Konfirmationen, 25.09.2021, Mutterhauskirche, Epheser 1,18, Jonas Marquardt

Predigt Konfirmation Mutterhauskirche 25.IX.2021                                                                                      

                          Epheser 1,18

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde!

Noch ein Augenblick und Ihr seid dran – mit Eurer Konfirmation!

… Das ist übrigens ein ziemlich schöner deutscher Ausdruck, dass wir eine kurze Zeit nicht nur ein „Handumdrehen“ nennen oder bloß sagen „Eine Sekunde noch“ (was sowieso immer gelogen ist!), sondern dass wir vom „Augenblick“ sprechen. Wie lange man sich etwas anguckt, ist nämlich nicht nach der Uhr zu messen. Manchmal ist so ein Draufschauen ganz kurz … einige von Euch haben so die Zehn Gebote oder einen Psalm oder etwas anderes gelernt: Hinsehen, inneren Screenshot machen und gespeichert.

Und manchmal kann man etwas noch so lange anstarren, ohne mit der Wimper zu zucken und es bleibt trotzdem sehenswert und voller Entdeckungen.

Augenblicke sind also sehr unterschiedlich. Und manche von Euren älteren Verwandten, die sich heute zurück an ihre eigene Konfirmation erinnern, werden Euch sagen, dass ihnen das ganze Leben gar nicht so wahnsinnig lang vorkommt, aber es Augenblicke darin gab, die wie festgefroren oder eingegraben sind: Wunderbare Momente, … aber auch furchtbare Schockerlebnisse. Manches, das ganz kurz war, bleibt so lebendig und entscheidend, dass Jahre nichts ändern an der Wichtigkeit eines solchen Augenblicks.

Auf Euch kommt das auch zu. Die Tage, in denen Ihr erlebt, was der andere schöne altmodische Ausdruck bedeutet: „Schöne Augen machen“. Wenn man sich nicht satt sehen kann.

Oder wenn man plötzlich das erkennt, was die Lösung einer schweren Aufgabe, einer furchtbaren Frage war. Oder wenn das Leben insgesamt so rundum herrlich ist, dass man wie ein rastloser Irrer (Goethes Faust nämlich) plötzlich zu einer bestimmten Situation sagen könnte: „Verweile doch, du bist so schön“.

… Aber es kommen auch Augenblicke, die Ihr lieber vergessen würdet. Wenn etwas nicht mehr zurückzudrehen ist. Wenn etwas wehtut, das in diesem Leben nicht mehr heilen kann.

… Und sehr, sehr viele andere Augenblicke und Sehenswürdigkeiten und Einsichten und Ansichten und Absichten und Aussichten kommen auf Euch zu, bei denen Ihr die Übersicht gewinnen oder verlieren werdet und Eure eigene Sicht der Dinge sich formt und festigt.

Ihr werdet ja sehen.

… Werdet Ihr wirklich. Weil Ihr in einer Zeit heranwachst, die so viel mehr Visuelles bietet und verbindet als jemals denkbar war. Das muss ich Euch nicht erklären, das könnt Ihr mir viel besser beibringen. Blitzschnell, weltweit, durch und durch kann man alles sehen und sehen lassen. Nichts bleibt verborgen. Alles steht allen vor Augen. – Stimmt’s? ——

Natürlich nicht.

Habt Ihr je ein Bild von morgen gesehen? – Trotz aller Sciencefiction: Noch nie! Es waren nur Entwürfe, Ahnungen. Aber nie konnte man erkennen, was wirklich um die Ecke des nächsten Tages, der nächsten Zeit wartet. Das hat die ganze Welt in den vergangenen Jahren – für Euch so wichtigen Jahren! – ja kapieren müssen. Von der Zukunft haben wir trotz allem kein Bild! …. Wann könnte man das nun aber so ehrlich und drängend festhalten wie am Vorabend einer so offenen und spannenden Wahl?!

Ein bisschen ist uns aber obendrein - Ihr habt’s an mir gemerkt - in dieser maskierten Zeit auch noch das Bild von anderen Menschen abhandengekommen: Viele schwarze Kacheln, viele halbe Gesichter, viel weniger Neues als sonst … jedenfalls in echten Begegnungen. Das wird sich hoffentlich wieder ändern. Ihr werdet Unbekannte und Unbekanntes kennenlernen und über die Menschen und Euch selbst dadurch viel mehr erfahren, als wenn man nur immer auch sich guckt oder bloß auf Vertrautes stößt.

Aber wieder stellen wir fest: So unglaublich viel uns auch im Netz und auf der Netzhaut vorschwebt … wir sind längst nicht die Sorte Hellseher, denen wirklich alles klar wäre.

Geheimnisse und Unerkennbares bleiben jede Menge.

Und wenn Ihr daran geht, diese blinden Flecken aufzufüllen, wenn Ihr das, was man noch nie klargekriegt hat, klärt – und ich fürchte, Ihr werdet ziemlich vieles, was einigermaßen trüb ist, heller und besser machen müssen auf dieser Erde –, dann wäre es ganz gut, wenn Euch von diesem Tag, an dem Ihr zu Gott „Ja!“ gesagt habt und Er zu Euch „Amen!“, ein Bild vor Augen stünde. … Das Bild, das niemand hier machen kann – und auch nicht soll.

