Invokavit, 22.02.2026, 1. Mose 3,1-19-24, Mutterhauskirche, Ute Grießl

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,

wir befinden uns in der sogenannten Urgeschichte, die in den ersten Kapiteln der Bibel Grundlegendes über Gott und den Menschen erzählt. Über ihr Wesen: So ist Gott. So ist der Mensch. So ist der Mensch schon immer gewesen. So sind die Menschen schlechthin. Wir können ihr Wesen, ihre Muster in jeder Epoche, in jedem Jahrhundert wieder entdecken. Und so ist die Geschichte von Adam und Eva zugleich ein Spiegel für uns.

Diese alte und kunstvolle Erzählung ist schillernd und vielschichtig. Sie ist wohl entstanden als Antwort auf die Frage: Wie kommt es, dass wir Menschen in so widrigen Verhältnissen leben? Wie kommt es zu diesen schweren Lebensbedingungen und so vielen leidvollen Erfahrungen? Warum ist die Arbeit der Männer so mühsam? Und warum ist das Los der Frauen so schwer?

Die Antwort ist: Es war nicht immer so. Gott wollte das eigentlich nicht. Denn im Paradies war es anders. Im Paradies lebten und arbeiteten die Menschen erfüllt, auf Augenhöhe, vertrauensvoll und frei. Sie lebten in Harmonie mit sich selbst, miteinander und mit Gott. Und wir alle haben eine Ahnung davon, wie das gewesen sein muss. Wir kennen „paradiesische Momente“, sei es im Urlaub, in der Musik oder in der Liebe, Momente, in denen wir Vollkommenheit und Harmonie erleben, zumindest erahnen… Also: Was ist geschehen? Wieso haben wir diesen seligen Zustand verloren? Die Erzählung antwortet: Es gab eine Regel, und gegen die haben wir Menschen verstoßen. Das hatte Konsequenzen. Die Geschichte erzählt das sehr dramatisch. Da lohnt es sich, genauer hinzuschauen:

1. Die Versuchung

Im Paradies gibt es eine Schlange, sie spricht zur Frau: Sollte Gott wirklich gesagt haben, dass ihr von keinem Baum im Garten essen dürft? Es klingt so naiv und interessiert und ist doch ein schlau konstruiertes Missverständnis, dass die Frau in eine Diskussion verwickelt. Eva geht darauf ein und erklärt: „Wir dürfen die Früchte von allen Bäumen essen – mit einer Ausnahme: die Früchte vom Baum der Erkenntnis nicht. ‚Esst nicht davon‘, hat Gott gesagt, ‚damit ihr nicht sterben müsst!‘“ Soweit die einzige Spiel-Regel im Paradies, mit der sie bisher gut und frei gelebt haben. Nun hat die Schlange Stoff, den sie auseinandernehmen kann: „Ihr werdet keineswegs sterben! Sondern Gott weiß: An dem Tag, da ihr davon esst, werden euch die Augen geöffnet, und ihr werdet sein wie Gott und erkennen, was Gut und Böse ist!“ Was für eine Verführungskunst! Mit dieser Antwort sät die Schlange Misstrauen in die bisher vertrauensvolle Beziehung der Frau zu Gott. Die Schlange sagt damit: „Vorsicht, Gott ist nicht zu trauen! Gott will euch gar nicht bewahren, nein, nein, er will seine Weisheit für sich behalten, was gut und böse ist. Gott will sein Wissen und Können nicht mit euch teilen. Diese Macht will er allein haben.“ Die Suggestion wirkt: Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre, und dass er eine Lust für die Augen und ein begehrenswerter Baum wäre, weil er weise machen sollte; und sie nahm von seiner Frucht und aß, und sie gab davon auch ihrem Mann, der bei ihr war, und er aß.

Verführbar zu sein, scheint zum Wesen des Menschen zu gehören. Es scheint zu unserem Wesen zu gehören. Wir reagieren auf Impulse von außen, nicht auf alle. Nur dann, wenn sie einen Widerhall in unserem Inneren finden. Da heißt es bei einer Feier: „Ein Cognac schadet nie“… Die Werbung verspricht: „Die ersten drei Monate gratis.“ Was danach geschieht, wird verschwiegen… Die Verführung besteht darin, die Vorstellung auf den unmittelbaren Genuss oder den Gewinn hin zu lenken und von den Folgen abzulenken. Dann tauchen Bilder und Wünsche, dann entstehen Phantasien und Gefühle auf und nehmen immer mehr Raum ein: Wenn ich das jetzt hätte, dann wäre alles besser…dann wäre ich glücklich, dann wäre ich schön, reich, erfolgreich, dann wäre mein Leben leichter…, einfach vollkommen. Dieses „Dann“ wird so bestimmend und fordernd: Ich brauche es einfach. Ich will es haben. Mit diesem Gefühl gehe ich auch über Grenzen, über Grenzen, die mir mein Körper zeigt, die mein Verstand mir sagt, mein Gewissen setzt. Verführbar zu sein gehört zur Freiheit des Menschen. Er kann sich entscheiden. Er kann sich falsch entscheiden. Er kann schuldig werden. Was sind meine Versuchungen? Was sind Ihre Versuchungen? Wodurch lassen wir uns triggern? Durch Essen, Getränke, durch Drogen? durch die Sozialen Medien, durch Geld? durch Sicherheit? durch Sex, durch Status? Ansehen? Bedeutung? Wissen, Macht und Einfluss? Hochaktuell ist die menschliche Verführbarkeit in der Politik: Die Mächtigen der Welt sind verführbar durch noch mehr Macht. Sie wollen herrschen, Sie wollen alles entscheiden und sein wie Gott. – Und gehen dabei buchstäblich über alle Grenzen. Für diese Grenzen steht unserer Erzählung der verbotene Baum.

