Konfirmation 14.04.2018 Stadtkirche Johannes 10,11 Jonas Marquardt

 

Predigt Kaiserswerth Konfirmation 14.IV.2018                                                                                                    

                     Johannes 10,11

[Mit zwei frühchristlichen Darstellungen des Guten Hirten als jugendlichen Schäfers]

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!

Mal eine ganz unverbindliche Frage: Was wärt Ihr lieber, … „schön“ oder „gut“?

Würde es Euch also besser gefallen, dass Ihr andern wegen Eures netten Aussehens (so wie heute!) gefallt, oder fändet Ihr es hübscher, wenn andere Gefallen an Euch finden, weil Ihr nett seid?

……. Häähhh? Wie bitte? …….

Die Frage ist extra so ein bisschen umständlich und verdreht gestellt: Erstens weil ich es gemein fände – nachdem ich so oft behauptet habe, Ihr müsstet heute nichts Großartiges aufsagen oder vormachen –, von Euch jetzt doch etwas wissen zu wollen, für das man erst ein Fremdwörterbuch braucht, … nämlich ob Ihr Euch eher für das, was „ethisch“ ist oder eher für das, was „ästhetisch“ ist interessiert, … ob Ihr also mehr für Mode oder Moral sein.

Zweitens will ich natürlich mit der komisch verwurstelten Frage, ob Ihr lieber eine gute Optik oder ein schönes Innere habt, die beiden Seiten so lange hin- und herdrehen, bis man sie kaum noch auseinanderhalten kann.

Denn es ist einfach immer Unfug, wenn man uns weismachen will, man müsse sich zwischen dem, was innerlich und dem, was äußerlich attraktiv ist, unbedingt entscheiden.

Wenn das so wäre, dann hättet Ihr heute morgen jedenfalls alles falsch gemacht, … dann sollte man sich zu seiner Konfirmation jedenfalls nicht rausputzen, sondern am besten in Gesundheitslatschen und Tarnfarbe kommen, damit klar ist, dass hier und jetzt das furchtbar ernste Innenleben beginnt und die ganze oberflächliche Eitelkeit von Instagram ein Ende findet.

Doch die Idee, dass gute und liebevolle Christen irgendwie säuerlich und unappetitlich aussehen müssen, ist ein echtes Missverständnis, und jedes Fest wie heute, an dem wir schöngekleidete und ansehnliche Gestalten in der Kirche versammeln, zeigt uns, dass man gekämmte Haare, gebügelte Kleider und gepflegte Manieren haben kann … und trotzdem kein schlechter Mensch sein muss!

Das ist in der evangelischen Kirche manchmal ein wenig vergessen worden, weil wir doch Prunk und Zinnober und Gewänder und Firlefanz ablehnen und ganz vom schlichten Wort und von der reinen Überzeugung leben.

Aber Ihr seid nun mal eine Generation, die sich ohne Fotos, die sich ohne was zum Gucken eigentlich von nichts mehr ein Bild machen kann.

… Logisch, irgendwie.

Zum Glück habt Ihr dabei immer noch Geduld mit Dinosauriern wie mir, die ein “shooting“ für ein Massaker halten und bei den Bildchen, die man sich gegenseitig schickt, meinen, die seien so etwas wie Briefmarken und dahinter käme dann der Text mit der eigentlichen, ausführlich formulierten Botschaft. ——            

Ein ganz besonderes Glück aber haben wir alle miteinander an diesem Wochenende Eurer Konfirmation, denn das ist für die schnellen Sehleute wie Euch und für langweilige Langstreckenleser wie mich ein idealer Kompromiss, weil es ganz im Zeichen des bekanntesten Psalms und gleichzeitig eines der unvergänglichsten Bilder der Bibel steht: Die Rede ist vom guten Hirten.

Dieses Bild, dass der Herr unser Hirte ist und dass er bei jedem bleibt – auch im finstern Tal –  … das hat heute noch eine genauso direkte Trostkraft wie vor dreitausend Jahren.

Und es ist ein vertrauter Anblick, der dabei wach wird, … denn entweder auf den alltäglichen Wiesen und Weiden hier am Rhein oder auf irgendwelchen ganz bewusst biblischen Bildern ist uns ein hütender Hirte, der seiner friedlichen Schar den Weg weist und keinen Schützling verloren gehen lässt, ganz bestimmt schon begegnet.

Das Hirtenbild spricht also sofort und verständlich: Es  ist Glück – so sagt das Hirtenbild – … es ist Glück, wenn man zu Gott gehört, es ist Glück und Geborgenheit und es gibt dem Leben eine Richtung, und es schenkt Zuversicht und Ziele, wenn wir nicht nur auf eigene Faust und aus eigener Kraft leben, sondern uns gemeinsam von der Weisheit und der Stimme Dessen leiten lassen, Der Seine Herde verteidigt und erhält und schließlich in die große Sicherheit Seines Hauses führt, wo wir alle bleiben dürfen …immerdar.

Es ist also gut, zur Gemeinde Dessen zu gehören, Der uns durch Gutes und Barmherzigkeit lenkt und uns dadurch auch barmherzig und gut macht.

