13.n.Trin., 26.08.2018, 2.Teil der Predigtreihe "Heiligkeit - was ist das?": "Heilige Orte", Stadt- und Jonakirche, Offenbarung 21,3, Jonas Marquardt

 

Predigt Kaiserswerth & Jona 13.n.Trin. - 16.VIII.2018 / Predigtreihe: „Was ist Heiligkeit?“                             

                   Heilige Orte – Offenbarung 21, 3

Liebe Gemeinde!

Gibt es „heilige“ Orte? Darf es sie geben?

Gestern vor 31 Jahren hat ein tollpatschiger und tollkühner Gymnasiast auf einer deutsch-deutschen kirchlichen Jugendrüstzeit in einem Wäldchen direkt an der Neiße – im Visier polnischer Grenzsoldaten – die von ihm Angehimmelte gefragt, ob sie sich wohl ein ganzes Leben an seiner Seite vorstellen könne. …….

Sie sagte Ja, und er hält das krüppelige kleine Kiefernstück in der Lausitz daher vermutlich immer noch für ein Stück des Himmels. …

Manche Leute scheinen heilige Orte also ganz eigenmächtig zu bestimmen.

Andere folgen eher den Sitten und Strömen der Masse, so wie die 2 Millionen, die dieser Tage in brütender Hitze den kleinen Hügel Arafat auf ihrer Hadsch belagerten.

Wieder anderen dagegen ist der Gedanke an bestimmte Flecken Erde, an bestimmte Punkte auf der Landkarte, die eine besondere und bleibende Bedeutung haben sollen, fremd und unheimlich: Zu viele falsche und propagandistische Weiheorte und Heiligtümer hat die Welt schon gesehen, und auch wenn die ehedem aggressiven Botschaften des Niederwald-Denkmals und des Ehrenmals von Laboe oder des einstigen Nazi-Nationaldenkmals für Schlageter am Düsseldorfer Nordfriedhof keine ernsthafte Gemeinde mehr finden, ist die mystische Aura symbolträchtiger Orte in allgemeinen Verdacht geraten.

Neben dem politischen und dem Machtmissbrauch steht dahinter immer auch der alte Streit zwischen der katholischen Welt der geweihten Bauwerke und Gegenstände und der evangelischen Ablehnung aller sakralen  Repräsentation und Überwältigung.

Und doch ist die platte protestantische Antithese – „Es gibt keine heiligen Orte oder Bauten“ – in ihrer teils bissigen, teils einfach bequemen Gleichgültigkeit gegen alles Greif- und Sichtbare nicht gerechtfertigt.

Denn gegen einen so kernevangelisch klingenden Grundsatz wie die Absage an alle hei-ligen Bezirke und Bezugspunkte steht … die Bibel!

„Heiligkeit“ ist in Israel – von Mose über die Propheten bis zu den Kündern des Apokalyptischen – zuerst und zuletzt weniger eine theologische als eine topologische Kategorie.

Klarer gesagt: Die Heilige Schrift bezeugt nachdrücklicher und stärker die Heiligkeit von Orten als die Heiligkeit Gottes.

… Das aber bestimmt nicht, weil Gott nicht heilig wäre.

Dazu ist letzte Woche das biblische Wort vom dreimal Heiligen hoffentlich deutlich genug gesprochen und gesungen worden! Die Heiligkeit Gottes zeigte sich uns dabei nicht als Seine schreckliche Übermacht, sondern als Seine vollständige Freiheit, Er selber, Gott zu sein … und nicht Trug- oder Wunschbild nach Menschenweise.

Dass Gott Seine eigenen Pläne macht, dass Sein Wille nicht unsere Ideen nachäfft und Sein Heil, Seine Heiligkeit nicht uns unterworfen sind, dass wir uns aber gerade in Seiner Freiheit auf Ihn verlassen und bei Ihm still sein können, das wiederum ist der Hintergrund dafür, dass Israel und nach ihm auch die christliche Kirche Seine Spuren, Seine Nähe, Seine Gegenwart nicht in Wolkenkuckucksheim, nicht im Nebel des Nirvana und auch sonst nicht im Ungefähren suchen muss, sondern dort, wo Er will.

