gestellt.
Hier sind Herz und Hände / für die neue Welt.
(Text: Liselotte Corbach 1953)
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