Pfingstsonntag, 24.05.2026, Apg.2,1-13(-18), Mutterhauskirche, Ulrike Heimann

Thema/Text: „Die Erkennungszeichen des Heiligen Geistes“ Apg.2,1-13(-18)

Das Pfingstfest hat es schwer – ihm fehlt die Festgesellschaft. Wenn es empfindsam wäre wie ein Mensch, dann hätte es wirklich allen Grund neidisch zu sein auf Weihnachten und auf Ostern. Auch wenn manches Mal darüber geklagt wird, dass immer mehr an diesen Festen teilnehmen, ohne so richtig zu wissen, worum es da geht – Weihnachten und Ostern sind präsent in der Öffentlichkeit. Kein Supermarkt, keine Bäckerei und kein Deko-Geschäft versäumt es, auf diese Feste in den Auslagen hinzuweisen. Das arme Pfingstfest dagegen geht leer aus. Es ist buchstäblich nicht greifbar. Anders als Weihnachten und Ostern. Weihnachten gibt es den Schokoweihnachtsmann und den Tannenbaum, die Krippe mit den Jesuskind, Engel und Kerzen und zum Glück für die Geschäftsleute die drei Weisen aus dem Morgenland, die dank ihrer Gaben an das neugeborene Kind den Geschenkeboom so richtig in Gang gesetzt haben. Und Ostern, gibt’s die Schoko-Osterhasen und die Ostereier in jeder Geschmacksrichtung, Osterglocken und Osterlämmer, gebacken - versteht sich.

 Und Pfingsten? Pfingstrosen – aber die blühen auf und sind dann schnell verblüht. Und für die Kinder ist nichts im Angebot. Keine Geschenke. Keine Schoko-Taube. Nichts Greifbares.

Das Pfingstfest entzieht sich der Konsumgesellschaft. Es trägt nicht zum Bruttosozialprodukt bei. Steigert nicht den Umsatz.

In einer Zeitschrift las ich vor einigen Jahren einen Beitrag zum Pfingstfest in bayrischer Mundart. Folgendes stand da: „Das Pfingstfest is woas Geistiges, nix zum Greifa: heit gib’s nix un heit kimmt nix: koa Christkind und koa Osterhas, heit kimmt grad der Heilige Geist.“

Besser lässt sie sich kaum beschreiben, unsere liebe Not mit dem Heiligen Geist und seinem Fest. Es gibt nichts – nichts zum Greifen, zum Kaufen. Mit dem Heiligen Geist ist kein Geschäft zu machen. So isses!

Der Heilige Geist kann nicht ergriffen werden, sondern er ergreift. Er hat es getan – damals in Jerusalem – und er tut es seitdem immer wieder. Er versucht es immer wieder. Er ist unberechenbar, kreativ, überraschend, ein stürmischer Draufgänger. Fotogen ist er nicht, aber spürbar. Macht sich auf verschiedene Weise bemerkbar.

 

Der Evangelist Lukas berichtet uns folgendes: „Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.“

Pfingsten – eine windige Angelegenheit!

Wo der Heilige Geist kommt, da weht ein frischer Wind. Pfingsten ist eine zugige Sache. Damit fängt’s an. Das heißt: damit will es anfangen. Doch häufig kommt es nicht dazu.

Denn statt die Fenster weit aufzumachen und die abgestandene Zimmerluft nach draußen zu lassen, sie auszutauschen mit frischem Wind – bleiben meistens die Fenster zu. Man könnte sich ja im Zug einen Schnupfen holen. Da könnte ja etwas reinkommen ins Haus der Kirche, was uns unbequem ist. Da könnten ja glatt liebgewordene Traditionen hinausgeweht werden – alte liturgische Melodien, so mancher Choral, vielleicht sogar – o Schreck – alte Glaubensvorstellungen, kirchliche Lehrsätze. Da könnte ja Bewegung in den Raum kommen, weniger Sitzen, mehr Rhythmus, der in die Hände und Beine geht, mehr Klatschen, vielleicht sogar Tanzen.

Manchmal habe ich den Eindruck, dass der Heilige Geist aus den volkskirchlichen Gemeinden hinaus in die „säkulare“ Gesellschaft ausweicht, dass er dort mit seinen Anliegen besser ankommt.