Gott hat in Seiner Heiligkeit die freie Wahl.

Er richtet sich nicht nach der Gänsehaut der Menschen, die am Rande des Vulkans oder im Angesicht des Ozeans oder da, wo die wolkenumwitterten Gipfel die Sterblichen winzig machen, hehre Schauer empfinden und pathetische Floskeln gebrauchen um das Erhabene zu beschwören.

Den ganzen Voodoo-Zauber unserer Naturfrömmigkeit nimmt Gott nicht ernst, und unsere lustvolle Phantasie, dass etwa ein Riesenklumpen Gestein wie der Himalaja oder eine Riesenlache Wasser wie der Atlantik oder sonst eine gigantische Hinterlassenschaft etwas Mystisches bedeuten müssten, zeigt ja nur, dass wir keinen Hauch des Unendlichen wirklich fassen können, … denn alles, was wir kennen und angaffen und nachempfinden sind ja bloß winzige Staubkörnchen und Tropfen im wirklichen Maßstab der Ewigkeit.

……. Dennoch aber ist Gott so frei, sich auch auf dieser bescheidenen Erde mitten im Weltall finden zu lassen. … Nur wählt Er ganz allein, wie und wo.

Und genau davon spricht die Bibel.

Die ganze Bibel ist ein Bericht von Gottes eigenwilligen, unvorhersehbaren Ankünften auf Erden.

Der Unermessliche und Unvergleichliche, Der ganz anders ist als alle menschlichen Vermutungen und Ahnungen Ihn machen würden, ist unentwegt bewegt, ist unentwegt unterwegs zu uns. Er ist ein Gott Der nicht die Allgemeinheit und die Verallgemeinerung sucht, sondern Der bereit ist, im wirklichen Leben anzukommen und zu bleiben. Gott braucht nicht das Große Ganze, Er verlangt nicht den Universalmaßstab der Allgegenwart wie alles, was Menschen gern „geistig“ oder „virtuell“ nennen – obwohl Er wahrhaftig den Kosmos in jedem seiner Atome erfüllt –, sondern weil Er wirklich ist, beliebt’s Ihm auch, genau bezeichnete, benennbare, begehbare Orte zu beziehen!

Das ist der eigentliche Grund sowohl für die Wanderung und Landnahme, die das Alte Testament eröffnen, wie für die christliche Missionsgeschichte und nicht zuletzt für viele der heikelsten Konflikte noch der Gegenwart.

Gott hat sich zu irdischer Nähe entschlossen und das jenseitige Ufer „Über-All“ verlassen, das genauso gut ja auch „Nirgendwo“ heißen könnte.

Seit Er Abrahams - des Nichtsesshaften - Gast am Zelt von Mamre war (vgl.1.Mose18!), seit Er Isaak den Altar und den Brunnen von Beerscheba bauen ließ (vgl.1.Mose26,25), seit Er Jakob die Leiter und die Brücke zwischen der unendlichen und der endlichen Welt bei Bethel zeigte (vgl.1.Mose28), seit den Tagen der Väter also ist die Landkarte dieser Erde übersät worden von Punkten, an denen Gott sich lokalisieren ließ, an denen Er sich verortete.

Wegenetze sind entstanden, auf denen man Seine Herbergssuche nachvollziehen kann. Von Asyl zu Asyl zog Er um, so dass ein wirkliches Geflecht von herausgehobenen, von auserwählten – wiewohl selten herausragenden – Gottesstätten sich über die Landstriche der biblischen Welt zieht, …lauter Orte, die Gott einen Rahmen und Raum boten: Der Sinai und das Heiligtum zu Silo, der Karmel und der Horeb (vgl.1.Könige18+19); … und auch im Alten Testament hat Israels Gott schon außerhalb der Grenzen des gelobten Landes Sich in innerirdischer Gegenwart erwiesen, als Er zu Jona am Stadtrand von Ninive sprach (vgl.Jona4) und als Er Hesekiel – den Propheten der Heiligkeit! – am Flußufer des Kebar im südlichen Irak Seine Herrlichkeit schauen ließ (vgl.Hes.1) und als Er Daniel im Herzen von Babylon, mitten unter Medern und Persern unterm Schutz des Höchsten erhielt (vgl.Dan1+6).

