Konfirmationen, 26.09.2021, Mutterhauskirche, Epheser 1,18, Jonas Marquardt

Predigt Konfirmation Mutterhauskirche 26.IX.2021                                                                                            

                          Epheser 1,18

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde!

Ich stelle mir mal ein schlechtes Zeugnis aus … und sogar ohne mich zu schämen:

Wenn’s nach mir ginge, würde ich das, was Ihr im Unterricht gelernt habt, nicht zu stark bewerten. Es wird vielleicht so irgendwie im befriedigenden Bereich gelegen haben … wegen der Pandemie, die das Ganze im späteren Winter dann viel zu lange doch eingeschränkt hat, sagen wir mal: 3 -. Besser war’s eher nicht.

Um aber ganz klar zu sein: An Euch liegt‘s nicht, dass ich feststelle, dass Ihr beim Kennenlernen des christlichen Bekenntnisses, beim Lesen des Lukasevangeliums, beim Verstehen, wer Gott ist und wie Er sich in Jesus Christus zeigt, bloß mittelprächtig viel mitgekriegt habt. … Es liegt daran, dass man sich etwas anderes gar nicht vorstellen kann, und dass ich das auch nicht wollen würde: Wenn Ihr alles begriffen hättet, wenn Ihr Jesus Christus und den Heiligen Geist nicht mehr bei den spannendsten Fragen des Lebens, sondern unter den bekannten Antworten einsortieren würdet, wenn Ihr abschließend feststellt, dass Ihr in Sachen Glauben Bescheid wisst - wenn Ihr also glatt „1“ stündet -, dann würde ich verzweifeln. … Denn dann wäret Ihr fertig. Und etwas Schlimmeres gibt es nicht!

Leute, die mit Gott fertig sind, die den Glauben abhaken können, die alles wissen, was wir anderen nur suchen und worum wir beten, … solche Leute sind das Gift der Welt.

Das gilt ehrlichgesagt für alle, die fertig sind: Wer nichts Neues mehr erwartet, wer alles kennt und in allem Routine hat, muss am Steuer einschlafen oder von seiner eigenen Langeweile aufgefressen werden. Die Fertigen sind beinah schon tot. Die alles kennen oder können, sind die, denen nichts mehr begegnen kann.

Man muss sie von Herzen bedauern und man darf sich wünschen, dass man niemals selber ein Mensch wird, der so viel hinter sich und so wenig vor sich hat, wie die, die alles beherrschen.

Seid darum mit dem, was Ihr vielleicht gelernt und begriffen habt, genauso zufrieden wie mit dem, was Ihr überhaupt nicht verstehen oder behalten konntet!

Nur dass Ihr mit beidem nicht einfach „durch“ seid, würde ich Euch von Herzen wünschen: Was man weiß, das weiß man nie genau genug. Und was man noch erfahren kann, das wird einem schließlich immer noch mehr zu fassen und zu versuchen geben in diesem Leben.

Gut also, wenn es Lücken gibt. Durch sie kommt das zukünftige Wissen. Durch die Maschen im Netzt kommen die Fragen, wie eigentlich alles zusammenhält. Durch die unerklärten Dinge entstehen sämtliche Entdeckungen und wächst der Glaube.

Gut also, wenn Ihr in Nichts perfekt seid!

…… Dass kann man Euch heute umso besser sagen, als Ihr ja noch nie so nah dran wart am Zustand der Vollkommenheit: Ihr seid schön anzusehen und werdet groß gefeiert; Ihr seid der Mittelpunkt dieses Tages und steht dabei so klar erkennbar an der Schwelle noch viel spannenderer Tage und Jahre, in denen Ihr immer sicherer und selbständiger, mutiger und mündiger werden dürft … was könnte Euch da nun denn eigentlich fehlen? Wonach könntet Ihr Hunger haben, was könntet Ihr brauchen?

— Wir müssen nicht ausführlich antworten.

