Tag des Evangelisten Markus, 25.04.2021, Mutterhauskirche, Jesaja 52, 7 -10, Jonas Marquardt

Predigt Mutterhauskirche (Jubilate) Tag des Evangelisten Markus[i] - 24.IV.2021                                                

                                     Jesaja 52, 7-10

Liebe Gemeinde!

Der Trostprophet Jesaja hat in der Bibel als Erster den Begriff des Evangeliums geprägt: Als Zeuge einer Zeit, in der Juda seine eigene Geschichte als unabhängiges, zeitweise glänzendes kleines Reich zwischen der Wüste und dem Meer hinter sich hatte und in den breiten Strom der Weltgeschichte gerissen worden war, fiel es diesem Propheten zu, den Blick der entwurzelten Kinder Israel vom früher Vertrauten zu lösen und zum Vertrauen auf Kommendes zu lenken. Dafür aber gebrauchte er zu wiederholten Malen einen Wortstamm für das verheißungsvoll Neue, der in der griechischen Übersetzung mit „Evangelium, evangelisieren, Evangelisten“ wiedergegeben wird (vgl. Jes40,9; 52,7; 60,6; 61,1) – im babylonischen Exil!

Wenn wir also fragen, was „Evangelium“ sein sollte, dann lernen wir an diesem Ursprung: Evangelium ist Zukunftsmusik in der Krise, Aufbruchshoffnung für die Gelähmten, Lebensermutigung gegen die Resignation. Und Jesaja ist der Erste, der das buchstabiert hat.

Doch das erste Buch dieses Namens und dieses Inhalts hat ein anderer geschrieben. … Ohne Vorbilder – außer der Erfahrung des Jesaja, dass die, die sich von Gott verlassen sehen, unendlich auf eine gute Nachricht warten. Ohne Vorbilder hat der erste Evangelist geschrieben: Ein Werk, für das es noch keine Gattung gab, für das es keine Vorlage gab, keine Form, weil es nur von seinem Inhalt getragen sein würde … und dieser Inhalt wiederum sprengt jede vorgegebene Form: Dass in einer menschlichen Lebensgeschichte ein solches Wunder stecken sollte wie das Reich Gottes selbst, dass in einer menschlichen Todesgeschichte ein solches Wunder stecken sollte wie der Sieg über den Tod, ... dafür gab es keine logischen, wiedererkennbaren Stilmittel. Wer das beschreiben wollte, dass der große Gott in einem kleinen Menschen begegnen und ein Leben nach dem Tod sich durch eine Hinrichtung als wahr erweisen würde, … wer das beschreiben wollte, der musste Unendliches – buchstäblich: Ewiges! – wagen, ohne andere Methoden als die Allergewöhnlichsten zu haben: Eine Biographie, einen Lebensbericht konnte er verfassen, wie die antiken Autoren das so häufig für die großen Männer ihres Zeitalters versuchten, … doch in einer so missverständlichen Gattung war nun nicht von einem Helden zu berichten, sondern von einem Geheimnis, nicht große Taten galt es zu schildern, sondern arme Leiden, nicht das ferne Vorbild war zu zeigen, sondern die nackte Gegenwart Gottes. …….

Wer sollte so etwas wagen – ohne theologische Kniffe, ohne poetische Freiheit, ohne mythologischen Schwulst – … wer sollte in historischer Prosa, in der Sprache weltlichen Alltags das Portrait Gottes fassen?

Furcht und Zittern musste den ankommen, der diese verrückte Aufgabe, unendliche Freude in der traurigen Endlichkeit, „Evangelium“ also als Zeitgeschichte aufzudecken, vor sich sah.

Die Kirche hat darum gut gewählt, wenn sie dem ersten der Evangelisten, wenn sie Markus als sein Symbol aus den himmlischen Kreaturen, die seit der Berufungsvision des Propheten Hesekiel (1,10) die direktesten Zeugen Gottes verkörpern, den Löwen zuteilte. Weil Markus genau das erfuhr, was der Löwe auslöst: Ehrfürchtigen Schock. Überwältigende Atemlosigkeit vor einem majestätischen Wunder, das uns zwischen Andacht und Panik in der Waage hält und in erstarrtes Rasen, stummes Schreien, allerlebendigsten Herzstillstand versetzt.

So hat Markus Jesus gesehen: Staunend, bis zur Selbstvergessenheit.