Gott weilt und wohnt also an Orten dieser Erde.

Und diese überraschende Geschichte Seines Einzuges, Seiner Niederlassung und Einwohnung kreist in der ganzen Bibel um den einen Ort, um den – wir sagten es schon – auch heute noch ausdrücklich oder unbewusst ein Großteil aller gegenwärtigen Geschichte kreist: Jerusalem, von dem wir gerade sangen, dass Er, Der nahe ist in jeder Zeit und Zone, hier wirklich wohne (EG 632,5)!

Jerusalem ist das Ziel der Gottesreise, als die wir nicht nur die Geschichte des Exodus oder der Heimkehr aus dem babylonischen Exil erkennen müssen.

Jerusalem ist das Ziel der Gottesreise, die weit über die Zeiten der beiden biblischen Testamente hinaus bis heute anhält. Mit diesem Fleckchen Erde, von dem es wieder und wieder in der Bibel Israels heißt, Gott hat es erwählt, um Seinen Namen dort wohnen zu lassen (vgl.5.Mose12,11ff) – demnach ist es der Ort an dem, Der „Ich werde sein, der Ich sein werde“ sein will! … – mit diesem Mittelpunkt Jerusalem hat es daher eine unmissverständliche Bewandtnis auch für uns.

Jerusalem ist das Sehnsuchtsziel der Heimatsuche Gottes, Dessen Führen und Leiten in der Geschichte Seines Volkes auf Seine eigene Einortung, Seine dauerhafte Eingliederung inmitten der Seinen zielt.

Gott will Seinen Ort bei uns.

Er will Sich nicht als vorübergehende, sondern als bleibende Gegenwart in dieser kleinen, zerrissenen und zerfallenden Welt erweisen.

Und das geht nicht gedanklich allein oder im übertragenen Sinn. Es geht nur durch das, was nun kein Leihwort, keine bloße Veranschaulichung, kein Bild mehr ist, sondern ein genauer und konkreter Ausdruck für diese wirkliche Präsenz Gottes auf Erden: … „EINWOHNUNG“ nennt man es.

Und es meint buchstäblich, dass Er in der Stadt, dass Er an einer Stelle ist, dass Er unter einem Dach ist, weil Er die Welt nicht vage und weit entfernt umfasst, sondern als Mitbewohner ihrer uns zugänglichen Dimensionen in sie eingegangen ist!

Der Ort, an den Gott gehört, der Ort Seiner Einwohnung – Jerusalem, dieser von Menschen so geschundene und umstrittene und vergewaltigte und doch auch so unvergleichlich geliebte und gebrauchte Ort – ist also nichts anderes als das Modell, das Grundmuster dessen, was wir als die Einortung und Einwohnung Gottes in letzter Konsequenz und letztem Ernst bekennen: Jerusalem ist das Vorbild und Ziel der EINWOHNUNG GOTTES IM FLEISCH, … Seiner Inkarnation, Seiner MENSCHWERDUNG IN RAUM UND ZEIT. 

Jerusalem zeigt uns den Heiligen, Der sich in die dürftigen Schranken des Hierseins und des Daseins gibt, um unter uns Endlichen endlos nah zu sein! ———

……. Und da sollte es eine Kirche geben – und das sollte ausgerechnet die auf die Bibel sich gründende evangelische Kirche sein – die behauptet, „heilige Orte“ seine bloß unsinnige, völlig überflüssige, verkehrte Vorstellungen?? – Obwohl uns selbst als Weihnachtschristen, als Gelegenheitsgästen im Hause Gottes doch so vor Augen stehen und in den Ohren klingen müsste, wie alles anfängt mit der bitteren, aber notwendigen Suche nach Quartier in dieser Welt, zu der Gott ankommt, um zu bleiben (vgl.Lk2!)?!