Wir müssen frischluftfreudiger werden, liebe Gemeinde – bis hinein in unsere Gremien, Kreise und Versammlungen – auf allen Ebenen, in Gemeinde und Diakonie.

Der Geist weht, wo er will, heißt es bei Johannes. Aber er weht nur da, wo man ihn lässt. Man kann dem Heiligen Geist auch den Wind aus den Segeln nehmen.

Pfingsten rechtfertigt Bewegung, frischen Wind und neue Ansätze. Auch bei uns. Doch nicht nur das:

 

„Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und sie setzten sich auf einen jeden von ihnen und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist.“

Pfingsten macht Begeisterte!

Wenn der Heilige Geist kommt, wenn wir ihn kommen lassen, dann begeistert er. Dann werden Menschen Feuer und Flamme für Gottes Sache in unserer Welt. Dann entwickeln sie Mut und Phantasie, sich einzumischen, sich einzubringen in die laufenden Geschäfte. Dann setzen sie neue Akzente – tragen dazu bei, dass anderen ein Licht aufgeht und sie staunend feststellen: es geht also doch – Gemeinschaft zwischen

Menschen unterschiedlicher Herkunft und Prägung, mit ersichtlichen und verborgenen Beeinträchtigungen, Gemeinschaft über alle Unterschiede hinweg, gemeinsames Engagement für eine lebenswerte Gesellschaft

Der Heilige Geist, er setzt in Bewegung. Er bringt uns heraus aus unseren Kreisläufen der Langeweile und des Verdrusses, der Beschäftigung mit sich selbst, dem Eingerichtet Sein in der eigenen Blase. Er bewegt uns vorwärts. Und wenn wir uns von ihm bewegen lassen, dann kann’s durchaus passieren, dass man sich auf einmal in einer Bewegung wiederfindet – in der Menschenrechtsbewegung, für die Demokratie und gegen rechte Hetze, für den Klima- und Umweltschutz, von „Fridays vor Future“ bis „Omas gegen Rechts“ oder „Düsseldorf stellt sich quer“.

Wenn wir uns bewegen lassen von Gottes gutem Geist, dann wird man noch einiges an uns feststellen können.

„...und sie fingen an zu predigen in anderen Zungen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“

Wer sich vom Heiligen Geist bewegen lässt, der kommt zu Wort und der findet Worte – und nicht selten sogar witzige, scharfsinnige und treffende. Der Geist, um den es heute geht, heißt im Französischen Esprit. Das ist der Geist, der geistreich macht und geistesgegenwärtig.

Dass wir das oft nicht sind, liegt daran, dass wir uns von allen möglichen schrägen Geistern beherrschen lassen – vom Kleingeist, vom Geist der Missgunst und der Gehässigkeit – nur nicht vom konstruktiven Geist Gottes.

Und wo der Geist Gottes in uns zur Sprache drängt, da halten wir ihm manchmal regelrecht den Mund zu und stecken ihm einen Knebel zwischen die Zähne. Dann allerdings kimmt nix. Kann nichts kommen!

Wer sich nicht abschirmt gegen den Heiligen Geist, wer ihm nicht den Mund verbietet, der spricht in anderen Zungen als bisher. Und er hört zuallererst auf, doppelzüngig zu reden. Der Heilige Geist ist ein eindeutiger Geist!

Er lässt uns nicht in Hinterzimmern heimlich übereinander reden, sondern er bewirkt, dass wir in der frischen Luft der Öffentlichkeit miteinander reden – nicht über die schlechten Eigenschaften der anderen, sondern über die guten Eigenschaften, die Gott jedem Menschenkind für seinen Lebensweg mitgegeben hat und die in unserem Reden und Tun zum Zuge kommen wollen. So ein Reden hat dann erstaunliche Folgen, wie wir hören:

„ ...und die Menge kam zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache von den großen Taten Gottes reden.“

Pfingsten erzeugt Verständigung.

Wer sich vom Heiligen Geist bevormunden lässt in des Wortes bester Bedeutung, der wird verständlich. Den versteht man. Den versteht jeder, dem an Verständigung über Grenzen hinweg gelegen ist. Und von dem fühlt sich jeder verstanden – was unendlich wichtig ist, weil es so viele gibt in dieser Welt, in unserer Gesellschaft, die unter dem Unverständnis ihrer Mitmenschen leiden.

