Liebe Gemeinde,
der Evangelist Johannes beschreibt den Ostermorgen mit einem bemerkenswerten Detail: „Am ersten Tag der Woche kommt Maria von Magdala früh, als es noch finster war, zum Grab“ (Joh 20,1).
Wir feiern Ostern im Frühling und daher verbinden wir das Fest oft mit gelben Osterglocken, dem frischen grünen Gras oder strahlender Sonne auf blauem Himmel. Doch Maria Magdalenas Ostermorgen fängt anders an. Maria steht in der Dämmerung auf, alles ist grau. Ihr Blick ist tränenschwer, das Herz betrübt und sie weiß nicht, wie es weitergehen wird.
Doch Maria wartet nicht, bis die Sonne aufgeht. Irgendetwas, irgendeine Kraft schiebt sie aus dem Bett. Maria bricht auf und geht los, als es noch finster ist, in der Stadt und in ihrem Herz.
Als Maria noch in der Dunkelheit unterwegs ist zum Grab von Jesus, da hat das Neue schon angefangen. Das Neue beginnt oft schon, auch wenn wir das Licht noch gar nicht sehen können.
Viele von uns haben schon dunkle Zeiten erlebt und manche stecken auch gerade drin:
- Die Zeit der Sorge, in der wir noch keine Lösung sehen.
- Die Trauer, die sich wie eine endlose Nacht anfühlt.
- Die Momente des Zweifels, in denen Gott fern scheint.
- Die Verzweiflung über den Zustand der Welt.
Ostern ist das Versprechen Gottes: Siehe ich mache alles neu. Die Ewige ist schon mit ihrer Schöpfungs- und Neuschöpfungskraft am Werk, während wir noch im Dunkeln tappen.
Die Auferstehung geschah im Schutz der Dunkelheit. Als Maria zum Grab kommt, ist der Stein schon weggewälzt und Gott hat Jesus auferweckt. Es ist schon alles neu geworden. Die Verwandlung der Welt hatte bereits stattgefunden, lange bevor Maria es verstehen oder gar sehen konnte.
Manchmal stehen wir als einzelne Menschen, als Kirche oder auch als Welt im Schatten der Dunkelheit, am Ende eines Weges oder am Ende unserer Ideen und Pläne, damit alles gut wird.
Genau dann feiern wir Ostern.
Wir feiern in diesem Jahr einen Auferstehungsgottesdienst morgens um 5.00 Uhr. Wir gehen im Schutz der Dunkelheit in die Kirche, wir hören die alten Geschichten, wie Gott alles gemacht hat, und dann hören wir die Geschichte, wie Maria zum Grab geht und den Engel trifft, der sagt: „Jesus ist nicht hier. Jesus ist auferstanden!“ Dann zünden wir die Kerzen an und durch die Kirchenfenster dringt langsam das Licht der Sonne zu uns hinein.
Jesus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!
Ostern ist das Versprechen, dass Gottes Schöpfungskraft mitten in unserem Zweifel, in unserer Angst und in unserem Tod am Werk ist. Gottes Weg ist mit uns Menschen, mit unserer Kirche und mit unserer Welt ist noch nicht zu Ende.
Wir feiern zusammen Ostern, damit wir Mut und Vertrauen fassen in Gott. Lassen Sie uns die Hoffnungsspuren, kleinen Neuanfänge und das Leben entdecken, wo es auf einmal da ist.
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Osterfest,
Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!
Ihre Pfarrerin Petra Brunner

(foto: b.henter)
Das Neue beginnt oft schon, auch wenn wir das Licht noch gar nicht sehen können.