Sicher würde Euch – trotz aller Geschenke, die gleich noch auf Euch niederprasseln könnten – genügend einfallen. Sinnvolles und Irres.

Aber die einfachste Antwort ist schlicht, dass Euch der morgige Tag fehlt.

Er war noch nicht da und niemand kann ihn Euch heute schon schenken.

Aber wenn er nicht käme … was wäre das heute dann für ein Fest? Wie würdet Ihr feiern und Geschenke auspacken und Euch Reden anhören können und vielleicht gar selbst bei Tisch eine eigene Rede halten, wenn morgen nicht mehr käme?

Merkt Ihr: Wenn man sich auch in noch so vielen Dingen sicher sein könnte, wenn man bei noch so vielem sagen könnte: Ich hab’s, ich kann’s, ich bin’s, … es hat alles gar keinen Sinn und keinen Wert mehr, wenn das Sein, das Können und das Genießen nicht weitergehen.

Der morgige Tag fehlt dem heutigen. Oder umgekehrt: Von morgen her gewinnt heute seine Bedeutung, seine alltägliche ebenso wie seine besondere Bedeutung.

Das könnt Ihr an Eurem Konfirmationstag später in der Erinnerung besonders gut festmachen: Äußerlich, weil es ein Tag war, an dem sich vieles ereignet haben wird, das in die Zukunft reicht und aus dem die Zukunft sich ableiten muss. Es ist schließlich ja ein Wahltag, ein Tag, der Weichen stellt, die sich praktisch und bleibend in dem, was kommt, auswirken werden. Aber das gilt nicht nur im öffentlichen Bereich der Politik, sondern auch im Blick auf Euer persönliches Leben: Ihr wählt heute auch. Oder Ihr bestätigt, dass Eure Wahl sich gefestigt hat und gültig ist.

Ihr wählt Gott!

Was das heißt? – Dass Ihr eine bestimmte Partei, ein Programm, eine Linie übernehmt, wird es nicht bedeuten. Gott ist die Freiheit, das wisst Ihr. Und Er ist die Liebe, die nichts anderes fordert, als dass Ihr immer weiter lernt, Gott und die Menschen zu lieben von ganzem Herzen und mit allen Euren Kräften – von 3- heute bis 2+ mit * einst.

Auf welche Wege Euch das genau bringt, ist damit aber immer noch offen. Weil ja weder Ihr noch das Leben heute schon fertig sein sollt.

Aber nur wer Gott wählt, wählt auch wirklich das, worum es jeden Tag und allen Menschen eigentlich geht. Wer Gott wählt, wählt die Hoffnung.

Hoffnung ist etwas, an dem man merkt, wann man aufhört ein Kind zu sein: Kinder nehmen alles erst einmal als selbstverständlich an, … dass nichts selbstverständlich ist, fangt Ihr dagegen längst an zu begreifen. Weil für sie jedoch alles wirklich selbstverständlich ist, werden Kinder einfach nur sauer, wenn etwas kaputt geht oder fehlt oder nicht eintritt, wie sie es sich felsenfest vorgestellt haben. Was sie nicht - oder nicht mehr - ganz wie von selbst haben und vorfinden, das wollen Kinder einfach. Ihr Wollen ist die einzige Brücke zwischen dem, was nicht da ist und dem, was aber da sein soll.

Da seid Ihr schon ganz anders … eben gar keine Kinder mehr. Dass das reine Wollen, das reine Quengeln und Bocken, das reine Fordern und Herbeitrotzen nichts bringt … an guten Tagen wisst Ihr es!

Aber ohne ein Wünschen, ohne ein Vertrauen darauf, dass es Brücken zwischen heute und morgen gibt, Brücken zwischen dem, was nicht mehr oder noch nicht ist, und dem was doch sein oder kommen soll, … ohne eine solche Hoffnung, dass das Leben weitergeht und sich ändert, kann man nicht existieren.