Die ganze Bibel schildert es uns doch: Gott ist nicht entzogen, Er bleibt nicht überlegen, sondern Er zieht ein, sucht Heimat unter uns, … teilt unsere Wirklichkeit, … verortet und verleiblicht Sich darin.

„Gott ist gegenwärtig“ haben wir vergangene Woche gesungen und gerade gebetet (EG 165).

Das ist - aus dem Mund eines evangelischen Mystikers! - eine umwerfend plastische Aussage:

Er ist anwesend, Er ist real, Er ist lokal, gehört in Raum und Zeit: So müssen wir auf unserer Suche nach der Heiligkeit diese jetzt wohl verstehen.

Heiligkeit ist die Freiheit Gottes, eine ganze andere Gegenwart als die erhabene Transzendenz zu wählen: Die Gegenwart im Hier und Jetzt, in Fleisch und Blut, unter den Tatsachen und Grenzen unseres Lebens.

Dafür steht Jerusalem und das ereignet sich in der Fleischwerdung des Wortes: Gott zieht in die Schwachheit, in den Streit, den Hass, das Feuer, … Gott zieht in die Passion der Tatsächlichkeit auf Erden ein.

Aus dieser Schutzlosigkeit aber, in die Er drängt, um bei uns zu sein, ergeben sich wahrhaftig andere heilige Orte als die magischen und gigantischen der einzelnen Verliebten oder der elektrisierten Massen.

Die Heiligtümer unseres Gottes, der wirklich die Nähe und das geteilte Leiden mit uns sucht, sind längst nicht alle schön und erhaben.

… Nicht ihre Ästhetik, nicht ihre Lage, nicht ihre Atmosphäre, nicht ihre Aura machen sie heilig:

Golgatha war die Müllkippe Jerusalems, … die ältesten Kirchen waren unterirdische Tunnel oder Friedhöfe, … die verfolgten Protestanten lobten Gott in Höhlen und in Scheunen, … die Puritaner beteten in der rauhen Wildnis, … die schwarzen Sklaven Amerikas hielten ihre Versammlungen irgendwo an schlammigen, moskitoverseuchten Flussbetten, … jenes arme Mädchen, dessen Erlebnis den größten Wallfahrtsort Europas hervorrief, traf die Dame an einem Rinnsal, das die Kanalisation in Lourdes ersetzte ……. und wenn man das schrecklichste Leid der Menschheit aufsucht – also den Ort, an dem man die Friedenssehnsucht, die Jerusalem bedeutet, und den Leidenswillen des Fleischgewordenen in ihrer tiefsten Notwendigkeit erfährt – dann steht man in den Todeslagern, in einem Entsetzen, das alles übersteigt und wegschält, was wir fühlen können.

……. Doch es sind Orte Gottes. …….

Weil jeder Ort, an dem gehört wird, dass Er bei den Seinen sein will, … jeder Ort, an dem der Gekreuzigte seinen rettenden Namen wohnen lässt, … jeder Ort, an dem der Geist der Liebes- und der Leidensgemeinschaft bezeugt und angerufen wird … weil jeder dieser Orte heilig ist. ——

Und so wie Benjamin Schmolck in unserem ersten Lied von seiner Schweidnitzer Kirche singt – einer Kirche, die tatsächlich im gegenreformatorischen Schlesien ein Hort der Sicherheit, des Friedens und der bergenden Gottesgegenwart war –,  so müssen wir wieder lernen, dass auch unsere Kirchen, unsere Versammlungen keine willkürlichen, gleichgültigen Allerweltsorte sind, sondern das Beste und das Heiligste, was es geben kann: Quellen der wirklichen Nähe Gottes, … die räumliche Wirklichkeit des Erlösungswerkes unseres menschgewordenen Versöhners, … Stationen der Pilgerschaft, die Gott und Seine Gemeinde über die ganze Erde führt, bis Jerusalem unangefochten und heil ist.

Ehrfurcht, Freude und Hoffnung müssten uns also in jeder Kirche durchdringen, weil sie uns bezeugt, dass Gott die irdische Wirklichkeit gewählt hat und uns Sündern Seine Gegenwart hier auf Erden schenkt.