Erinnert Ihr Euch? Von Gott soll man sich kein Bild machen, so lautet das 2.Gebot. Das ist - wie auch die anderen Gebote Gottes - in erster Linie kein Verbot, sondern eine Verschonung: Ein sinnloser Kampf, ein blödsinniger Krampf wird ausgeschlossen durch die Erinnerung daran, dass es keine Kunst und keine Technik auf der Erde gibt, die an Gott rankommen. Man kann noch so angestrengt alles filmen, alles zoomen, alles knipsen: Kein Close-up und kein Weitwinkel, kein Filter und keine andere unserer Aufzeichnungsmöglichkeiten können uns zeigen, dass Gott bei Eurem Fest hier ist und es wird sich auch nichts entwickeln lassen, was dann eines Tages beweisen würde, dass Gott hier oder da oder überall anwesend war oder bleibt. Das ist sicher.

Und doch wünsche ich Euch, … bitte ich Euch, dass Ihr das Bild von Gott in Erinnerung haltet, um gut durch’s Leben zu kommen und in der Welt das Nötige und Wichtige tun zu können, das auf Euch wartet. Das Bild, das keiner machen kann.

Das aber eben auch niemand machen muss.

Weil Gott es Euch schenkt. Heute, gleich in einem Augenblick, … für alle Tage.

Er nimmt dabei nichts an Euren Augen vor. Dahin, wo Gott sein Bild nun projiziert, reicht unser Blick sowieso nicht.

Gott speichert es heute nämlich anders in Euch. Ihr müsst dafür gar nichts Besonderes unternehmen oder leisten.

Ihr wisst ja, dass Ihr hier nicht einmal viel aufsagen oder vorturnen müsst.

Ihr sollt nur gesegnet werden. Und in diesem Segen, den man auch nicht aufzeichnen oder festhalten kann, da senkt sich das Bild ein, auf das Ihr Euer Leben lang zurückkommen sollt, … das sich Euch plötzlich zeigen wird, wenn Ihr gar nicht dran denkt, das immer noch von sich aus leuchtet, auch wo kein Licht ist und das Euch einzigartig helfen wird, … wo Ihr meint, Ihr hättet alles im Blick, genauso wie da, wo Ihr meinst, es gäbe nichts mehr zu erwarten.

Gott legt in Euer Leben heute den Segen der Hoffnung.

… Hoffnung … das heißt mit noch so einem schönen deutschen Wort: Zuversicht.

Vielleicht hört Ihr daran, dass Ihr immer etwas, … nein: Jemanden haben werdet, zu Dem Ihr sehen, auf Den Ihr erwartungs- und vertrauensvoll blicken dürft, Der Euch etwas von sich zeigen und geben wird, das Euch weiterbringt.

Die Zuversicht, der Blick, der nicht in’s Leere geht, sondern Wege und Ziele zeigt, wird Euch im Segen eingepflanzt. Das bedeutet logischerweise, dass Ihr als Gesegnete sicher Zeiten ohne klare Wegvorstellung und ohne erkennbares Ziel erleben werdet. Das werden Zeiten sein, in denen Ihr total beschäftigt seid und darum nicht weiterdenkt, als nur das zu schaffen, was gerade nötig ist. Es können auch Zeiten sein, in denen Ihr Euch ganz leer fühlt oder allein oder gelähmt. Es können weltweite Pandemiezeiten oder Eure persönlichen Olympiaden sein – und manchmal fällt beides ja sogar zusammen.

Aber in solchen Zeiten - und in allen anderen auch! - wird unversehens das, worauf es sich zu sehen lohnt, erscheinen: Die unglaubliche Liebe, die Gott zu einem Menschen werden ließ und die jeden Menschen umfasst. Die unglaubliche Liebe, die Gott in Jesus mitten in sämtliche Extreme, auch extreme Leiden des menschlichen Lebens brachte, um in jeder Situation bei den Menschen zu sein. Die unglaubliche Liebe, die keinen Menschen als etwas, das vorbeigehen und verschwinden kann, betrachtet, sondern jedem, der das will die Ewigkeit auftut, um für immer Gutes und Barmherzigkeit zu erfahren.

Diese unglaubliche Liebe, die in Jesus Christus geboren wurde, litt und starb und auferstand, um bei uns allen zu bleiben und uns alle zu sich zu ziehen: Die legt Gott heute in Eurem Leben fest an, weil Ihr sie begehrt und bejaht, weil Ihr sie bestätigt („konfirmiert“!) und annehmt.

Und sie wird sich in unzähligen, unerwarteten, unbeschreiblichen Bildern zeigen … dann, wenn Ihr sie braucht.

Das ist es, was Ihr mitnehmen solltet in’s Leben: Die Gewissheit, dass alles, was kommt und alles, was Ihr machen und werden könnt, so etwas wie ein Rahmen ist, in dem das Bild erscheint, wenn es nötig sein wird: Dass Ihr geliebte Menschen seid, die Gott niemals zu lieben aufhören wird.

Ihr werdet es sehen.

Jedes Mal neu.

Immer anders.

Auch wenn Ihr es kaum glauben und selber nicht suchen könnt.

Denn es ist kein Bild, das von uns Menschen hergestellt werden muss.

Gott wird Euch erleuchten, bis in die Tiefen Eures Herzens. So dass Ihr erkennen könnt, zu welcher Hoffnung Ihr berufen seid – von heute an, in jedem Augenblick und in alle Ewigkeit!

Amen.        

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