Darum hat er aber auch kein abgerundetes, ausgefeiltes, durchkomponiertes Werk aus dem verwunderten Blick auf diesen königlichen Sklaven, diesen besiegten Befreier, diesen gescheiterten Messias, diesen unauflösbar rätselhaften Offenbarer Jesus Christus machen können, sondern ein Werk ohne Anfang und ohne Schlusspunkt geschrieben, ein Werk, das unvermittelt anfängt und unvermittelt abbricht. Statt Weihnachtsgeschichte nur: „Und es begab sich zu der Zeit, dass Jeus aus Nazareth in Galiläa kam“ (1,9) …, statt Osterbericht bloß: „Und sie sagten niemandem etwas, denn sie fürchteten sich“ (16,8)[ii].

Und zwischen diesen losen Enden, die der Pionier des Evangeliums nicht kunstvoll zu gestalten, ja nicht einmal sinnvoll zu verbinden wusste ……. zwischen diesen Bruchstücken einer von Menschen nicht zu bändigenden, nicht zu ordnenden, nicht zu beherrschenden Unmittelbarkeit steht bei Markus einfach nur Jesus da.

Nicht also, was Markus geschrieben hat, sondern was Jesus ist, ist „das Evangelium“.  

Darum durchzieht den ersten Bericht von der allesentscheidenden Frohen Botschaft auch ein so sonderbares Motiv: Ein Schweigegebot (vgl.1,44; 3,12; 5,43; 7,36;8,26+30!; 9,9; 11,33!), das Jesus gleichzeitig mit seinen wunderbaren Heilungen und Rettungen den Erlösten und ihren Zeugen einschärft, und eine Spur immer getrübterer Missverständnisse, Aggressionen und Blockaden gerade auch bei denen, die Jesus nahestehen (3,21; 4,12; 4,40; 6,5; 7,18; 8,17f; 9,19+32; 10,14+32; 11,18; 12,34).

Diese unentwirrbare Schwierigkeit, Jesus zu erkennen – die in der Forschung „das Messiasgeheimnis“ des Markus genannt wird – verdeutlicht auf ihre Weise, dass hier etwas beschrieben wird, das sich vom Schreiber nicht erklären lässt, … dass etwas berichtet wird, das auch der Berichterstatter nicht deuten kann. Es wirkt also unabhängig von dem, der es wiederzugeben versucht.

Dem Markus ist demnach offenkundig während er es noch verfasst bewusst, dass er das Evangelium nicht selber hervorbringen kann. Wenn das, was er aufzeichnet, trotz der Furcht vor dem Wunder, trotz des Zitterns vor der Wahrheit, die es durchziehen, dennoch spricht, dann weil es sich selber auslegt: Weil Jesus das Evangelium ist! ———

Dieser zögernde, selbst zweifelnde und selbstzweifelnde Dienst, den Markus damit verrichtet, fügt sich in das schemenhafte Bild, das wir gewinnen, wenn wir das ganze Neue Testament nach diesem ersten, unbeholfenen, unsicheren Freudenboten durchsuchen[iii].

Da wird uns von einem jungen Mann aus Jerusalem berichtet – Johannes, mit dem lateinischen Beinamen „Markus“ –, dessen Mutter Maria ein Haus besaß, in dem die anfängliche christliche Gemeinde einen Zufluchtsort, ja wohl sogar eine der allerersten Hauskirchen einrichten durfte: Es ist die Tür, an die der Apostel Petrus klopfte, als er wunderbar aus dem Kerker des Herodes befreit worden war (vgl.Apg.12,12).

Das aber war eine Schicksalsnacht der ganzen Urgemeinde, denn dass der Erste der Jünger nicht einfach spurlos in einem Verlies verschwand, sondern dass die ungeheure Rettungskraft des Herrn unübersehbar an ihm wirksam wurde, das setzte einen solchen Mut-Schub, eine solchen Aufbruch zur Freude des Weitersagens frei, dass sie zum Auslöser der ersten christlichen Missionsreise wurden! … Und wer war als Gehilfe dabei? – Der Sohn aus gutem Hause, Johannes, mit dem Beinamen Markus diente auf dieser ersten Missionsreise als Gehilfe des Saulus, nun Paulus und des Barnabas (vgl. Apg.12,25;13,5). Er war also in seiner Person ein leibhaftiges Bindeglied zwischen Petrus, dem Apostel für die Juden und Paulus, dem Apostel der Völker.