Hoffnung ist es, weshalb Ihr heute feiert und gefeiert werdet: Das wunderbare, wenn auch gar nicht in klare Pläne gefasste Vertrauen darauf, dass Ihr mit vierzehn, fünfzehn Jahren noch so dermaßen viel vor Euch habt, das erst noch kommt und werden wird.

Und daran merkt man, dass Ihr keine Kinder mehr seid: Eure Entwicklung, Eure Zukunft, Eure Chancen und Aussichten und Lebenswege, die wollt Ihr nicht (nicht immer jedenfalls!) durch Maulen oder Motzen herbeizwingen, sondern Ihr wisst, dass man dafür Zeit und Geduld und Spucke braucht, dass man sich anstrengen und einsetzen muss und dass es um Warten und Aushalten, um Versuche der Vernunft und die Bereitschaft zum Lernen und Ändern geht, die dann das, was werden kann, möglich machen. Da geht es Euch wie einem Land, das wählen darf und wie der gesamten Menschheit, die nicht mehr durch kindisches „Alles-Wollen“ in die Zukunft kommen wird.

Nur dass Ihr einen unglaublichen Vorteil habt! Euer Blick nach vorne, die Brücke, die vor Euch liegt, … ja, die vielleicht gerade erst gebaut, zu der heute der tragendste Pfeiler gesetzt wird … ist sicher! Ihr müsst in diese Zukunft nicht ängstlich gehen, nicht mutlos oder festgebissen in das, was war, … Ihr könnt fröhlich gehen und trotz allen Ernstes heiter und fest und frei. Weil Ihr Euch gleich hinknieen werdet, um zu zeigen, wem Ihr vertraut. Diese Geste bedeutet ja nicht, dass Ihr nicht danach aufstehen und aus eigener Kraft vorankommen werdet. Aber wer sich vor Gott hinkniet und damit bekennt: DU bist der HERR meines Lebens, DU bist der HERR der Welt, DU bist der HERR der Zukunft … was für einen guten Mut, was für ein Vertrauen darf ein solcher Mensch haben!

Ihr wisst nämlich und zeigt es mit dieser Geste, dass Jesus gekommen ist, um Euch solches Vertrauen zu schenken:

Er wurde geboren, damit Ihr dem Leben, Eurem Menschenleben vertraut.

Er hat gelitten und er starb sogar, damit Ihr sicher wisst, dass auch das Schlimmste nicht das Ende bedeutet für die, die Gott lieben.

Und er ist auferstanden, damit Euer Herz und Euer ganzes Lebensgefühl voller Zukunft, voller Hoffnung sein kann.

Dieses Vertrauen, dieser Trost, diese Hoffnung sind der Sinn der Konfirmation. Wenn das nicht befriedigend, wenn das nicht hochzufriedenstellend, wenn das nicht der Frieden selbst ist, dann weiß ich gar nichts!

Und wenn Ihr das auch wisst, dann wisst Ihr das Wichtigste und wählt das Beste!

Weil Gott die Augen Eures Herzens erleuchtet hat und Ihr erkennt, zu welcher Hoffnung Ihr durch Ihn berufen seid.

Glückwunsch!

Amen

Alle anzeigen

Gemeindebüro

Fliednerstr. 6
40489 Düsseldorf
Tel.: 0211 40 12 54
Fax: 0211 408 98 16

Öffnungszeiten:
Dienstag: 15:00 - 18:00 Uhr
Donnerstag & Freitag: 9:00 - 12:00 Uhr


Flüchtlingshilfe

Kaiserswerth: 0159-038 591 89
Lohausen: 0211 43 29 20


Kirchengemeinde Kaiserswerth Spendenkonto

DE40 3506 0190 1088 4672 28
Cookies auf dieser Website
Um unsere Internetseite optimal für Sie zu gestalten und fortlaufend zu optimieren verwendet diese Website Cookies
Benötigt:
+
Funktional:
+