Der Heilige Geist ist ein verstehender Geist. Er erzeugt Verstehen des anderen und beim anderen. Er erzeugt aber auch Verständigung untereinander. Und darum ist er ein gefährlicher Geist. Nicht für uns, aber für andere.

Denn Verständigung ist es, was man oft eben gerade nicht will im Zeitalter der Kommunikation. Denn Verständigung der Menschen untereinander über ihre wirklichen Bedürfnisse – das würde den Kommerz gefährden, die Wirtschaft, die in großen Teilen eine Verwirtschaftung der Ressourcen ist, die wenigen nützt und vielen schadet – vor allen Dingen der Natur und unseren tierischen Verwandten.

Liebe Gemeinde, sie sehen, wohin es führt, wenn der Heilige Geist bewegt, begeistert, bevormundet und verbindet. Er erzeugt Kirche mit frischem Wind – Kirche mitten in der Gesellschaft und für die Menschen.

Das allerdings hat einen wichtigen Nebeneffekt. Lukas erwähnt ihn abschließend:

„Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zum anderen: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein.“

Pfingsten erzeugt Aufregung am Rande.

Das ist nicht zu vermeiden. Die Spötter lassen wir links liegen – oder rechts, ganz wie sie wollen.

Dass man sich aber entsetzt und ratlos wird und fragt: Was will das werden? – das muss Kirche wissen, wenn sie über ihre Kritiker nachdenkt.

Ratlosigkeit ist aller Änderung Anfang. Und wem es die Sprache verschlagen hat beim Blick auf vom Pfingstgeist inspirierte Taten der Kirche, den sollten wir nicht draußen vor stehen lassen, sondern dem sollten wir das Gespräch und das Mittun anbieten. Kommt und seht selbst, was möglich ist, wo der Geist Gottes wirkt!

Zurück zum Anfang und damit zum Schluss: ist Pfingsten wirklich nichts „zum Greifa“?

Pfingsten ist was zum Greifen!

Etwas Greifbares, Fassbares, Erlebbares! Wenn wir in Bewegung kommen nach vorne, wenn wir uns begeistern lassen von Gottes Gedanken über diese Welt, wenn wir aufhören zu schwätzen und anfangen, miteinander zu reden, und merken, dass wir uns verstehen –

dann gibt’s was und dann kimmt was!

Dann tun sich neue, gangbare Wege auf,

dann können wir aus den Hamsterrädern unseres Wirtschaftens und Arbeitens aussteigen und Arbeit und Leben in Einklang bringen mit den Bedürfnissen aller Menschen, die in unserer Gesellschaft leben, ja, auch global,

dann ist Wahrheit wieder Wahrheit und Lüge ist Lüge,

dann stehen Güte und Barmherzigkeit in höherem Ansehen als Geld und Macht,

dann küssen sich Gerechtigkeit und Frieden

und Freude und Freiheit tanzen miteinander.

Lassen wir den Pfingstgeist herein – in unsere Herzen, in unsere Gemeinschaften, in unsere Kirche.

Lassen wir uns von ihm ergreifen und machen wir ihn durch unser Reden, Tun und Leben erfahrbar und greifbar für andere.

Amen.

 

 

Alle anzeigen

Gemeindebüros

Image

Adresse

Fliednerstr. 6
40489 Düsseldorf
Tel.: 0211 40 12 54

Adresse

Tersteegenplatz 1
40474 Düsseldorf
Tel.: 0211 43 41 66

Öffnungszeiten

Mo - Fr 09:00 - 15:00 Uhr
Di 09:00 - 18:00 Uhr

 

Öffnungszeiten

Di 09:00 - 16:00 Uhr
Mi u. Fr 09:00 - 12:00 Uhr

 

Spendenkonto
Ev. Kirchengemeinde Kaiserswerth-Tersteegen
DE38 3506 0190 1088 5230 39

.

Cookies auf dieser Website
Um unsere Internetseite optimal für Sie zu gestalten und fortlaufend zu optimieren verwendet diese Website Cookies
Benötigt:
+
Funktional:
+
+