Dabei wird es sein Vetter Barnabas (vgl. Kol.4,10), der Levit aus Zypern gewesen sein, der den Jüngling als zwar schüchternen, aber doch brennenden Jerusalemer Christusboten in die Weite des Erdkreises mitnahm.

Johannes, genannt Markus hatte allerdings Heimweh. Nach der ersten Wanderschaft - und Seefahrt - der christlichen Verkündiger, die von Syrien bis Zypern führte, trennte der junge Mann sich von den Missionaren, weil es ihn zurück nach Jerusalem zog. Paulus zürnte ihm deswegen (vgl. Apg.15,37f), und es dauerte bis in die letzten Jahre des Apostels der Heiden bis wir von einer Versöhnung zwischen ihnen hören (vgl.Kol.4,10). Damals war Markus wohl in Rom, bei Paulus, dem gefangenen Sendboten Christi; und da auch Petrus aus seiner Gefangenschaft in der Welthauptstadt, die für ihn „Babylon“ hieß, in seiner Epistel von „seinem Sohn Markus“ grüßt (1.Petr.5,13), scheint es am Ende der neutestamentlichen Missionsgeschichte wie an deren Anfang wieder der selbe - wenngleich leicht zu übersehende - Mensch zu sein, der zwischen Petrus und Paulus, den beiden Säulen der ersten Christenheit der vermittelnde Vertraute war[iv].

Nach dieser biblisch dokumentierten Zeit, als die beiden Apostel in Rom schon das Martyrium erlitten hatten, geht der Weg des Markus weiter im Reich der Erinnerungen und der Legenden, in denen die Kirche seines Wirkens gedachte. Er soll der Vater der koptischen Kirche in Ägypten geworden sein, der erste Bischof des großen Patriarchats von Alexandrien.

Und seine Gebeine sollen heute durch Piraterie in Venedig und auf der Bodenseeinsel Reichenau durch Raub ruhen[v], an glänzenden Mittel- und Knotenpunkten der europäischen Kultur also.

Weltbewegend kirchengeschichtlich scheint demnach sein Leben und sein Nachleben, ein Pionier des Evangeliums, ein Pilgervater der Mission, ein Patriarch der Glaubensüberlieferung. Markus – also doch: „Der Löwe“!? Gggrrrrrhhhh! ……..

Aber was ist mit seinem Heimweh nach Jerusalem als es ihn in die Welt verschlug!

Was mit seiner Schüchternheit, seiner Unsicherheit als junger Mensch der zweiten Generation, der nicht Augen-, sondern Ohrenzeuge und also unselbständiger Berichterstatter, Evangelist auf den Schultern der Apostel war und bis zuletzt eigentlich nicht wusste, wie das gehen soll – von Jesus Zeugnis abzulegen – und woher das kommt, was ihn zeitlebens vom Haus seiner Mutter an bis in das himmlische Vaterhaus antrieb! …….. —

Auch an Markus selbst werden ja alle Versuche, Geschichte als die Schicksale und Taten großer Menschen zu begreifen, hinfällig. Es bleibt etwas zu Reserviertes an ihm, eine Eigenschaft der Nebenfigur, eine Eignung für den Hintergrund.

Doch das ist nicht von Ungefähr: Es gibt im Neuen Testament nämlich noch einen weiteren Hinweis auf Markus[vi]! Er hat an dem, was man einen zentralen Tatort der Heilsgeschichte nennen muss, wohl eine Spur hinterlassen: Was er dort verlor, war … seine Würde.

Es gibt nämlich (nur) in seinem Evangelium die völlig rätselhafte Notiz, dass in Gethsemane, in den chaotischen Viertelstunden zwischen Christi Verlassenheit in Todesangst und dann seiner turbulenten Verhaftung ein Jüngling, der ihm nachfolgte, bekleidet bloß mit einem Leinentuch über der nackten Haut im Handgemenge willkürlich mitverhaftet werden sollte und sich den Schergen nur entziehen konnte, indem er das Tuch in ihren Händen ließ und floh (14,51f).

Wie sollte aber das Aufblitzen dieser sonderbaren Nebenhandlung anders zu erklären sein, als durch die persönliche Verwicklung des Markus in das hochnotpeinliche kleine Zwischenspiel … vielmehr seine persönliche Entblößung?!