Und darum ist das der größte Jubelruf der Bibel an ihrem Ziel, … dass die Einwohnung des Heils hier unter uns sich vollendet hat:

„Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden Sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein.“ (Offb.21,3)

Amen.

 

 

Fürbitten

 

Herr, Du bist die Gegenwart.

In Dir leben und weben und sind wir.

Und Du wohnst in unserem Fleisch,

teilst unsere Wirklichkeit,

lebst in unserer Mitte.

 

Das soll, das will Deine Gemeinde heiligen.

 

Trotz aller Sorgen und Gefahren der Zeit, trotz aller Trübsal und Einsamkeit des Daseins:

Wir dürfen glauben und festhalten,

dass es keine Gottverlassenheit,

dass es keine leere Welt,

dass es kein heimatloses Leben,

dass es keine ziellose Geschichte gibt.

 

Du bist ja unsere Zuflucht;

in Deiner Nähe sind wir am richtigen Ort!

Dass Du in dieser irdischen Realität zugegen bist,

dass wir den Raum mit Dir teilen

 

und Dich an unserer Seite finden,

macht unser Dasein reich an Segen.

 

Die Gemeinde des heiligen Gegenwärtigen bezeugt Dich darum in ihrem Mut, in ihrer Ruhe und in ihrer Offenheit:

Wir erfahren Deine Einkehr mit jedem, der zu uns kommt.

Wir vertrauen auf das Ziel, das alle, die hier scheiden, erreichen sollen.

Wir freuen uns mit Jerusalem, dass Frieden und Heil keine Gedankenbilder bleiben, sondern in unumstößlicher Wahrheit einkehren und sich ausbreiten werden.

 

In Deiner Gegenwart lass uns so Deinem Reich dienen.

In Deinem Reich lass uns so in Deiner Gegenwart leben.

 

Schenke Israel und allen Völkern,

schenke jedem Menschen das Bürgerrecht Jerusalems,

die Heimat  und den Frieden der künftigen Stadt.

In ihre Tore lass uns treten

und Dich dort preisen,

der Du heilig bist, in Ewigkeit.  



Die Fragestellung der Predigt berührt weniger die katholisch-evangelische Kontroverse als die höchste seltsame, kritische und dennoch unvermeidliche Frage, was das Land Israel, die Stadt Jerusalem und der Tempel darin – zweifellos zentralste Inhalte des Alten Testaments – für uns als Christen bedeuten können?

Enorm problematisch ist seit jeher jede Form der christlichen „Land-Theologie“ – einerlei, ob sie im Gefolge der mittelalterlichen Kreuzzüge brachiale Aneignung propagiert (man vgl. etwa das sog. „Palästina-Lied“ Walthers von der Vogelweide), ob sie einfach nur die konkreten Gegenstände der biblischen Heimat- und Friedensverheißung spiritualisiert (was durch alle Jahrhunderte der Kirche gängige Methode war und bis heute unvermeidlich, ja auch berechtigt ist und dennoch Wesentliches verfehlt) oder ob man gar eine Variante des christlichen „Zionismus“ übernimmt, der sich z.Zt. in Nord- und Südamerika enorm ausbreitet und verheerende politische Folgen in seiner militanten Parteinahme für Parteipolitik etwa in den USA und im heutigen Staat Israel zeitigt. In alle Richtungen bleibt die Frage nach dem Land, den Orten, den realen Topoi der biblischen Theologie also schwierig, vielleicht kaum lösbar … ganz gewiss aber zentral. Denn an ihr hängt die Konkretion, die Weltlichkeit und Wahrhaftigkeit unseres Glaubens und unsere Hoffnung.      

Gesungen wurde das u.a. in Knapps Evangelischem Liederschatz für Kirche und Haus (Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1837, No.1119) allerdings ohne Verfasserangabe und gekürzt unter der Rubrik „Kirchweih“ überlieferte Lied „Ach wie heilig ist der Ort!“, das aber bspw. im Evgl.-lutherischen Gesangbuch für die Fürstentümer Reuß, Greiz und Gera 1922, unter No.196 korrekt Benjamin Schmolck zugeschrieben wird.

 

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