Karnevalsgottesdienst, 08.02.2026, "Nostalgie im Wüstensand auf dem Weg ins neue Land", Mutterhauskirche, Peter Krogull
Büttenreden-Predigt von Pfarrer Peter Krogull: „Nostalgie im Wüstensand auf dem Weg ins neue Land“
Liebe Närrinnen und Narren hier in Kaiserswerth,
dachtet ihr auch im Januar: „Ich glaub, mich tritt ein Pferd?“
Drei Tage war das neue Jahr erst alt,
da hat es in Venezuela schon geknallt.
Maduro wird von Trump gefasst,
das Völkerrecht wird schnell geschasst.
Nun will der Donald Grönland haben,
und sich auch dort an den Rohstoffen laben.
Doch auch in Deutschland spielten manche verrückt:
Besonders die Berliner waren nicht entzückt,
als man ihnen den Strom abstellte,
und sich zur Dunkelheit auch noch die Kälte gesellte.
Da möchte man gar nicht mehr die Nachrichten sehen.
Wer kann denn noch diese Gegenwart verstehen?
Da schaue auch ich lieber in die Vergangenheit zurück
und suche in meinen Erinnerungen das Glück.
Schön war die Zeit, als Düsseldorf war schuldenfrei,
als die Fortuna spielte nicht in Liga Zwei.
Schlittschuh konnte man im Winter draußen laufen
und sich für eine D-Mark drei Eiskugeln kaufen!
Deshalb kann ich mich gut in die Israeliten hineinversetzen,
als sie nach dem Schilfmeer durch die Wüste hetzen
und sie auf einmal die Sehnsucht übermannt
nach dem alten Sklavenhaus Ägyptenland.
„So schlimm war es damals doch gar nicht dort.
Wenigstens gab es etwas zu essen an diesem Ort!
Besser unfrei und ein armer Knecht,
als vogelfrei und vor Hunger geschwächt!“
Ihrem Befreier wollten die Israeliten an den Kragen.
„Mose, wie konntest du es denn nur wagen
uns aus der Sicherheit zu führen?
Ach, wären wir doch wieder hinter Gefängnistüren!“
Wisst ihr, wie man diese Denke nennt?
Die sich nach der Vergangenheit sehnt und darüber die Gegenwart verpennt?
Der Name dieser Einstellung ist Nostalgie.
Warum sie so verbreitet ist? Nun, hier kommt meine Theorie:
Die Erinnerung des Menschen ist manchmal wie ein Sieb.
Was schön war und was gut war und was lieb,
das bleibt drinhängen und das prägt sich uns ein.
An das Schlechte und das Schwierige erinnert sich oft kein Schwein.
Das Negative sickert durch, das Unschöne wird verdrängt,
Denn im Oberstübchen ist es oft ziemlich beengt.
So färbt sich die Vergangenheit rosarot,
Was dazu nicht passt, bekommt Aufenthaltsverbot.
Auch die Israeliten litten unter diesem Gedächtnisverlust.
Denn in der Wüste gab es ja nicht nur Frust.
Gott schenkte ihnen Manna und auch Wachteln.
An jedem Tag hatten sie da etwas zu spachteln!
Doch gottvergessen wie sie waren,
sehnten sie sich nach bleibenden Waren.
Das tägliche, himmlische Gottesbrot
war nur der Stopfen in der Not.
Doch will ich nicht nur auf den alten Israeliten herumhacken.
Wir heutzutage haben doch auch unsere Macken!
Kollegin Heimann sprach schon den Wohlstand an.
Und ich nehme jetzt unsere Kirche dran.
Denn auch in der Gemeinde Jesu, unseres Herrn,
da hat man die Nostalgie gar schrecklich gern.
Da sehnt man sich auch nach der guten alten Zeit zurück
und verliert dabei das Positive der Gegenwart aus dem Blick.
Ein Beispiel gefällig? Gerne, kommt sofort:
Ich denke hier an diesen Ort:
„Was sind die Gotteshäuser heutzutage leer!“
Sehr oft höre ich diese alte Mär!
Dabei sind die Kirchen oft gut besucht,
wenn man mal etwas Neues versucht.
Und außerdem ist dieses Lamentieren ein alter Hut.
Schon im 18. Jahrhundert kannte man dieses Jammern gut!
Im Gesangbuch findet sich von 1711 ein Lied.
Wisst ihr, was damals ein Pastor schrieb?
„Man höret immer Deine Klage, dass Dein Haus nicht will werden voll.“
Früher war also nicht alles besser. Manche Probleme sind richtig oll!
Ganz in diesem Sinne hat Guido Mingels ein Buch geschrieben,
um das Hier und Heute mehr zu lieben.
„Früher war alles schlechter“ ist der Titel von seinem Band.
Damit die Nostalgie hält endlich mal den Rand!
Mingels erzählt da ganz faktenbasiert,
worin die Gegenwart über die Vergangenheit triumphiert.
Zum Beispiel beim Thema Kindersterblichkeit.
Viel verbreiteter war früher dieses Leid.
Und das Leben der Kinder war früher auch kein Zuckerschlecken.
Kinderarbeit und Analphabetismus in Deutschland an allen Ecken.
In solche Zeiten träumt sich wohl niemand zurück.
Heute zu leben ist manchmal ein Glück.
Und das ist auch in der Kirche so.
Über manche Veränderungen bin ich richtig froh!
Denken wir nur an den Bund fürs Leben!
Früher hat es da viele konfessionelle Probleme gegeben!
Wenn sie war katholisch und er Protestant,
wurde man manchmal dafür fast verbannt!
Zum Glück herrscht bei diesen Unterschieden
heutzutage meistens Frieden.
Dass früher nicht alles besser war,
mache man sich an der Ökumene klar.
In ganz vielen Seelsorgebereichen
kann man uns nur noch ökumenisch erreichen!
Am Telefon oder in der Notfallsituation:
Wen interessiert die Konfession da schon?
Noch viel mehr können die Kirchen da zusammenwachsen
und aufhören mit den trennenden Faxen!
Auf diesem Weg ist ein richtig guter Schritt,
der Rosemontagszug. Bei dem machen nicht nur die Kirchen mit!
Viele Religionen sind beim Toleranzwagen an Bord!
Nicht alle praisen unseren Lord.
Hauptsache sie stehen für die gemeinsamen Sachen ein:
Tolerant sein und Kamelle werfen. So muss es sein!
Der Toleranzwagen tut es allen kund:
Ejal wat kütt – Mer bliewe bunt!
Ejal, ob der Putin will unseren Wagenbauer verklagen,
Niemand geht unserer Meinungsfreiheit an den Kragen!
Ejal, ob die Rechten sehnen sich nach Remigration.
Dass da nichts Gutes rauskommt, lehrt uns die Geschichte schon.
Einander lieben und nicht hassen.
Niemanden verteufeln, Vorurteile lassen.
Klarer als Jesus kann man es nicht sagen.
In eine gute Zukunft fahren wir auf seinem Wagen.
Bei Jesus sind alle Menschen willkommen,
die frechen und die superfrommen,
egal ob Mann oder Trans oder Frau,
egal ob du Alaaf schreist oder Helau!
Jesus liebt seine Gemeinde bunt.
So halte ich nun meinen Mund.
Und sage zum Ende nur noch ein Wort:
Natürlich „Amen“, immer passend an diesem Ort.
Wobei an Karneval wäre es auch ganz schlau,
am Ende gemeinsam zu rufen: Kaiserswerth: Helau!
Mutterhauskirche Helau!
Düsseldorf Helau!
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