… Er war also doch dabei. Versteckt, wie manche andere, … jedoch mit der Neugier eines jungen Menschen, der hoffen und verzweifeln kann wie später im Leben kaum noch. … Aber dann ging es drunter und drüber. Und die ganze Faszination, die ganze Gänsehaut und Spannung des großen Erlebnisses wich der demütigenden Erfahrung, dabei eine so erbärmliche Figur gemacht zu haben.

Die Beinah-Nähe zum zentralen Geschehen des Evangeliums wurde für Markus zur Erfahrung der eigenen Blöße.

Und das macht ihn aus!

Markus, der Unsichere, der Zauderer und schutzlos in die Nacht Stürzende, … Markus, der aus dem zitterigen Staunen nicht rauskommt ist der Evangelist, der das Evangelium nötig hat.

Nicht Johannes – Theologe, Lieblingsjünger, Mystiker.

Nicht Lukas – sanfter ärztlicher Mitfühlender mit den Bescheidenen und Stummen.

Nicht Matthäus – schriftgelehrter Meister christlicher Ethik.

… Sie alle haben die Botschaft von Jesus Christus für ihre jeweiligen Gemeinden auf den Punkt zu bringen vermocht.

Markus dagegen hatte nur die lebenslange Erinnerung an Verwirrung und Verlegenheit … eine nie nachlassende Erschütterung über die Tatsache, dass trotz all seines eigenen Versagens durch Furcht und Halbherzigkeit und Missverständnis die Gestalt Jesu für ihn nicht im Dunklen jener Nacht verschwamm, sondern Licht und Leben, Kraft und Klarheit ausstrahlte.

Er war ja so wenig ein Glaubensheld wie er ein Schreibkünstler war. Er blieb angewiesen darauf, jene Botschaft zu empfangen, die er als Erster versuchte auszurichten: Dass Gottes Gegenwart, Gottes Zukunft ihm galten, der Reißaus nahm und aus eigener Kraft nie eine wirklich letzte Gewissheit zustande brachte.

Doch gerade diese Zerrissenheit des Markus, diese Spannung zwischen dem Feuer einer elektrisierenden Botschaft und der Dämpfung durch die eigenen Widerstände lässt ihn als biblischen Menschen schlechthin vor uns erscheinen.

Denn dieser Johannes Markus, der nachfolgt und flieht, der sich in der Stunde der Anfechtung tapfer geben will und doch bloßgestellt wird, der eifrig aufbricht und begossen umkehrt ist ein echter Sohn seiner Heimatstadt Jerusalem, ein echter Israelit: Keine vollkommenen Auserwählten hat Gott da in seiner ersten Umgebung, in seinem ersten Bund.

… Und darum konnte auch der erste Zeuge des anderen, des für alle Völker erweiterten Bundes kein Ideal ohne Fehl und Tadel sein, sondern nur einer, der wie Jerusalem, wie Israel das wirklich braucht, was in ihrer Geschichte immer und immer wieder wirklich auch geschieht: Offenbarung und Schuld und Vergebung, Wunder und Weitergehen, … so, dass man nur ehrfürchtig staunen kann vor dem überwältigenden Entgegenkommen des Himmels, der Israel und seiner Blöße so tröstlich begegnet.

Zurecht hat darum die Kirche seit mehr als tausend Jahren am Markustag, dem letzten möglichen Osterdatum des Kalenders die Evangeliums-Botschaft des Jesaja lesen und auslegen lassen[vii] … das Evangelium vom neuen Anfang, das Markus aus Jerusalem deshalb in Zypern, in Rom, in Ägypten und überall weitersagen musste, weil es für ihn selbst so rettend war:

Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt, der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König. Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und jubeln miteinander; denn sie werden's mit ihren Augen sehen, wenn der HERR nach Zion zurückkehrt. Seid fröhlich und jubelt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der HERR hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst. Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.“

Amen.   


[i] Die Berücksichtigung der Festtage der Apostel (und der Apostelin der Apostel am 22.Juli) im revidierten Perikopenbuch in Teil II: Weitere Feste und Gedenktage gibt im Gedenkjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ Anlass zu dankbarer Reflektion. Ohne diese Monat für Monat individuell zu meditierenden Gestalten ist nicht nur die „Wolke der Zeugen“ (Hebr.11) liturgisch ein Abstraktum, sondern schlimmer noch:

Ein auf christologische, reformationsgeschichtliche und wenige säkulare Gedenktage reduziertes Kirchenjahr ist de facto „judenrein“, während das Gedächtnis der neutestamentlichen Überlieferungsträger uns wieder und wieder zurück in die biblische Welt des Evangeliums und den jüdischen Glauben, das jüdische Verstehen der ursprünglichen Christuszeugen führt.