2. Die Konsequenzen

Das Sehen
Das Essen der verbotenen Frucht hat Folgen: Die beiden sehen. Sie sehen Unterschiede. Es heißt: Da wurden ihnen beiden die Augen geöffnet, und sie erkannten, dass sie nackt waren; und sie banden sich Feigenblätter um und machten sich Schurze. Ja, die beiden wissen und erkennen nun mehr als vorher, aber sie sind keineswegs Gott gleich geworden. Eine weitere Folge ist: An die Stelle des bisherigen Vertrauens zueinander und zu Gott sind Misstrauen und Angst getreten. Dazu die Scham. Das Miteinander ist schwer beschädigt.

Das Verhör
Unsere Geschichte geht – wäre es nicht so bitter ernst - fast anmutig weiter: Gott wandelt im Garten, als der Tag kühler geworden war – kein Orientale geht in der heißen Sonne spazieren. Und die beiden Menschen haben sich versteckt. Da ruft Gott den Menschen: Wo bist du? 10 Und er antwortete: Ich hörte deine Stimme im Garten und fürchtete mich, denn ich bin nackt; darum habe ich mich verborgen! 11 Da sprach Gott: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du etwa von dem Baum gegessen, von dem ich dir geboten habe, du solltest nicht davon essen? Adam schiebt die Schuld auf seine Frau (letztlich auf Gott, weil der sie ihm gegeben hat). Und die Frau schiebt die Schuld auf die Schlange (an deren Existenz auch letztlich Gott als Schöpfer selber schuld ist.) Weder Adam noch Eva stehen zu ihrer Tat. Sie übernehmen keine Verantwortung. Diesen Verschiebebahnhof für Schuld kennen wir (gut). Auch wir kennen Ausflüchte, Erklärungen, Halbwahrheiten und Heimlichkeiten, warum andere und anderes verantwortlich gewesen ist für das, was passiert ist. Nur nicht wir selber. Wir können nichts dafür… In der Folge leiden Gemeinschaft und Beziehungen. Loyalität und Solidarität können damit vom Tisch gefegt werden.

Die Flüche
Nun zieht Gott Konsequenzen: Er verflucht die Schlange und den Erdboden. Wichtig ist: Gott verflucht nicht die Menschen, dafür sind die beiden ihm zu wichtig und zu kostbar. Aber sein Zorn und seine Enttäuschung müssen irgendwohin. Gott verflucht die Schlange und mit ihr alles, was mit der Verführbarkeit des Menschen spielt. (Die Kirche hat in ihrer Deutung später das Böse, den Teufel mit der Schlange gleichgesetzt.) Und Gott verflucht den Acker, von dem der Mensch leben muss. Das ist also die Antwort auf die Frage, warum unser Leben so schwer ist, warum wir uns immer so abrackern müssen, Männer wie Frauen. Wir haben das Vertrauen gebrochen, das Gott in uns gesetzt hat. Wir wollten selber entscheiden, was gut und was böse ist, welche Grenzen wir akzeptieren und welche nicht. Wir haben damit Schaden angerichtet und müssen jetzt sehen, wie wir mit den Folgen zurechtkommen. Die Geschichte liest sich wie ein Kommentar zur menschengemachten Klimakrise! Hier vielleicht noch eint, dass Gott es nicht wollte...

3. Die neue Grenze – die Vertreibung

Gott setzt eine neue Grenze: Die Sterblichkeit des Menschen. Er wirft die Menschen aus dem Paradies, um das Paradies (mit dem Baum des Lebens mitten im Garten) vor uns Menschen zu schützen. Vielleicht kann man sagen: Es hebt es für uns auf? Wir leben nicht im Paradies. Im Gegenteil! Wir leben im Zustand der Entfremdung, entfremdet von Gott, von einander und von uns selbst. Aber Gott will eigentlich nicht, dass wir so leben und sterben.

In einer kleinen Bemerkung am Ende der Geschichte wird erwähnt, dass Gott den beiden Menschen noch Felle schenkt. Er schützt sie in ihrer Nacktheit. Er stattet sie so aus, dass sie außerhalb des Paradieses überleben können, dass sie leben können, wenn auch unter unwirtlichen Bedingungen. Gott scheint zu hoffen, dass sie im Laufe ihres Lebens zu ihm zurückkehren wollen. Gott selbst kommt ihnen entgegen. Das erzählen alle folgenden Bücher der Bibel. Damals wie heute. Gott kommt uns Menschen entgegen - in seinem Sohn, in Jesus Christus. Er hat, so die Geschichte mit seinem Tod am Kreuz und seiner Auferstehung das Paradies und das ewige Leben zurückgewonnen – für uns. Davon werden wir an den nächsten Sonntagen hören. Amen.

Kanzelsegen: Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft, er bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

Alle anzeigen

Veranstaltungskalender

Gemeindebüros

Image

Adresse

Fliednerstr. 6
40489 Düsseldorf
Tel.: 0211 40 12 54

Adresse

Tersteegenplatz 1
40474 Düsseldorf
Tel.: 0211 43 41 66

Öffnungszeiten

Mo - Fr 09:00 - 15:00 Uhr
Di 09:00 - 18:00 Uhr

 

Öffnungszeiten

Di 09:00 - 16:00 Uhr
Mi u. Fr 09:00 - 12:00 Uhr

 

Spendenkonto
Ev. Kirchengemeinde Kaiserswerth-Tersteegen
DE38 3506 0190 1088 5230 39

.

Cookies auf dieser Website
Um unsere Internetseite optimal für Sie zu gestalten und fortlaufend zu optimieren verwendet diese Website Cookies
Benötigt:
+
Funktional:
+
+