Aber – und jetzt kommt der „Witz“ am biblischen Bild des Guten Hirten – aber es ist nicht nur eine Gute Botschaft, dass wir in diese Herde und diese Heimat gehören. Sondern diese gute Botschaft ist auch sehenswert schön.

Und genau diese Seite des Evangeliums von Gottes liebevoller Sorge und Seinem guten Segen für uns haben die ersten Christen in Griechenland und Rom ganz früh entdeckt.

Ihnen war nämlich das Evangelium – vielleicht ein bisschen ähnlich wie bei Euch – in gewisser Weise manchmal zu schwer: Dass der Gott der Bibel sich für Seine Menschen quälen und am Kreuz töten lässt, das war ihnen ein Kummer, eine bedrückende und fremde Last.

Genau wie bei Euch war vielen von Ihnen das sonnige, das starke und sportliche Leben lieber als die Karfreitagsstunde, in der Jesus unter so schrecklichen Schmerzen den dunklen Tod erlitt.

… Natürlich begriffen auch die frühen Christen genauso gut wie Ihr, dass es kein Leben nur in Heiterkeit und Freiheit gibt, weil Bitteres und Zwang irgendwann jeden Menschen treffen.

Aber die Christen der Frühzeit verguckten sich gerade deshalb in das Bild vom guten Hirten, weil es ihre Lieblingsvorstellung zeigte: Wenn sie von Schäfern und Schafherden hörten, dann dachten sie an unbeschwertes Leben irgendwo in idyllischer Landschaft, an Spiele und Lieder und Ruhen unter blauem Himmel und im Schatten alter Bäume.

Und solche jugendliche Lebensfreude der Hirten, solches den Lämmern-Helfen, das wie ein Vergnügen wirkt, solche Bilder, in denen das Leben harmonisch, ja beinah wieder paradiesisch ist, die gehörten in den Gemeinden der ersten Jahrhunderte viel mehr zur Darstellung Jesu und zum Hinweis auf ihn, als die Abbildung seines Leidens und Todes.

Am Anfang der Kirche also finden wir, dass die Katechumenen im Taufunterricht, die ihren Glauben an Jesus Christus bestätigen – und das heißt ja: „konfirmieren“ – sollten, einen Eindruck von echter Schönheit empfingen: Gottes Liebe zu uns ist keine trübe Sache, sondern diese Liebe Gottes entdeckt man am einfachsten und klarsten im unbeschwerten und kräftigen Bild eines jungen, energiegeladenen Menschen, der in der Natur lebt und dort für die Kreatur sorgt … im Bild des muskelstarken, singenden Hirtenknaben. ——

Gottes Fürsorge für seine Menschen machte Ihn also in den Augen der griechischen und römischen Christen der Frühzeit tatsächlich einfach schön.  Sie erkannten in Ihm Einen, Der frei und gern das Leben der Menschen annahm und auf Seine Schultern lud. Sie vertrauten darauf, dass auch die Last, die Er da zu tragen bekommt, Ihn nicht bis zur Unkenntlichkeit entstellen würde, sondern dass Er die unveränderte Kraft hat, Liebe und Freude auszustrahlen.

Mit anderen Worten: Die ersten Christen sahen Gott ganz von Ostern her. Sie erkannten in Ihm Den, Den selbst der Tod nicht besiegen und selbst das Böse nicht hässlich machen kann.

Und in Wahrheit ist Er so bis heute: Gott ist das Beste geblieben, was es gibt. Er bleibt der Sieger über alles, was die Welt und das Leben grau und krank und schlecht werden lässt.

Und wer sich von Gott mitnehmen lässt, der wird sogar wenn der Weg durch tiefe Schatten führt, durch Enttäuschung oder Schuld, durch Elend, Angst und schwarze Nacht, … wer sich von Gott durch alles das mitnehmen lässt, der wird trotz allem und in allem so viel Schönes erleben dürfen und am Ende so Herrliches finden, dass es ein gutes Leben sein wird.

Und dieses gute Leben in Vertrauen und Gehorsam und im Gehören zu Gott: Es wird schön!

…Bestimmt wird’s nicht nur leicht, nicht immer nur harmlos sein.

Aber weil Gott es so gerne mit Euch teilen will, weil Er Euch so selbstverständlich mitnehmen und so sicher tragen wird, deshalb könnt Ihr die Sorge und den Kleinmut und die Panik und den Ehrgeiz und die Aggression und die Gier und das Misstrauen und alles andere, was Menschen scheußlich und abstoßend macht wie die Hass-Rapper, getrost ablegen oder Euch gar nicht erst angewöhnen.

Mit Gott werdet Ihr wirklich gut leben … und darum auch buchstäblich schön! … Innerlich und äußerlich. Frei und fest. Zuversichtlich und liebevoll.

Und darum ist es nicht irgendein Abschiedsgruß, sondern eine Verheißung, wenn ich Euch – die zum Guten Hirten gehören – jetzt sage: „Ein schönes Leben!“

Amen.

 

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