Eine Einordnung des Markusevangeliums (und seines Autors / Tradenten) in diesen judenchristlichen Rahmen ist in der Forschung nicht zentral, aber z.B. in dem anregenden Entwurf John Bowmans, The Gospel of Mark: The new Jewish Christian Passover Haggadah. Leiden (NL) 1965, zu finden.

[ii] Dass das Markusevangelium einen sekundären Schluss empfangen hat, um das Rätsel seines Endes in 16,8 zu mildern, ist der Theologie seit Jahrhunderten bewusst. Die Entscheidung der alten Kirche, dem Mk. eine synoptische Bündelung verschiedener österlicher Traditionen und Zeugnisse hinzuzufügen, kann als frühe Form der Predigtarbeit am Text des Evangeliums gewertet werden.    

[iii] Natürlich nimmt die historisch-kritische Methode keinen dieser innerneutestamentlichen Bezüge als belastbare Auskunft an. Wie man allerdings ein derart enges, assoziationsreiches Verweisgeflecht wie es eine kanonische Lektüre der Schrift auf der Suche nach Markus-Spuren ergibt, ungenutzt lassen kann, ist ein eigenes „Markus-Geheimnis“! Dass hier durch die Andeutungen und Querverbindungen ein verblüffend plastisches, sozio-psychologisch plausibles Gesamtbild entsteht, ist schlechterdings doch unübersehbar – es sei denn: Markus 4,12!     

[iv] Uralt ist die wohl auf das 1.Jahrhundert zurückgehende Überlieferung, die in Markus den schriftlichen Bewahrer des mündlichen Missionszeugnisses des Petrus sieht und ihn damit an die Spitze aller Modelle tradierter Autorität rückt. Dieser Zusammenhang wird greifbar bei Papias von Hierapolis in der ersten Hälfte des 2. nachchristlichen Jahrhunderts, vgl. Schriften des Urchristentums – Dritter Teil: Papiasfragmente / Hirt des Hermas, Eingeleitet, herausgegeben, übertragen und erläutert von U. J. Körtner und M. Leutzsch, Darmstadt 1998, - bes. Fragment 3 (überliefert bei Euseb von Cäsarea), aaO. S. 53.    

[v] Vgl. dazu die instruktive Edition mittelalterlicher Legenden und Predigten: W. Berschin und Th. Klüppel, Der Evangelist Markus auf der Reichenau, (Reichenauer Texte und Bilder 4), Sigmaringen 1994.

[vi] Die Identifizierung des ungenannten Jünglings von Markus 14, 51f mit dem Verfasser des Evangeliums selbst ist ein traditionsreicher Topos in vielen Jahrhunderten der Auslegungs- und Predigtliteratur. Sie lässt sich nicht beweisen. Und noch weniger abweisen.

[vii] Jesaja 52,7 begegnet als Antiphon bei beinah allen Apostelfesten, aber dass der Text am Fest des Hl.Markus bereits vor 1000 Jahren Schriftlesung gewesen sein dürfte, geht aus einem Passus der ersten Predigt auf den heiligen Markus des Reichenauer Abtes Bern - vermutlich aus dem 5.Jahrzehnt des 11.Jahrhunderts - hervor: Ediert in „Der Evangelist Markus auf der Reichenau“ (vgl. Anm. v), S.73.

Alle anzeigen

Gemeindebüro

Fliednerstr. 6
40489 Düsseldorf
Tel.: 0211 40 12 54
Fax: 0211 408 98 16

Öffnungszeiten:
Dienstag: 15:00 - 18:00 Uhr
Donnerstag & Freitag: 9:00 - 12:00 Uhr


Flüchtlingshilfe

Kaiserswerth: 0159-038 591 89
Lohausen: 0211 43 29 20


Kirchengemeinde Kaiserswerth Spendenkonto

DE40 3506 0190 1088 4672 28
Cookies auf dieser Website
Um unsere Internetseite optimal für Sie zu gestalten und fortlaufend zu optimieren verwendet diese Website Cookies
Benötigt:
+
Funktional:
+